Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grundwasser in Nordindien sinkt bedrohlich

12.08.2009
Größte Gravitations-Änderung der Erde nach Eisbergschmelze

Der Norden Indiens, Heimat von 600 Mio. Menschen und zugleich die am meisten bewässerte Region der Welt, verliert jährlich 54 Kubikkilometer Grundwasser.


In Nordindien sinkt das Grundwasser jährlich (Bild: National Geophysical Research Institute/Tiwari)

Das stellen Hydrologen von der University of California in der Fachzeitschrift "Geophysical Letters" fest. Auf Grundlage von Satelliten-Messungen konnten sie berechnen, dass der Wasser-Nettoverlust den Norden Indiens in absehbarer Zeit der Wasserversorgung enorme Probleme bereiten wird. "Ich denke niemand wusste, dass sich das Wasser in dieser großen Region so schnell erschöpft", so Forschungsleiter James Famiglietti.

Die Forscher machten sich Daten des 2002 gestarteten deutsch-amerikanischen Grace Recovery and Climate Experiment GRACE zunutze. Dabei handelt es sich um zwei Satelliten, die auf ihrem Parallelflug Veränderungen ihrer Distanzen per Mikrowelle präzise messen, was Rückschlüsse über die Anziehungskraft der Erde erlaubt. Denn wenn sich der vordere Satellit über eine Stelle mit ungewöhnlich starker Erdanziehung bewegt, beschleunigt er dabei und vergrößert den Abstand zum Zwillingssatellit, während beim Verlassen dieser Stelle das Umgekehrte eintritt.

Die Gravitationsänderungen, die sich dabei zeigen, gehen in erster Linie auf Wasser auf und unter der Erdoberfläche zurück. Auf diese Weise wurde bereits das Schmelzen der Eisberge dokumentiert sowie das Verschieben von Ozeanströmungen, die Austrocknung von Überschwemmungen und die Entleerung großer Seen.

Die 2,7 Mio. Quadratkilometer große Tiefebene in Nordindien rund um die Hauptstadt Neu-Delhi löste nach den schrumpfenden Eisbergen das größte von GRACE registrierte Schwinden von Schwerkraft aus. Die Gravitationsänderungen entsprechen einem Nettoverlust von 54 Kubikkilometer Grundwasser pro Jahr, wobei die Schwankungsbreite neun Kubikkilometer beträgt. Würde diese Wassermenge auf der ganzen Region verteilt werden, entspricht das einer jährlichen Regenmenge von 10 Zentimetern. Solche Dimensionen des Wasserentzugs reichen bereits aus, um den Wasserspiegel von einem stabilen zu einem fallenden Zustand überzuführen. Stets tiefere Brunnen und größere Pumpen werden für die Wasserentnahme nötig sein, wobei das zutage gebrachte Wasser jedoch zunehmend salzig und verschmutzt sein wird.

Dass der Wasserspiegel in Nordindien ständig sinkt, ist keine Überraschung, gilt diese Region doch als die am meisten bewässerte der Welt. 50 bis 75 Prozent der Landfläche werden mit gepumpten Grundwasser oder Reservoirwasser bewässert. Darüber hinaus beziehen die 600 Mio. Bewohner viel Grundwasser. Laut der GRACE-Datenanalyse wird das Grundwasser in dieser Dekade um 70 Prozent schneller herausgepumpt als man dies in den 1990er Jahren vorhersagte. "Man weiß in Indien bisher nicht, bis zu welcher Tiefe Wasser verfügbar ist. Sicher ist nur, dass es nicht bodenlos ist", so Famiglietti.

Ein sinkender Grundwasserspiegel kann auch die Wasserqualität beeinträchtigen, ergänzt Jürgen Braun vom Institut für Wasserbau der Universität Stuttgart gegenüber pressetext. "Viele Grundwasserleiter sind in Indien stark arsenhaltig. Sinkt der Grundwasserspiegel, gelangt Sauerstoff an das Arsen und löst es, was zu zahlreichen Krankheiten führen kann."

Auch andere Regionen wie etwa der mittlere Westen der USA seien vom Problem des sinkenden Grundwassers betroffen. "Auch hier muss immer tiefer nach Wasser gebohrt werden, was dann ständig ansteigende Energiekosten für die einzusetzenden Grundwasserpumpen nach sich zieht. Als eine der Gegenmaßnahmen beginnt man in den USA, Schmelzwasser aus den Rocky Mountains zurückzuhalten und zu infiltrieren. Große Bedeutung haben jedoch auch gesetzliche Regelungen, die den Wasserverbrauch nach Regionen beschränken", so der Grundwasser-Experte.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uci.edu
http://www.dlr.de/grace
http://www.iws.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Erforschung des grönländischen 79°-Nord-Gletschers
12.10.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik