Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expedition zum feurigen Herz der Erde

18.09.2012
Am 22. September wird ein deutsch-französisches Forscherteam in See stechen, um bei der Insel La Réunion - einem der ältesten und aktivsten Vulkane der Erde - feurige Magmaströme aus dem Erdinneren zu vermessen.
Geleitet wird das Projekt auf deutscher Seite von der LMU-Geophysikerin Karin Sigloch, die untersuchen will, ob der Vulkanismus von einem sogenannten Mantelplume tief aus dem Erdinneren gespeist wird.

Die Wissenschaftler werden im Rahmen der bisher größten Messkampagne weltweit zahlreiche Messstationen ausbringen, die ein Jahr lang Erdbebenwellen aufzeichnen. Mit den resultierenden Daten sollen tomographische 3-D-Bilder erzeugt werden, die das Erdinnere von der Oberfläche bis zum Erdkern durchleuchten - und ganz neue Erkenntnisse über Struktur, Dynamik und Geschichte der Erde vermitteln können.
Den Verlauf der Expedition dokumentieren die Wissenschaftler in einem Blog. Diesen Blog finden Sie ab dem 22. September 2012 unter http://www.rhum-rum.net/blog.

Der Vulkanismus der Insel La Réunion wird von einer riesigen Magmaquelle gespeist, die nicht an Plattengrenzen gebunden ist und ihren Ursprung vermutlich im tiefsten Erdinneren hat. Während die Erdplatten über diesen sogenannten Hotspot hinwegdrifteten, entstand eine etwa 5500 Kilometer lange feurige Spur, deren Beginn im Dekkan-Plateau in Indien liegt. Dort ergossen sich vor 65 Millionen Jahren ungeheure Lavamengen, die das globale Klima massiv beeinflussten. Der Aufstieg heißer Gesteinsschmelze tief aus dem Erdmantel wird als Mantelplume bezeichnet - wie tief Plumes wirklich reichen, wird immer noch kontrovers diskutiert.

Um dem Ursprung des mutmaßlichen Mantelplumes unter La Réunion auf den Grund zu gehen, planen die Wissenschaftler, so tief zu blicken wie keine Expedition zuvor: Bis zum unteren Erdmantel in 2900 km Tiefe. Dazu brauchen sie vor allem viele seismische Messstationen, die weitflächig ausgelegt werden: Auf einer Fläche von 4 Millionen km² werden sie knapp 60 seismische Meeres-Messgeräte und ca. 30 Land-Messstationen auszubringen - die bisher größte derartige Messkampagne weltweit. Dazu kommen noch etwa 70 existierende seismische Landstationen um den Indischen Ozean herum, deren Ergebnisse mit einbezogen werden sollen. Die Auswertung wird in einem Jahr beginnen, wenn die Messgeräte wieder eingesammelt werden - dann mithilfe des deutschen Forschungsschiffs Meteor.
Am Projekt sind neben den Wissenschaftlern der LMU auch Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, der Universitäten Frankfurt und Münster sowie der Universität La Réunion und vom Institut de Physique du Globe Paris (IPG Paris) beteiligt. (göd)

Kontakt:
Dr. Karin Sigloch
Department of Earth Sciences – Geophysics
Ludwig-Maximilians-Universität München
Tel: +49 (0) 89 2180 4138
Fax: +49 (0) 89 2180 4205
E-Mail: sigloch@geophysik.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de
http://www.geophysik.uni-muenchen.de/Members/sigloch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie