Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Nachweis von Meerkatzenvorkommen außerhalb Afrikas

01.07.2014

Ein internationales Team von Wissenschaftlern vom Museum für Naturkunde Berlin, dem Hunter College-CUNY und der Yale University fand 6,5 bis 8 Millionen Jahre alte fossile Überreste eines Altweltaffen in Abu Dhabi.

Die Entdeckung ist ein Beleg dafür, dass sich Altweltaffen von Afrika aus verbreitet haben. Der Fund stellt den einzigen Nachweis von Meerkatzenvorkommen außerhalb Afrikas dar, wie in der aktuellen Ausgabe des wissenschaftlichen Journals Proceedings of the National Academy of Sciences, USA berichtet wird.

Altweltaffen sind eine vielfältige und weit verbreitete Tiergruppe, zu der bekannte Arten wie afrikanische und asiatische Makaken, Paviane, Mangaben, Languren und andere Meerkatzenverwandte gehören. Unter den nichtmenschlichen Primaten gelten sie als besonders erfolgreich in der Evolutionsgeschichte.

So weit verbreitet sie heute auch in Afrika und Asien sind – wann und wie sie sich von Afrika aus verbreiteten, wusste man bisher nicht genau. Nun geben die Affenfossilien von Abu Dhabi wichtige Hinweise zur Beantwortung offener Fragen.

Früher hatte es Vermutungen gegeben, dass zumindest einige dieser Affen, vor allem Makaken, über das Mittelmeerbecken oder die Straße von Gibraltar nach Eurasien gelangten, und zwar während der sogenannten Messinischen Salinitätskrise vor etwa sechs Millionen Jahren, als das Mittelmeer austrocknete und Tiere von Nordafrika Europa trockenen Fußes erreichen konnten.

Die neu entdeckten Fossilien nun sind ein Hinweis darauf, dass die Verbreitung der Altweltaffen schon vor der Messinischen Krise über die Arabische Halbinsel erfolgte. Das neu entdeckte Fossil, ein kleiner unterer Backenzahn, wurde 2009 auf der Insel Shuweihat vor Abu Dhabi gefunden.

Die Forscher stellten fest, dass dieser Zahn dem ältesten bekannten Vertreter der Meerkatzengattung gehörte, die beispielsweise Grüne Meerkatzen, Rotschwanzmeerkatzen, Brazza-Meerkatzen, Diana-Meerkatzen umfasst; also zu den auffallendsten und buntesten heutigen Affen in afrikanischen Wäldern. Heute finden sich diese Affen nur noch auf dem afrikanischen Kontinent, doch legt der Fossilienfund nahe, dass es eine Zeit gab, in der Meerkatzen ihren Lebensbereich über Afrika hinaus erweitert hatten.

„Den Zahn fanden wir auf der Suche nach fossilen Überresten von kleinen Nagetieren – das war Knochenarbeit in jeder Hinsicht“, berichtet Dr. Faysal Bibi vom Museum für Naturkunde Berlin, einer der Koautoren und Entdecker des Backenzahns. “Dabei mussten wir allein an dieser Fundstelle tagelang Berge von Sand durchsieben – aber es hat sich gelohnt.” Das älteste bis dato bekannte Meerkatzenfossil war vier Millionen alt.

Mit dem jetzigen Fund wird das erste Auftauchen der Meerkatzen zweieinhalb Millionen Jahre vorverlegt.
Die Entdeckung einer baumbewohnenden Meerkatze in der Wüste Abu Dhabis wirft ein Schlaglicht auf die gewaltigen ökologischen Veränderungen, die auf der Arabischen Halbinsel stattgefunden haben.

Die Fossilienfundstätten aus dem späten Miozän in Abu Dhabi soll nun nach Aussagen des Leiters der Umwelthistorischen Abteilung der Tourismus-und Kulturbehörde unter Schutz gestellt werden, um mehr über das prähistorische Leben auf der Arabischen Halbinsel forschen zu können.

Zitat: Christopher C. Gilbert, Faysal Bibi, Andrew Hill & Mark J. Beech (2014) Early guenon from the late Miocene Baynunah Formation, Abu Dhabi, with implications for cercopithecoid biogeography and evolution.

Die Veröffentlichung ist nach Ablauf des Embargos frei zugänglich unter: www.pnas.org/cgi/content/short/1323888111

Dr. Gesine Steiner | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften