Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FS POSEIDON startet zur 500. Expedition

23.05.2016

Das am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beheimatete Forschungsschiff POSEIDON startet diese Woche zu seiner 500. Expedition. Während der Jubiläumsfahrt untersuchen und kartieren Meeresgeologen des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen den Kontinentalhang vor der südfranzösischen Hafenstadt Nizza. Ziel der Arbeiten ist es, die Gefahr von Hangrutschungen und letztendlich auch Tsunamis besser abschätzen zu können.

Am kommenden Mittwoch heißt es wieder einmal „Leinen los“ für die POSEIDON. Von Catania auf Sizilien aus nimmt das 60 Meter lange Forschungsschiff Kurs auf die französische Mittelmeerküste. Ein Team unter Leitung von Prof. Dr. Achim Kopf vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen wird vor Nizza zwölf Tage lang den Meeresboden untersuchen, um Daten über die Gefahr von Hangrutschungen in der Region zu sammeln.


Die POSEIDON während einer Expedition vor der südfranzösischen Hafenstadt Nizza. Auch die 500. wissenschaftliche Ausfahrt des Forschungsschiffes führt wieder in diese Region.

Foto: Achim Kopf, MARUM


Das Einsatzgebiet der POSEIDON reicht vom Mittelmeer bis nach Spitzbergen am Rande des Arktischen Ozeans.

Foto: Jens Greinert, GEOMAR

Gleichzeitig feiert die am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beheimatete POSEIDON mit dieser Expedition ein außergewöhnliches Jubiläum: Es handelt sich um ihre 500. wissenschaftliche Ausfahrt. „Nach wie vor ist die POSEIDON eine unentbehrliche Arbeitsplattform der Deutschen Meeresforschung“, sagt GEOMAR-Schiffskoordinator Dr. Klas Lackschewitz.

Gebaut wurde die POSEIDON von 1974 bis 1976 auf der Schichau Unterweser AG in Bremerhaven für das damalige Kieler Institut für Meereskunde (jetzt: GEOMAR). Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) übernahm 90 Prozent der Investitionskosten, zehn Prozent trug das Land Schleswig-Holstein. Das Schiff verkörperte damals den neuesten Stand der Geräte- und Schiffbauentwicklung.

Zunächst war die POSEIDON vor allem für Einsätze in Nord- und Ostsee konzipiert. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde sie aber für Forschungen im Tiefseebereich des Atlantiks umgerüstet. In der jüngeren Vergangenheit operierte das Schiff fast ausschließlich im Nordatlantik, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Mittlerweile hat sie 360.000 Seemeilen (fast 670.000 Kilometer) im Dienst der Forschung zurückgelegt.

Für die wissenschaftlichen Arbeiten ist die POSEIDON mit einer Vielzahl von Kränen und Winden ausgerüstet. Zur Vermessung und Untersuchung des Meeresbodens verfügt sie über eine moderne Echolotanlage mit Sedimentlot. Insgesamt fünf Laborräume stehen den Wissenschaftlern an Bord zur Verfügung. „Über die Jahre wurde die Ausrüstung immer wieder modernisiert und an die neuesten technischen Entwicklungen angepasst“, erklärt Dr. Lackschewitz.

Die POSEIDON ist zwar in Kiel beheimatet, sie dient aber der gesamten deutschen Meeresforschung – wie auch bei der anstehenden Jubiläumsfahrt. Dabei werden die Bremer Meeresgeologen unter anderem das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) MARUM-SEAL für eine genaue Kartierung des Meeresbodens und Schwerelote für Probennahmen einsetzen. Zusätzlich werden sie ein bereits bestehendes Messnetz am Meeresboden warten und ergänzen.

„Vor Nizza trägt der Fluss Var nach Starkregen sowie nach der Schneeschmelze in den Alpen immer wieder große Wassermengen ins Mittelmeer, das zum Teil auch Nizza unterspült. Diese Wässer destabilisieren den Tiefseehang, der direkt vor der Küste steil bis in Tiefen von 2000 Metern abfällt“, erklärt der Fahrtleiter Achim Kopf. 1979 ist ein Teil des Hangs direkt vor Nizza abgerutscht und hat dabei einen lokalen Tsunami ausgelöst.

„Wir wollen die Dynamik hinter solchen Rutschungen besser verstehen, um die Risiken besser abschätzen zu können“, sagt der Bremer Geologe. Die Arbeiten dienen auch als Vorbereitung für eine internationale Bohrkampagne des International Ocean Discovery Program (IODP) und des International Continental Scientific Drilling Program (ICDP), die einen geologischen Schnitt von den südlichen Ausläufern der französischen Alpen bis zum ligurischen Kontinentalhang im Mittelmeer erbringen wird.

Doch auch wenn die POSEIDON im Moment noch ein verlässliches Arbeitspferd der deutschen Meeresforschung ist – das Ende ihrer Dienstzeit ist absehbar. „Sie wird dieses Jahr 40. Das ist für ein Schiff ein sehr hohes Alter. Im Rahmen der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte wird es 2020 einen Nachfolgebau geben, der die POSEIDON und die ebenfalls über 30 Jahre alte METEOR ersetzen wird“, sagt Dr. Lackschewitz.

(Gemeinsame Pressemitteilung des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel)

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.marum.de MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Umrüstung auf LED-Beleuchtung spart Energie und Geld, führt aber zu steigender Lichtverschmutzung
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an
23.11.2017 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung