Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsschiff Sonne auf Schatzsuche

10.03.2015

Die Untersuchung der biologischen und geologischen Konsequenzen des Meeresbodenbergbaus ist das Ziel einer Forschungsreise auf dem neuen deutschen Forschungsschiff Sonne, das heute in See sticht. Von Panama aus geht es in die pazifische Manganknollenregion. Dort werden unter der Leitung des Forschungsinstituts Senckenberg am Meer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 11 europäischen Nationen Proben aus 5000 Meter Tiefe sammeln, um Einblicke in die Faunengemeinschaften von Manganknollenfeldern zu erhalten und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber einem Abbau besser abschätzen zu können. Am 30. April wird die Sonne in Manzanillo (Mexiko) wieder einlaufen.

Tiefseeebenen zwischen 3000 und 6000 Metern Wassertiefe bedecken circa 60 Prozent unserer Erde. Dieser riesige und einzigartige Lebensraum ist nahezu unerforscht und beherbergt eine Vielzahl zumeist unbekannter Arten.


Die Expedition des Forschungsschiffs Sonne startet am 10. März 2015.

Stefanie Kaiser, Senckenberg am Meer

In der Tiefsee liegen auch wertvolle Schätze, zum Beispiel in Form von metallreichen Manganknollen und Krusten. Sie sind unter anderem für die Herstellung von Mobiltelefonen und Autos von wirtschaftlichem Interesse. Allerdings birgt die Bergung dieser Metalle Gefahren für die Umwelt.

Wie Organismen auf einen möglichen Abbau reagieren und welche Folgen dieser für den Lebensraum Tiefsee haben könnte, wird während einer 52-tägigen Forschungsreise mit dem neuen deutschen Forschungsschiff Sonne untersucht werden.

Die FS Sonne wird heute unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Pedro Martínez Arbizu vom Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Senckenberg am Meer in Balboa (Panama) in See stechen. Ziel der Reise ist die Clarion-Clipperton-Bruchzone, einem Tiefseegebiet, das sich von Hawaii im Westen bis Mexiko im Osten erstreckt und in der die wirtschaftlich interessantesten Lagerstätten für Manganknollen liegen.

Mit an Bord befinden sich 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 11 europäischen Ländern. Neben Mitarbeitern der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung nehmen u. a. Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel, des Alfred Wegener Instituts für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven, der Universitäten Lodz (Polen) und Gent (Belgien) sowie des französischen Instituts Ifremer (Institut français de recherche pour l´exploitation de la mer) an der Expedition teil.

Verschiedene Methoden und Geräte, wie etwa Greifer, Schleppgeräte und bildgebende Unterwasserroboter kommen zum Einsatz, um die Vielfalt und Zusammensetzung der Manganknollen-Lebensgemeinschaften in ca. 5000 Meter Tiefe zu untersuchen

Eine der zentralen Fragestellungen beschäftigt sich mit den Langzeitfolgen eines Abbaus von Manganknollen. „Wir werden Spuren eines Abbau-Experimentes von 1978 nach über 30 Jahren wieder aufsuchen, um Anhaltspunkte zu erhalten, wie die gestörte Region sich seitdem verändert hat und ob sich die Fauna erholen konnte“, sagt Professor Martínez.

Zudem wird das Team erstmals Proben in einem der neun Schutzgebiete nehmen, welche von der Internationale Seebodenbehörde (ISA) zur Erhaltung der marinen Unterwasserwelt und ihrer Vielfalt eingerichtet wurden. Das Probenmaterial soll erste Hinweise geben, ob sich diese Gebiete als Schutzzonen eignen. „Es ist deshalb wichtig für uns zu verstehen, wie weit Arten verbreitet sind, um abschätzen zu können, ob eine Wiederbesiedelung von den Schutzzonen aus erfolgen könnte“, erklärt Martínez.

Die Reise stellt die erste von drei Expeditionen dar, die im Rahmen des EU Initiative JPI Oceans (Joint Programming Initiative) koordiniert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden, um die Folgen von Tiefseebergbau zu untersuchen und zu bewerten. Zwei weitere Reisen mit der FS Sonne finden im Sommer 2015 statt.

Die Ergebnisse der Forschungsreisen werden einen wichtigen Beitrag leisten, um Auswirkungen des Tiefseebergbaus besser zu verstehen und so den Lebensraum Tiefsee und seine Organismen nachhaltig zu schützen.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Weitere Informationen:

http://www.senckenberg.de/presse

Judith Jördens | Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie