Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Längere Vorwarnzeiten bei Fluten und Dürren dank Satelliten

14.01.2015

Erstmals koordiniert die Universität Bern ein «Horizon 2020»-Forschungsprojekt der EU. Mit Hilfe von Satelliten sollen dabei die Vorwarnzeiten bei Wetterextremen wie Überschwemmungen und Dürren verlängert werden. Heute fiel in Bern der Startschuss für das Projekt.

Je besser man Naturkatastrophen voraussehen kann, desto besser kann man darauf reagieren. Fluten etwa bauen sich aber so schnell auf, dass sie bisher kaum vorhersagbar sind. Ein internationales Forschungskonsortium unter Berner Leitung versucht nun die Vorwarnzeit für Fluten und Dürren deutlich zu erhöhen.

«Extreme Wetterereignisse wie Hochwasser nehmen angesichts des Klimawandels zu», sagt Adrian Jäggi vom Astronomischen Institut der Universität Bern (AIUB). «Es wird deshalb immer wichtiger, rechtzeitig genug Informationen zur Verfügung zu haben, um alle notwendigen Massnahmen zum Schutz von Leib, Leben und Infrastruktur zu ergreifen.» Jäggi leitet das dreijährige von der EU finanzierte Projekt namens EGSIEM (European Gravity Service for Improved Emergency Management), welches heute in Bern offiziell lanciert wurde.

Den Untergrund aus dem All beobachten

Zwar gingen Rettungskräfte nach Überschwemmungen unverzüglich an die Arbeit, sagt Projektmitarbeiter Matthias Weigelt von der Universität Luxemburg, aber ihnen habe bisher aus technischen Gründen im wahrsten Sinne des Wortes der Überblick gefehlt – also ein detailliertes Lagebild der Situation: «Bis etwa Fernerkundungssatelliten organisiert sind, die mit Kamera und Radar Übersichtsbilder und Karten herstellen können, dauert es mindestens 48 Stunden.»

Ziel der Forschung ist es deshalb, die bildgebenden Satelliten nicht erst beim Auftreten der Flut, sondern schon vorher zu positionieren. Dazu beobachten die Wissenschaftler die Verteilung der Wassermengen. Dabei genügt es nicht zu wissen, wie viel es geregnet hat. Ob es zu einer Überflutung kommt oder nicht, hängt vom Sättigungsgrad des Bodens ab – der grossen Unbekannten. Paradoxerweise lässt sich der Untergrund am besten aus dem All beobachten. Mithilfe des Satellitensystems GRACE zur Schwerefeldbestimmung, mit dem an der Universität Bern seit längerem gearbeitet wird, lassen sich Massenveränderungen auf der Erde analysieren.

EGSIEM-Leiter Jäggi erklärt das Prinzip: «Die Verteilung der Massen hat einen direkten Einfluss auf das Schwerefeld der Erde und somit auf die Bahn der Satelliten. Wenn sich in einer Region Wasser ansammelt, sprich dort die Masse wächst, verändert sich auch die Satellitenbahn.» Die Abweichung sei zwar minimal – in der Größenordnung eines Haares – aber messbar. «So können wir sagen, wann und wo Wasserspeicher volllaufen», sagt Hydrologe Andreas Güntner vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam. «Diese neuen Daten wollen wir mit vorhandenen Informationen kombinieren und damit die Katastrophenabwehr unterstützen.»

Auch bei Dürren einsetzbar

Bei einer Dürre funktioniert das System ähnlich, nur bleibt hier mehr Zeit, da sich eine Dürre über Wochen ankündigt. In diesem Fall ist es wichtig zu wissen, wie viele Wasserreserven noch zur Verfügung stehen um rechtzeitig Wassersparmassnahmen zu verordnen und Ernteausfälle zu verhindern. Neben der Beobachtung akuter Naturereignisse hoffen die Forscher, dass die aufbereiteten Daten dereinst noch weitere Anwendungen ermöglichen, etwa im Ressourcenmanagement.

Erstes «Horizon 2020»-Projekt unter Berner Leitung

Die Universität Bern koordiniert mit EGSIEM erstmals ein Forschungsprojekt im Rahmen des EU-Programms «Horizon 2020». 58 Forschungsgruppen hatten sich für die Projektausschreibung im Bereich Erdbeobachtung beworben, nur vier haben letztlich EU-Gelder erhalten. Das von der Universität Bern initiierte Projekt EGSIEM wurde mit der höchstmöglichen Punktzahl bewertet. Es erhält insgesamt knapp 2,5 Millionen Euro. Neben den Universitäten Bern und Luxemburg beteiligen sich das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum (D), die Technische Universität Graz (A), die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover (D), das Centre National d’Études Spatiales (F), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (D) und Géode & Cie (F) an EGSIEM. Für die Vorbereitung hat Projektleiter Adrian Jäggi vom AIUB eine Anschubfinanzierung durch die Universität Bern erhalten und wurde zudem durch das Schweizer Informationsnetzwerk Euresearch unterstützt. Als Koordinator von EGSIEM hat er sowohl die Projektverantwortung wie auch den wissenschaftlichen Lead inne.

Weitere Informationen:

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2015/vo...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Drohnen im Einsatz für die Korallenriffforschung
10.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie