Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Brunnen jung hält - Berliner Forscher haben das Phänomen der Brunnenalterung untersucht

07.11.2012
Wenn im Grundwasser Eisenbakterien und Sauerstoff in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen, dann altern Brunnen schnell. Das ist das Kernergebnis des Forschungsprojektes WELLMA.

Auch Trinkwasserbrunnen werden älter. Dies erkennen Fachleute vor allem daran, dass die geförderte Wassermenge aus einem Brunnen kontinuierlich sinkt, obwohl die Wasserpumpen mit gleicher Kraft arbeiten. Für Berlin mit insgesamt rund 650 Trinkwasserbrunnen bedeutet dies einen erheblichen Aufwand an Energie sowie technischen und personellen Ressourcen.


Brunnenbeprobung im Projekt WELLMA

Der wohl problematischste Prozess der schleichenden Brunnenalterung ist die Verockerung: die im Grundwasser stehenden Brunnen-Filterrohre wachsen langsam mit eisenhaltigen Biofilmen zu. Gegen diesen immer wieder nachwachsenden Belag müssen Brunnenbetreiber mit aufwändigen Reinigungsmaßnahmen vorgehen. Das ist material- und kostenintensiv.

Nicht klar verstanden wurde bisher, warum dieser Prozess bei jedem Brunnen anders ist. Manche Brunnen sind schon nach fünf Jahren nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, andere dagegen liefern ohne gravierende Leistungsverluste mehr als 30 Jahre ausreichend sauberes Wasser.

Im Rahmen des Forschungsprojektes WELLMA haben Ingenieure, Hydrogeologen und Mikrobiologen in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 unterschiedliche Brunnen im Betrieb untersucht, um die Ursachen des Phänomens der Verockerung zu verstehen. Letztendlich war es das Ziel, Betreibern von Brunnen klare Hinweise zur Reduzierung des Aufwands für Instandhaltung und Reinigung zu geben, ohne dass es dabei zu Qualitätseinbußen kommt.

Die Untersuchungen haben bestätigt, dass ein komplexes Wechselspiel von mehreren sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren die Verockerung antreibt. Im Grundwasser natürlich vorkommendes gelöstes Eisen sowie Luftsauerstoff, der bei bestimmten Betriebsweisen von Brunnen in den Untergrund eingeschleppt werden kann, sind die wichtigsten Schlüsselfaktoren. Und es sind Eisenbakterien, die durch diesen Luftsauerstoff verstärkt zum Wachstum angeregt werden. Wenn alle Faktoren in einer bestimmten Konstellation zusammenwirken, entstehen die als Verockerung bekannten Eisenablagerungen auf den Brunnen-Filterrohren.

Der Betriebszustand eines Brunnes kann jetzt mit 53 Parametern, dazu gehören auch hydrogeologische und geochemische Daten, genau beschrieben werden. Brunnenbetreibern steht nun eine Systematik zu Verfügung, mit der Maßnahmen zur Instandhaltung zielführender als bisher geplant und bewertet werden können. Dies sorgt für eine größere Lebensdauer von Brunnen.

Projektpartner von WELLMA waren das Kompetenzzentrum Wasser Berlin, die Technische Universität Berlin, die Freie Universität Berlin und als Praxispartner das Brunnenserviceunternehmen pigadi GmbH aus der Berlinwasser Gruppe. Weiterhin haben am Projekt beteiligte TU-Wissenschaftler das Startup Unternehmen Blue Biolabs GmbH gegründet. Dieses junge Unternehmen will neue mikrobiologische Diagnosekits für Brunnen entwickeln und vermarkten.

Das Vorhaben wurde vom Umweltdienstleister Veolia und den Berliner Wasserbetrieben finanziert.

Dr.-Ing. Bodo Weigert | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenz-wasser.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie