Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Katastrophenschutz am Urlaubsort - Deutsch-Türkisches Forschungsprojekt zur Frühwarnung bei Erdbeben

11.08.2009
Deutsch-Türkisches Forschungsprojekt entwickelt Erdbeben-Frühwarnsystem für Istanbul und die Marmara-Region - erste Systemkomponenten erfolgreich installiert

Das Frühwarnsystem gegen Erdbeben im Großraum Istanbul und der Maramara-Region wurde durch innovative Systemkomponenten ausgebaut. Die Region an der die Schnittstelle zwischen der Anatolischen und der Eurasischen Platte ist nun besser auf zukünftige Erdbeben in der Nähe von Istanbul vorbereitet.

Durch die Erweiterung des Frühwarnsystems, das nach dem Beben vom 17. August 1999 bei Izmit mit fast 20,000 Toten errichtet wurde, ist der Großraum der Megacity Istanbul nun besser auf ein starkes Beben vorbereitet.

Das Sensorennetzwerk, dass im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Projektes EDIM (Earthquake Disaster Information System for the Marmara-Region) unter Leitung der Universität Karlruhe in der Megacity aufgebaut wird, ergänzt das bereits existierende Stationsnetz. Die bisherigen 10 seismologischen Stationen zur Erfassung von Erdbeben werden in den kommenden Monaten durch weitere 10 Instrumente ergänzt. Hierzu arbeitet das Projekt eng mit dem Kandilli Observatorium und Erdbeben-Forschungszentrum (KOERI) an der Universität Istanbul zusammen.

Ein zusätzliches so genanntes selbstorganisierendes Netzwerk von Sensoren wurde an verschieden Orten Istanbuls installiert. Die Sensoren sind untereinander drahtlos verbunden, so dass selbst beim Ausfall einiger Stationen noch ausreichend Informationen zur Verfügung stehen. Diese innovative Kommunikationstechnologie wurde in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) und der Humboldt-Universität Berlin entwickelt.

Im Fall eines Erdbebens werden alle Messdaten an ein Lagezentrum übertragen, dort analysiert und Sofortmaßnahmen können initiiert werden. So sollen Folgeschäden, wie sie zum Beispiel Großfeuer durch zerrissene Gasleitungen und unterbrochene Stromleitungen, minimiert werden. Der öffentliche Verkehr kann angehalten, Brücken und Tunnel gesperrt und die chemische Produktion gedrosselt werden. "Die Behörden werden zudem in die Lage versetzt, schnell Ort und Art der Schäden eines Bebens abzuschätzen", so Prof. Friedemann Wenzel vom Zentrum für Katastrophenmanagement und Schadensreduktion CEDIM an der Universität Karlruhe und Projektkoordinator von EDIM. Hierzu wird ein neuartiges Informationsmanagement entworfen, dass es den Verantwortlichen erlauben wird, sich ein schnelles Bild der Lage zu machen und effektive Entscheidungen zu treffen. "Angesichts der möglichen Erdbebenintensivität in der Region, ist der Zugang zu Ergebnissen der Gebäudeschadensberechungen aufgrund von Erdbeben im Web ein sinnvolles Instrument für Zivil- und Katastrophenschutzeinrichtungen vor Ort" berichtet Prof. Erdik, zuständiger Projektpartner am KOERI Institute. Erste Systembausteine hierzu wurden vom deutschen Industriepartner delphi IMM aus Postdam auf einem Workshop im Mai dieses Jahres der Bosporus Universität in Istanbul übergeben. "Damit ist EDIM ein weiteres Beispiel, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstitutionen und Unternehmen erfolgreich in konkreten Technologieanwendungen umsetzen lässt", so Dr. Ludwig Stroink, Leiter der Geschäftsstelle GEOTECHNOLOGIEN.

Ähnliche Systeme werden bereits mit großem Erfolg in Japan eingesetzt und für Taiwan und Kalifornien entwickelt. Erstmals werden die Sensoren in Istanbul nun aber kabellos unter einander und mit dem Lagezentrum kommunizieren. Im Fall das mehrere Stationen im Netz ausfallen oder die Stromversorgung oder Telekommunikation der Region ausfällt, sind so immer noch genügend Daten abrufbar, die eine umfangreiche Analyse der Situation erlauben. "Experimente mit Sensoren auf der Istanbuler Fatih-Brücke oder im Stadtteil Ataköy haben bereits die Effizienz des Systems bestätigt", so Wenzel.

Geplant ist, dass ab 2010 das Sensoren- und das Kommunikationsnetz funktionsfähig sind. Nach Schätzungen von Geowissenschaftlern ist eine solche Installation auch dringend notwendig. Mit rund 66% Wahrscheinlichkeit wird sich in den nächsten 30 Jahren ein Beben der Intensität 7 oder stärker in der Region Istanbul ereignen, so eine Studie des United States Geological Survey (USGS) und der Technischen Universität Istanbul aus dem Jahr 2000.

Weiterführende Links:
www.cedim.de - Center for Desaster Management and Risk Reduction an der Universität Karlsruhe
www.saferproject.net - das Seismic Early Warning Project des 6. Rahmenprogramms der EU

www.koeri.boun.edu.tr - das Kandilli Observatory and Earthquake Research Institute in Istanbul

Zusätzliche Informationen:

o 17. August 1999, rund 17.000 Menschen verlieren nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) ihr Leben, als bei Izmit in der Westtürkei die Erde bebte.

o Ein Forschungsteam um Ross Stein und James Dieterich vom USGS sowie Aykut Barka von der Technischen Universität Istanbul, hat in einem groß angelegten Forschungsprojekt festgestellt, das die Epizentren starker Erdbeben in der Türkei in den letzten hundert Jahren eine Wanderung der Hauptaktivität in Richtung Westen erkennen lassen. Dies bringt Istanbul - am westlichen Ende der aktiven Verwerfungszone - als stark gefährdete Region in den Fokus der Geowissenschaftler.

o Was bedeutet Frühwarnung?
Wenn ein Ereignis mit Schadenspotential wie ein Erdbeben oder ein Tsunami stattgefunden hat, besteht in der Regel ein kurzes Zeitfenster, bis zum Zeitpunkt, an dem die Auswirkungen dieses Ereignisses zum Beispiel in der nächstliegenden Stadt oder an der nahen Küste eintreten. So können Lage und Stärke der Erdbeben anhand der so genannten P-Wellen schnell identifiziert werden. Diese Wellen haben aber kaum Schadenspotential und sind in der Regel auch von den Menschen nicht spürbar. Die deutlich langsameren sekundären Wellen (die so genannten S-Wellen oder auch die Oberflächenwellen) erreichen den Beobachtungsstandort erst viele Sekunden später. Diese Sekunden können genutzt werden, um zum Beispiel Gasleitungen abzusperren, den öffentlichen Verlehr anzuhalten oder chemische Produktionen zu drosseln. Auf diese Weise können zwar Gebäudeschäden nicht verhindert werden, Folgeschäden zum Beispiel durch Großfeuer oder chemische Kontamination werden aber minimiert.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Friedemann Wenzel
Geophysical Institute, Karlsruhe University
Hertzstr. 16
76187 Karlsruhe
Germany
Tel.: +49 -721-608 4431
Fax: +49 - 721 - 71173
E-mail: Friedemann.Wenzel@gpi.uni-karlsruhe.de

Simon Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.geotechnologien.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie