Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufbruch in die dritte Dimension: Kieler Meeresforscher setzen neues Bohrgerät im Atlantik ein

03.11.2006
Mit einem neuen Bohrgerät, dem "Rockdrill 2" des Britisch Geological Survey, wollen Kieler Meeresforscher erstmalig die dreidimensionale Struktur von Erzlagerstätten in der Umgebung heißer Tiefseequellen untersuchen, die an Gesteine des oberen Erdmantels gebunden sind.

Fahrtleiter Dr. Sven Petersen vom IFM-GEOMAR ist schon ein wenig aufgeregt. Es ist zwar beleibe nicht seine erste Expedition und auch das Untersuchungsgebiet ist den Kieler Meereswissenschaftlern wohlbekannt. Diesmal gibt es aber eine Premiere, von der sich alle Beteiligten viel erhoffen. Ausgerüstet mit einem neuen Tiefseebohrgerät, dem "Rockdrill 2" des Britisch Geological Survey bricht in der kommenden Woche das neue Forschungsschiff Maria S. Merian zu einer viel versprechenden Expedition auf.

Von Fort-de-France auf der Karibikinsel Martinique aus geht es zum Ursprung des Atlantiks, zum Logatchev-Hydrothermalfeld bei 14°45?N am mittelatlantischen Rücken, dort, wo der Ozean jedes Jahr um einige Zentimeter wächst. In der Umgebung dieser geologisch sehr aktiven Zone gibt es in 3000 m Wassertiefe heiße Quellen, aus denen Wasser mit bis zu 360 Grad Celsius aus dem Boden schießt, das mit bestimmten chemischen Elementen angereichert ist und diese als "Schwarze Raucher" in der Umgebung wieder absetzt.

Dort wollen die Wissenschaftler des IFM-GEOMAR und anderer deutscher Forschungseinrichtungen gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien, China, der Schweiz und Russland die dreidimensionale Struktur der erzhaltigen Ablagerungen untersuchen und ihre Entstehung besser verstehen. Dazu gehören aber auch Aussagen über die Fluidpfade im Untergrund und die Wechselwirkungen der Fluide mit dem Nebengestein wie auch erste Untersuchungen zur Mikrobiologie unterhalb des Meeresbodens.

Als Handwerkszeug dient ein neues Bohrgerät, das auf dieser Expedition zum ersten Mal eingesetzt wird. Der "Rockdrill 2" des Britisch Geological Survey ist in der Lage, bis zu 15 Meter lange Gesteinsproben zu erbohren. Der Kern wird in 10 jeweils 1.5 Meter langen Tranchen erbohrt, was die technische Umsetzung dieses schwierigen Vorhabens erleichtert.

"Damit kratzen wir nicht mehr an der Oberfläche herum, sondern können viel besser quantifizieren, bis zu welcher Tiefe die erzhaltigen Gesteine vorkommen", hofft Fahrtleiter Dr. Sven Petersen. Aus der Kenntnis der vertikalen Struktur können wir auch wichtige Rückschlüsse über die Bildung solcher Lagerstätten gewinnen, so Petersen weiter.

Das Unternehmen hat aber auch einen Hauch von Abenteuer. Ein neues Gerät, mit dem in 3000 Meter Tiefe an einem Hang mit zum Teil starker Neigung, 15 Meter tiefe Löcher gebohrt werden sollen, das wird Besatzung und Wissenschaftler zu 100% fordern. "Immer wenn das Bohrgerät mit den Proben an Deck gehievt wird, erreicht die Spannung ihren Höhepunkt", so Prof. Peter Herzig vom IFM-GEOMAR, der dem Bohrgerät das notwendige Tiefseekabel spendiert hat. "Auch bei bester Vorbereitung kann niemand vorhersagen, ob die Proben die Erwartungen erfüllen oder nicht. Meeresforschung ist eines der letzten Abenteuer und wir sind schon alle gespannt, welche Geheimnisse wir den Tiefen der Ozeane diesmal entlocken können".

Die Expedition ist Teil des Projekts "HYDROMAR IV", ein Vorhaben im Rahmen des DFG Schwerpunktprogramms 1144 "Vom Mantel zum Ozean: Energie-, Stoff- und Lebenszyklen an Spreizungsachsen", das am IFM-GEOMAR koordiniert wird.

Kontakt:
Dr. Sven Petersen, IFM-GEOMAR, Tel.: 0431-600-2110 spetersen@ifm-geomar.de (auf See vom 04.11.-02.12.06) (Fahrtleiter)

Dr. Andreas Villwock, IFM-GEOMAR, Tel.: 0431-600.2802, avillwock@ifm-geomar.de, (Öffentlichkeitsarbeit)

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=logdrill
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=spp1144

Weitere Berichte zu: Atlantik Bohrgerät IFM-GEOMAR Meeresforscher Ozean Rockdrill Survey

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie