Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meeresbergbau rückt näher an die Küste - Kieler Forscher richten Fokus auf Schelfgebiete

09.02.2017

Meeresbergbau in der Tiefsee ist technisch sehr aufwändig und ist wirtschaftlich gegenwärtig kaum rentabel. Küstennahe Lagerstätten auf dem flachen, zugänglicheren Festlandsockel könnten aber in Zukunft beitragen, die steigende Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen zu befriedigen. Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe von Forschenden vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in einem Beitrag im internationalen Fachmagazin Nature Geoscience.

Die Nachfrage nach Rohstoffen steigt weiter und zwingt die Bergbauunternehmen, Erze mit geringeren Wertstoffgehalten und in immer größeren Tiefen zu nutzen. Dies könnte in den nächsten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Bergbauproduktion führen. Ferner hängen die Volkswirtschaften vieler Industrienationen oft von Einfuhren von Metallen für ihre High-Tech-Industrien ab.


Mineralische Vorkommen im Ozean und in den Küstenregionen an Land sowie ausschließliche Wirtschaftszonen.

Quelle: GEOMAR.

Einige dieser Metalle kommen in Erzlagerstätten vor, die sich in nur wenigen Ländern zu finden sind. Um eine Versorgung mit diesen sogenannten kritischen Metallen zu gewährleisten wird seit geraumer Zeit auch die Tiefsee als alternative Rohstoffquelle angesehen.

Trotz aller Bedenken hinsichtlich der Empfindlichkeit der Meeresumwelt und der Ökosysteme rückt ein möglicher Tiefseebergbau schnell näher. So wurden die ersten Explorationslizenzen für Manganknollen im zentralen Pazifik bereits 2001 von der Internationalen Meeresbodenbehörde vergeben.

Diese Lizenzen laufen derzeit aus und öffnen die Tür für den Abbau. In anderen Teilen der Weltmeere werden erzhaltige Massivsulfide an ehemals heißen mineralhaltigen Quellen (sogen. Schwarze Raucher) und kobaltreiche Eisen-Mangankrusten auf dem felsigen Meeresboden auf ihre Eignung als zukünftiger Rohstoff untersucht.

Aber auch der küstennahe Kontinentalschelf, auf dem bislang vorwiegend nach Öl- und Gasvorkommen gesucht wurde, könnte in den Fokus rücken. In einem Beitrag in Nature Geoscience betrachtet eine Gruppe Kieler Meeresforscher mögliche Chancen eines untermeerischen Bergbaus an den Ozeanrändern.

„Die Zeiträume von der Entdeckung bis zur Erschließung von Erzvorkommen werden generell immer länger“, erläutert Prof. Dr. Mark Hannington, Leiter der Gruppe für Marine Mineralische Rohstoffe am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Hinzu kommt, das von allen bekannten Tiefseevorkommen nur eine Handvoll jemals für eine kommerzielle Nutzung in Frage kommt“, so Hannington weiter.

Eine Nutzung von Vorkommen im Bereich der kontinentalen Festlandssockel hält der Kieler Forscher hingegen für bedeutend aussichtsreicher. Nicht nur, weil die technologischen Herausforderungen dort nicht so hoch sind, sondern auch weil die geologischen Gegebenheiten die Chance bieten, kommerziell interessante Vorkommen zu entdecken, die in der Tiefsee nicht auftreten.

Von Meerwasser bedeckte kontinentale Gesteine, die von der Fläche etwa ein Drittel der globalen Landmasse ausmachen liegen vor den Küsten. Von der Struktur und Zusammensetzung sind diese Gebiete den Kontinenten sehr ähnlich und lassen Vorkommen, die an Land abgebaut werden, auch hier vermuten.

Dies wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass es sehr viele Ressourcen im unmittelbaren Küstensaum gibt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Entdeckung einer riesigen Goldlagerstätte unter dem Gelben Meer in der Nähe der größten langgestützten Goldlagerstätten Chinas im Jahr 2015.

„Fast alle Metallarten, die heute gefragt sind, gibt es in küstennahen Gebieten, wobei mehr als 1.700 Erzvorkommen bekannt sind, die weniger als 50 km von der Küste entfernt sind“, erläutert Co-Autor Dr. Sven Petersen vom GEOMAR. Die Kieler Geologen prognostizieren große Lagerstätten unterhalb des Meeresbodens in verschiedenen Schelfregionen der Welt.

Dazu könnten Goldvorkommen vor der Küste West Afrikas, Nickelvorkommen im arktischen Ozean, und Blei-Zink-Vorkommen im Golf von Mexiko oder im Mittelmeer gehören. „Die Liste der möglichen Vorkommen ist lang und könnte unsere Sicht auf die weltweiten Offshore-Bodenschätze verändern“, meint Mark Hannington.

Ein weiterer Vorteil der küstennahen Lagerstätten unterhalb des Meeresboden, so die Kieler Forscher, seien zum einen weniger rechtliche Dispute, da diese in den ausschließlichen Wirtschaftszonen der Anrainerstaaten lägen, zum anderen könne der Abbau auch über Tunnel von Land aus, durch künstliche Inseln oder Plattformen umweltverträglicher gestaltet werden.

„Küstennahe Ressourcen unterhalb des Meeresbodens könnten eine vergleichsweise risikoarme Option sein, um unsere weltweit steigenden Anforderungen an metallische und mineralische Rohstoffe zu erfüllen“, so Prof. Hannington abschließend.

Originalarbeit:
Hannington, M., S. Petersen, and A. Krätschell, 2017: Subsea mining moves closer to shore. Nature Geoscience (2017) doi:10.1038/ngeo2897

Kontakt:
Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse@geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Zeppelin, Drohnen und Forschungsschiffe untersuchen Wattenmeer und Elbe
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik