Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grazer ForscherInnen beweisen: Menschlicher Einfluss auf Klimawandel auch über bodennaher Atmosphäre

12.10.2009
Die Diskussion um die Ursachen des Klimawandels ist um ein neues, stichhaltiges Argument reicher.

ForscherInnen des Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz konnten erstmals anhand neuartiger Satellitendaten auch in der freien Atmosphäre über den bodennahen Luftschichten nachweisen, dass sich das Ausmaß der globalen Erwärmung nur erklären lässt, wenn von Menschen verursachte Klimatrends durch Treibhausgase mit einbezogen werden.

Jahrelang hatten Univ.-Prof. Dr. Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Zentrums sowie des Bereichs Geophysik im Institut für Physik, und Dr. Andrea Steiner als KoordinatorInnen einer internationalen Arbeitsgruppe mit ihren Teams Daten gesammelt und ausgewertet. Die bahnbrechenden neuen Forschungsergebnisse, die kürzlich im führenden geophysikalischen Fachjournal "Geophysical Research Letters" publiziert wurden, sorgen nun weltweit für Aufsehen. Sie fanden sich letzte Woche unter den "Top Five Weekly Downloads" der Zeitschrift.

Im Mittelpunkt der jüngsten Erkenntnisse steht der statistisch gesicherte Nachweis, dass die gegenwärtigen Klimatrends nicht nur in der bodennahen Luft, sondern ebenso in der oberen Wetterschicht - auch obere Troposphäre genannt - und in der darüber liegenden Stratosphäre vorherrschen. "Während sich die Troposphäre erwärmt, kühlt sich die Stratosphäre zunehmend ab", berichtet Gottfried Kirchengast. Dieses Verhalten sei zwar von Modellen und ungenaueren Daten grundsätzlich bekannt, überrascht waren die WissenschafterInnen aber vom Ausmaß des Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrastes seit 1995.

"Dieser Kontrast ist aufgrund natürlicher Schwankungen allein nicht erklärbar", betont Kirchengast. "Die gemessenen Trends weisen nach, dass der menschliche Einfluss im Spiel ist." Bei diesen Analysen konzentrierten sich die ForscherInnen auf die Tropen. Dort ist die Wetterschicht mit 16 Kilometern am dicksten und der Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrast von grundlegender Bedeutung für das gesamte Klimasystem der Erde.

Möglich gemacht hat diesen nicht auf Modelle, sondern rein auf Daten gestützten Meilenstein der Klimaforschung die "GPS Radiookkultation". "Dabei handelt es sich um Messungen mit Satelliten, welche GPS-Signale nach ihrem Weg durch die Atmosphäre empfangen. Dies liefert im Gegensatz zu bisherigen Methoden auch über lange Zeiträume äußerst genaue Klimadaten", erklärt Andrea Steiner. Als eine der international führenden Gruppen in der Klimaforschung mit Satelliten arbeiten die Grazer WissenschafterInnen bereits seit Einführung der GPS Radiookkultation Mitte der 1990er-Jahre auf diesem Gebiet.

Von zukunftweisender Bedeutung sind die aktuellsten Erkenntnisse der ForscherInnen am Wegener Zentrum auch für die Verbesserung der Vorhersagegüte von globalen Klimamodellen. "Derzeit scheint der Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrast in Modellen zu schwach simuliert zu werden. Herauszufinden, wo die Ursachen dafür liegen, ist extrem wichtig", blickt Kirchengast bereits auf nächste Schritte. "Endlich haben wir hinreichend Daten mit Benchmark-Qualität, um Klimamodelle in der freien Atmosphäre fundamental testen zu können."

Publikation:
Steiner, A. K., G. Kirchengast, B. C. Lackner, B. Pirscher, M. Borsche, and U. Foelsche (2009), Atmospheric temperature change detection with GPS radio occultation 1995 to 2008, Geophysical Research Letters, 36, L18702, doi:10.1029/2009GL039777.
Weitere Schlüsselreferenzen:
Ho, S.-P., G. Kirchengast, S. Leroy, J. Wickert, A. J. Mannucci, A. K. Steiner, and 15 further co-authors (2009), Estimating the uncertainty of using GPS radio occultation data for climate monitoring: Inter-comparison of CHAMP refractivity climate records 2002-2006 from different data centers, Journal of Geophysical Research, in press, doi:10.1029/2009JD011969.

Foelsche, U., G. Kirchengast, A. K. Steiner, L. Kornblueh, E. Manzini, and L. Bengtsson (2008), An observing system simulation experiment for climate monitoring with GNSS radio occultation data: Setup and testbed study, Journal of Geophysical Research, 113, D11108, doi:10.1029/2007JD009231.

Die Arbeiten werden vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF, der Forschungsförderungsgesellschaft FFG (Österreichisches Weltraumprogramm) und der European Space Agency ESA gefördert.

Das Wegener Zentrum ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum der Uni Graz an der Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät, mit Stamminstituten auch aus den Naturwissenschaften (Institut für Physik) und Wirtschaftswissenschaften (Institut für Volkswirtschaftslehre) sowie weiteren PartnerInnen zur Bündelung des Bereichs "Klimawandel, Umweltwandel und Globaler Wandel".

Kontakt:
Sabine Tschürtz
Öffentlichkeitsarbeit
Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz
Tel.: +43 (0)316/380 8430
E-Mail: sabine.tschuertz@uni-graz.at

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.wegcenter.at
http://www.wegcenter.at/arsclisys
http://www.uni-graz.at/igam

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein
21.11.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Tonmineral bewässert Erdmantel von innen
20.11.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie