Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IAGOS: Mit dem Linienflieger zum besseren Klimaverständnis

21.10.2014

Die europäische Forschungsinfrastruktur IAGOS (In-service Aircraft for a Global Observing System) betreibt Messgeräte auf Langstreckenflugzeugen großer Fluggesellschaften, um die Verteilung von klimarelevanten Spurenstoffen in der Atmosphäre zu analysieren. Die dabei gewonnen Daten sind ein wichtiger Baustein, um die Auswirkungen des Klimawandels zu dokumentieren und besser verstehen zu können.

Nach einer 18-monatigen Pilotphase beginnt nun die Hauptphase des Projekts, in der bis Anfang 2018 zehn weitere Flugzeuge mit Messinstrumenten ausgestattet werden. Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, startete am Montag im Forschungszentrum Jülich die IAGOS-Hauptphase und überreichte einen Förderbescheid der Bundesregierung über 5,4 Millionen Euro.


Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, überreicht den Förderbescheid der Bundesregierung über 5,4 Millionen Euro. Von links: Thomas Rachel MdB, Prof. Harald Bolt (Mitglied des Vorstands des Forschungszentrums Jülich), Prof. Andreas Wahner (IEK-8), Dr. Andreas Petzold (IEK-8)

Copyright: Forschungszentrum Jülich

Während der nun startenden Hauptphase sollen weitere zehn Verkehrsflugzeuge mit Instrumenten ausgerüstet werden, so dass bis Mitte 2018 insgesamt 15 Langstreckenmaschinen mit IAGOS-Messtechnik unterwegs sein werden.

Neben den täglichen Messungen an Bord der Linienflugzeuge wird parallel einmal monatlich ein Cargo Container auf einem Langstreckenflugzeug der Lufthansa mit komplexeren Messinstrumenten zur detaillierten Messung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre abheben. Parallel zur Installation der Geräte wird die Infrastruktur zur luftfahrttechnischen Betreuung der Messgeräte sowie zu deren Wartung und Kalibrierung weiter ausgebaut und in Dauerbetrieb genommen.

"Schon in der Pilotphase hat IAGOS wertvolle Daten zum Verständnis der Atmosphäre geliefert. Mit der Ausweitung der Zahl der teilnehmenden Flugzeuge wird diese Datenbasis weiter verbreitert. Das ist unerlässlich, um in Zeiten des Klimawandels genauere Klimavorhersagen zu treffen und die Auswirkungen der Luftverschmutzung feststellen zu können", sagte Forschungsstaatsekretär Thomas Rachel.

Weltweit sind fünf international operierende Fluggesellschaften in IAGOS eingebunden: Lufthansa, Air France, Iberia/British Airways, China Airlines und Cathay Pacific. Das gewährleistet eine globale Abdeckung bei der Erfassung der Messdaten. Jedes eingesetzte Flugzeug absolviert bis zu 500 Flüge weltweit im Jahr.

IAGOS stellt den Forscherinnen und Forschern präzise und räumlich hoch aufgelöste in-situ Messdaten von Treibhausgasen und reaktiven Spurengasen, Aerosolpartikeln und Wolkentropfen in der freien Troposphäre und in der Tropopausenregion zur Verfügung.

Die Tropopausenregion, die Übergangsschicht zwischen dem unteren (Troposphäre) und dem mittleren (Stratosphäre) Stockwerk der Atmosphäre, kann von satellitengestützten Messgeräten nur unzureichend aufgelöst werden, ist aber eine der Atmosphärenschichten, die auf den Klimawandel am empfindlichsten reagiert.

Mit seinem weltweit einzigartigen Konzept der Nutzung der Infrastruktur des internationalen Luftverkehrs zur Beobachtung der Erdatmosphäre orientiert sich IAGOS an den Vorgaben und Anforderungen des Weltklimarats (IPCC) und anderer internationaler Gremien und Organisationen.

Diese stufen in-situ Messungen der vertikalen Verteilung von klimarelevanten Spurenstoffen in der Troposphäre und Tropopause als unabdingbare Voraussetzung dafür ein, dem Klimawandel effektiv gegensteuern zu können. Dies gilt insbesondere für den interkontinentalen Ferntransport von Luftverschmutzung und für die Klimawirkung des internationalen Luftverkehrs.

IAGOS ist das Nachfolgeprogramm des 1994 gestarteten Programms MOZAIC (Measurememnt of OZone by Airbus In-service airCraft), dessen 20-jähriges Bestehen in diesem Jahr gefeiert wurde. Bis heute wurden in MOZAIC und IAGOS über 41 000 Messflüge weltweit durchgeführt.

IAGOS wird vom Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK-8) des Forschungszentrums Jülich unter der Leitung von Prof. Andreas Wahner und Dr. Andreas Petzold koordiniert, in Deutschland sind darüber hinaus auch die Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Karlsruhe Institut für Technologie, das Leibniz Institut für Troposphärenforschung sowie die Universität Heidelberg beteiligt.

Weitere Informationen:

Forschungsinfrastruktur IAGOS

Institut für Energie und Klimaforschung – Troposphäre (IEK-8)

Ansprechpartner:

Dr. Andreas Petzold, Forschungszentrum Jülich
Tel. 02461 61-5795
a.petzold@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Jochen Mohr, Forschungszentrum Jülich
Tel. 02461 61-2062
jo.mohr@fz-juelich.de

Jochen Mohr | Forschungszentrum Jülich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie