Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Berner Archäologen erforschen griechische Stadt auf Sizilien

01.11.2012
Die Abteilung Archäologie des Mittelmeerraumes der Universität Bern führt in der bedeutenden griechischen Koloniestadt «Himera» auf Sizilien ein Projekt interdisziplinärer Stadtforschung durch. Untersucht wird ein bisher unbekannter Teil der Kolonie. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Himera zu einer der flächenmässig grössten griechischen Koloniestädte Siziliens gehören könnte.

Himera, die einzige grosse griechische Koloniestadt an der Nordküste Siziliens, wurde 649 v. Chr. gegründet. Sie ist weit nach Westen vorgeschoben und bildete einen griechischen Vorposten in Richtung phönizisch-karthagisches Einflussgebiet. So war Himera zwei Mal – 480 v. Chr. und 409 v. Chr. – Schauplatz grosser historischer Schlachten gegen die Karthager, die «Barbaren» des Westens. Aufgrund ihrer Lage und der Öffnung zum indigenen Hinterland ergab sich eine interessante Begegnung dreier Kulturen: der griechischen, der phönizisch-karthagischen sowie der indigen-sikanischen.

Neben einem bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts freigelegten dorischen Tempel wurden bis heute ein Teil der Wohnsiedlung und insbesondere zwei Nekropolen – Begräbnisstätten – von Himera ausgegraben. «Im Gegensatz dazu wurde die Stadt der Lebenden bisher nur in kleineren Bereichen in der Unter- und Oberstadt erforscht», hält Elena Mango, Professorin für die Archäologie des Mittelmeerraumes und Projektleiterin, fest.

Unterschiedliche Methoden angewandt
Das neue Himera-Projekt der Universität Bern, das in Zusammenarbeit mit der Direktion des Parks von Himera durchgeführt wird, widmet sich einem Bereich der griechischen Kolonie, welcher in der bisherigen archäologischen Forschung weitgehend unbeachtet geblieben ist: dem Piano del Tamburino, einem etwa 120’000 Quadratmeter grossen und 90 Meter über der Unterstadt liegenden Hochplateau.

Die Forschenden vermuten, dass das Hochplateau zur urbanistischen Fläche der antiken Koloniestadt gehörte. «Wenn sich die Vermutung bestätigen sollte, ist dies nicht nur für das Verständnis der Stadt von essenzieller Bedeutung. Himera würde damit auch zu einer der flächenmässig grössten griechischen Kolonien Siziliens avancieren», erklärt Elena Mango.

Untersucht wurde der Piano del Tamburino mittels unterschiedlicher Methoden und Vorgehensweisen: von traditionellen Recherchearbeiten in früheren Reiseberichten und Begehungen des Untersuchungsgebietes über die Auswertung von Luft- und Satellitenbildern mittels Fernerkundung sowie intensivem Oberflächensurvey bis zu grossflächigen geophysikalischen Prospektionen und ersten Grabungen.

Grabungen bestätigen Urbanisierung
Die mittels interdisziplinären Methoden gewonnenen Forschungsergebnisse ergaben klare Hinweise auf eine Urbanisierung des Hochplateaus. «Unsere ersten Grabungen vor wenigen Wochen konnten dann auch die erste archäologische Bestätigung erbringen und unterstreichen zudem die grosse Wichtigkeit dieses Gebietes für die Kolonisationsforschung», freut sich Mango.

So brachten die Forschenden nebst Zerstörungsschutt von der Schlacht im Jahre 409 v. Chr. sowie verschiedenen Keramik- und Bronzefunden auch ein sorgfältig errichtetes Mauerfundament zum Vorschein, das sich durch seine Stärke von fast einem Meter und die qualitative Bauweise von den meisten bisher bekannten Mauerfundamenten in Himera unterscheidet. «Das spricht gegen eine einfache Mauer in einem Wohnquartier», erklärt die Archäologin, «vielleicht gehörte sie zu einem öffentlichen Bau oder einem Tempel. Klarheit wird uns aber erst die Fortsetzung der Ausgrabungen bringen.»

Die Erforschung von Himera bietet gemäss Mango für die Universität Bern die Chance, die schweizerische archäologische Forschung auf Sizilien in dem bisher von internationalen Institutionen dominierten Feld der Kolonisationsforschung zu positionieren.

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie