Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Ziel: eine leistungsstarke Softwarelösung für Geowissenschaften und Archäologie

18.04.2014

Ein neues, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Netzwerk von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern befasst sich mit der digitalen Analyse und Integration von Daten zur Altersbestimmung.

Die Geowissenschaften und die Archäologie sind gleichermaßen auf Verfahren angewiesen, die eine möglichst präzise Datierung von Gesteinsproben erlauben. Eine der wichtigsten Methoden ist die Lumineszenzdatierung.


Dr. Christoph Schmidt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geomorphologie der Universität Bayreuth und Koordinator eines neuen DFG-geförderten Netzwerks.

Wenn Minerale bei relativ niedrigen Temperaturen unter der Erdoberfläche lagern und vor dem Sonnenlicht geschützt sind, speichern sie Strahlungsenergie. Dabei handelt es sich einerseits um Energie, die durch den Zerfall von Elementen wie Uran, Kalium und Thorium freigesetzt wird, andererseits um Strahlungsenergie aus dem Weltraum.

Die Energie wird in den Mineralen dadurch gespeichert, dass freie Elektronen an Störstellen im Kristallgitter haften bleiben. Je länger die Minerale unterirdisch „begraben“ sind, desto höher ist die Zahl der eingefangenen Elektronen. Bei der Lumineszenzdatierung werden diese Elektronen durch eine gezielte Bestrahlung der Minerale mit Licht oder Wärme wieder aus den Haftstellen herausgelöst.

Die Menge der dabei freigesetzten Lichtenergie erlaubt Rückschlüsse auf die Zahl der Elektronen und somit auf die Dauer der unterirdischen Lagerung. 

In den letzten Jahren wurde die Lumineszenzdatierung erheblich verbessert, so dass in vielen Regionen der Erde umfangreiche und genaue Datierungen möglich sind. Weltweit gibt es heute geowissenschaftliche und archäologische Archive, die solche Daten der Forschung zugänglich machen.

Bis heute fehlt jedoch eine flexible, universell einsetzbare Software, die es ermöglicht, diese Daten so zu bündeln und auszuwerten, wie es für komplexe wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich wäre. 2012 wurde das Software-Paket „Luminescence“ veröffentlicht, das auf der statistischen Programmiersprache R beruht. Es gilt in der Fachwelt als ein Meilenstein auf dem Weg zu einer effizienten Nutzung der weltweit verfügbaren Daten.

Die neue Software soll dazu beitragen, die in verschiedenen Datierungslaboren gewonnenen Ergebnisse vergleichbar und ihr Zustandekommen transparent zu gestalten. Ein wichtiges Ziel ist es, geowissenschaftliche und archäologische Datenarchive so aufeinander abzustimmen, dass die Messergebnisse interdisziplinär genutzt werden können.

Damit das Softwarepaket „Luminescence“ den wachsenden Anforderungen aus den Geowissenschaften und der Archäologie in Zukunft gerecht werden kann, muss es in vieler Hinsicht ausgebaut und weiterentwickelt werden. Dieser Aufgabe widmet sich das neue Forschungsvorhaben „RLum.Network“, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft drei Jahre lang (2014 bis 2016) aus ihrem Programm „Wissenschaftliche Netzwerke“ fördert.

Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten in diesem Netzwerk gemeinsam darauf hin, neueste Erkenntnisse und Forschungsideen zur Lumineszenzdatierung sowie aktuelle Entwicklungen aus der angewandten Informatik in die Weiterentwicklung des Software-Pakets zu integrieren. Die organisatorische Leitung des Netzwerks liegt bei Dr. Christoph Schmidt am Lehrstuhl für Geomorphologie der Universität Bayreuth. 

„Schon in den kommenden Monate sind hier in Bayreuth und an anderen Standorten Netzwerktreffen geplant, die nicht allein der Koordination der Forschungsarbeiten, sondern auch dem Austausch mit international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dienen, deren Spezialkenntnisse wir nutzen wollen“, berichtet der Bayreuther Projektleiter. „Präsentationen auf nationalen und internationalen Tagungen werden dazu beitragen, die neu erarbeiteten Software-Funktionen in der Fachwelt bekannt zu machen.“

Ansprechpartner:                                                      

Dr. Christoph Schmidt                                                  
Lehrstuhl für Geomorphologie
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49(0)921-55-2267
E-Mail: christoph.schmidt@uni-bayreuth.de 

Homepage des neuen Netzwerks:

www.r-luminescence.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde
23.01.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen