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Erste Bernsteinfossilien Neuseelands entdeckt

06.02.2018

Paläontologen finden große Bernsteinvorkommen auf der Südhalbkugel

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Schmidt vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen und Prof. Dr. Daphne Lee von der University of Otago in Dunedin hat erstmals neuseeländische Bernsteineinschlüsse entdeckt und untersucht. An mehreren Fundstellen fanden sie Spinnen, Milben, Mücken, Käfer und andere Gliederfüßer sowie Pilze, die seit bis zu 25 Millionen Jahren im Bernstein konserviert sind. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Gondwana Research erschienen.


Stechmücke der Gattung Forcipomyia im miozänen Bernstein Neuseelands.

Foto: International Association for Gondwana Research und Alexander Schmidt, Universität Göttingen


Erster fossiler Beleg von Rußtaupilzen der Südhemisphäre.

Foto: International Association for Gondwana Research und Alexander Schmidt, Universität Göttingen

Bernstein ist fossiles Baumharz, das bekannt ist für die detailgenaue Erhaltung von Organismen, die sonst kaum oder überhaupt nicht als Fossilien gefunden werden. Bernsteineinschlüsse sind daher besonders wichtig für die Rekonstruktion von Ökosystemen in der Erdgeschichte. Große fossilienhaltige Bernsteinlagerstätten fanden sich jedoch bisher nur auf der Nordhalbkugel der Erde, was zu erheblichen Lücken im Verständnis der Evolutionsgeschichte bestimmter Organismengruppen führte.

„Unsere Funde zeigen, dass Bernsteine mit Einschlüssen von Fossilien auch auf der Südhalbkugel der Erde in großen Lagerstätten vorkommen. Über 30 Bernsteinfundstellen haben wir in ganz Neuseeland dokumentieren können“, erläutert der Göttinger Paläontologe Schmidt. „Die Bernsteine und ihre Einschlüsse helfen, die komplizierte geologische und biologische Geschichte Neuseelands zu entschlüsseln.“

Die neu entdeckten Fossilien aus dem Oligozän und Miozän sind 15 bis 25 Millionen Jahre alt. Unter den zahlreichen im neuseeländischen Bernstein eingeschlossenen Gliederfüßern befinden sich Spinnen mit Resten ihrer Netze und darin gefangene Beute, Pseudoskorpione, bodenbewohnende Milben, verschiedene Mücken, Schildläuse, parasitische Wespen, Ameisen, Käfer und Staubläuse. Insgesamt handelt es sich um Vertreter von zehn Ordnungen und etwa 20 Familien von Gliederfüßern; hinzu kommen verschiedene Pilze und Pflanzenreste.

„Einige dieser Gliederfüßer repräsentieren die ersten fossilen Belege ihrer Gruppen von der gesamten Südhalbkugel“, erklärt die neuseeländische Paläontologin Lee. Das fossile Harz stammt von den Vorläufern der Kauri-Bäume, die heute noch auf der Nordinsel Neuseelands zu Hause sind und nach wie vor sehr viel Harz abgeben.

„Das heißt, dass sich die pflanzliche Herkunft der neuseeländischen Harze seit mindestens 25 Millionen Jahren nicht geändert hat. Die Bernsteinfossilien helfen daher zu verstehen, wie sich diese sehr langlebigen Waldökosysteme in geologischen Zeitmaßstäben entwickelt haben“, so Lee.

An der Studie waren 27 Biologen, Paläontologen und Geologen von 16 Instituten aus acht Ländern beteiligt.

Originalpublikation: Schmidt, A. R. et al. (2018): Amber inclusions from New Zealand. Gondwana Research, https://doi.org/10.1016/j.gr.2017.12.003

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos zum Thema haben wir unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=6062 zum Download bereitgestellt.

Kontakt:
Prof. Dr. Alexander Schmidt
Georg-August-Universität Göttingen
Geowissenschaftliches Zentrum – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen
E-Mail: alexander.schmidt@geo.uni-goettingen.de
Internet: http://www.geobiologie.uni-goettingen.de/people/aschmidt/index.shtml

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=6062
https://doi.org/10.1016/j.gr.2017.12.003

Romas Bielke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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