Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erosion, Hangrutschungen und Monsun quer durch den Himalaya

29.04.2015

Der Himalaya hat gerade wieder auf tragische Weise gezeigt, dass diese Region Zentralasiens zu den geodynamisch aktivsten der Welt gehört. Hangrutschungen gehören zu den wichtigsten Georisiken.

Neben Erdbeben sind Starkregenfälle die Hauptauslöser für solche katastrophalen Hangbewegungen. Ein Team von Wissenschaftlern aus Nepal, der Schweiz und Deutschland konnte nun zeigen, wie sich durch den Monsun verursachte, starke Erosionsprozesse als Hangrutschungen in der Sedimentfracht eines Flusses quer durch den Himalaya widerspiegelt.


Die zweithöchste Abflussrate und Schwebstoff-Konzentration des Kali Gandaki Flusses in Tatopani, Nepal während der Monsun-Saison 2014. Foto: Christoff Andermann, GFZ

Dazu verwendeten die Geoforscher Daten von zwei Stationen entlang des Kali Gandaki, einem Fluss, der von Nord nach Süd durch die tiefste Schlucht der Erde quer durch den Himalaya fließt. Zwischen den beiden Achttausendern Annapurna und Dhaulagiri hindurch fließt der Kali Gandaki weiter nach Indien und mündet in den Ganges. Eine Station liegt auf der Grenze zwischen dem Hohen Himalaya und dem Tibet-Plateau, die zweite Station liegt im mittleren Himalaya, südlich der Achttausenderkette.

Von Schwebfracht bis zu Geröllbrocken reicht das Größenspektrum des in seinem Wasser transportierten Materials. Darin verbergen sich wichtige Information über die Erosionsmechanismen im Einzugsgebiet des Flusses. Die Menge an transportierten Materialien resultiert aus dem Gestein, das an den Berghängen durch Erosion bereit gestellt und durch Erdrutsche in den Fluss gebracht wird.

„Wir konnten erstmals für den Himalaya eine Zeitreihen von transportierten Fluss-Sedimenten an zwei Stationen messen,“ erklärt Christoff Andermann von Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ. „Dadurch können wir die Sedimente unterscheiden: welche werden von Tibet aus quer durch den Himalaya transportiert und welche im Himalaya selbst erodiert?“ Der Schlüssel liegt in der Größe der transportierten Frachtpartikel, der Korngröße.

Die Analysen zeigen, dass obwohl die tibetische Fracht immer die gleiche Größe zeigt, die Korngrößen im Himalaya während des Sommermonsuns deutlich größer sind. GFZ-Forscher Andermann: „Der zeitliche Abgleich mit einem Hangrutschungsverzeichnis belegt den Zusammenhang von Erosion des Gebirges durch Hangrutschungen und Monsun, denn der Großteil der Erdrutsche wird durch Starkniederschlag verursacht.“

Die Studie wirft interessante Fragen über Geo-Archive im Ozean auf: Die Erosionsgeschichte eines Gebirges kann aus seinen Sedimenten rekonstruiert werden. Sedimente im Golf von Bengalen, der größten Sedimentablagerung der Erde, werden gemeinhin dem Himalaya zugeordnet, enthalten aber hauptsächlich feines Material.

Die groben Sedimente des Himalaya scheinen auf dem Weg zum Meer verlorengegangen zu sein. Es stellt sich daher jetzt die Frage, woher die Sedimente im Golf von Bengalen wirklich kommen und welche Geschichten sie erzählen können.

Martin Struck, Christoff Andermann, Niels Hovius, Oliver Korup, Jens M. Turowski, Raj Bista, Hari P. Pandit and Ranjan K. Dahal: “Monsoonal hillslope processes determine grain size-specific suspended sediment fluxes in a trans-Himalayan river“, Geophysical Research Letters, Vol. 42, Nr. 7, April 2015, pp. 2302–2308 DOI: 10.1002/2015GL063360

Das Titelblatt dieser GRL-Ausgabe ist ein Beitrag zu diesem Artikel und stammt von Niels Hovius, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Abb. 1: Die zweithöchste Abflussrate und Schwebstoff-Konzentration des Kali Gandaki Flusses in Tatopani, Nepal während der Monsun-Saison 2014. Foto: Christoff Andermann, GFZ
https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Bildarchiv/_Einzelbilder_PM/suspended_fluxes_Tatopani.jpg

Abb.2: Die tiefste Schlucht der Welt während des Monsuns: der Kali Gandaki-Fluss in Nepal quetscht sich durch die sehr schmale Schlucht auf seinem Weg vom Tibet-Plateau (~ 5000 Meter über dem Meeresspiegel) bis in das indische Tiefland (~ 100 Meter über dem Meeresspiegel). Foto: Christoff Andermann, GFZ
https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Bildarchiv/_Einzelbilder_PM/deepest_gorge_world.jpg

Abb. 3: Das Ganges-Delta aus 11.000 m Höhe. Das Flusssediment bildet sich hellgrau im Wasser des Indischen Ozeans ab. (Foto: F.Ossing, GFZ)
https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Bildarchiv/_Einzelbilder_PM/20150429_SedimentGanges.jpg

Franz Ossing
Helmholtz Centre Potsdam
GFZ German Research Centre for Geosciences
Deutsches GeoForschungsZentrum
- Head, Public Relations -
Telegrafenberg
14473 Potsdam / Germany
E-Mail: ossing@gfz-potsdam.de
Tel. +49 (0)331-288 1040
Fax +49 (0)331-288 1044
www.gfz-potsdam.de

Franz Ossing | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie