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Geodaten grenzüberschreitend

06.10.2006
Das Wetter, Flussläufe, Naturschutzgebiete oder Meere kümmern sich nicht um Ländergrenzen. Die sich ergebenden Probleme und Herausforderungen etwa durch Wetterkatastrophen oder beim Schutz von Naturreservaten sind grenzüberschreitend.

Bei den dazu notwendigen Geodaten jedoch herrscht in Europa weitgehende Heterogenität. Das im Oktober gestartete EU-Projekt HUMBOLDT soll die länderübergreifende Harmonisierung von Geodaten erleichtern. Unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung arbeiten insgesamt 27 Partner aus 14 europäischen Ländern in dem auf vier Jahre angelegten Projekt mit einem Gesamtvolumen von 13,5 Millionen Euro. Auf der Intergeo 2006 in Halle 3, Stand 3206 stellt die INI-GraphicsNet Stiftung das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vor.

Die Elbehochwasser 2006 und 2002, das Alpenhochwasser 2005 oder das Oderhochwasser 1997 - in regelmäßigen Abständen haben Deutschland und seine Nachbarländer mit extremen Hochwassern zu kämpfen. Oft sind mehrere Länder gleichzeitig betroffen, denn Flussläufe und Wettereinflüsse enden nicht an Ländergrenzen. Die zur Vorbeugung und Bekämpfung der Hochwasser notwendigen Geodaten jedoch liegen in den verschiedenen Ländern in unterschiedlichen Formaten und in verschiedenen Systemen vor. So wird eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit schwierig. Eine europaweite Harmonisierung der Daten, wie sie in anderen Bereichen schon längst besteht, gibt es bislang nicht.

Dabei werden die Geodaten nicht nur bei der Bekämpfung von Naturkatastrophen benötigt. Sie kommen auch bei der Sicherung von Grenzen oder beim Schutz von Wäldern, Naturreservaten und Meeren zum Einsatz.

Um einen europaweiten Zugang zu relevanten Geodaten zu erreichen, wurde deshalb die Initiative INSPIRE ins Leben gerufen. Bevor die Daten allerdings von einem System in ein anderes überführt werden können, sind einige Hürden zu nehmen. So werden beispielsweise einzelne Begriffe unterschiedlich definiert und eine unsachgemäße Vereinheitlichung würde zu immensen Datenverlusten führen. Dazu kommt, dass zahlreiche europäische Organisationen von der INSPIRE-Initiative betroffen sind. Die Kosten für die Datenharmonisierung werden dementsprechend auf rund 25 Milliarden Euro geschätzt.

Unterstützung bietet hier das am 1. Oktober 2006 gestartete EU-Projekt HUMBOLDT. Ziel des Projekts ist es einerseits, die Harmonisierung der Geodaten zu erleichtern und andererseits, die notwendigen Prozesse so weit als möglich zu automatisieren und dadurch die mit der Harmonisierung verbundenen Kosten zu senken. "Beginnen werden wir mit einer Analyse der bestehenden Geodaten, um herauszufinden, mit welchen unterschiedlichen Arten von Daten wir es zu tun haben. Darauf basierend werden wir eine Prozessanalyse durchführen, die zeigt, welche Schritte nötig sind, um die Daten in ein einheitliches Schema zu überführen. Letztlich werden wir einen Software-Framework sowie einige Tools erstellen, die die europäischen Geodatenanbieten dann einheitlich einsetzen können," beschreibt Daniel Holweg, Leiter des Projekts am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, die Vorgehensweise.

Wichtiges Element des Projekts ist die Entwicklung von Szenarien, in denen die einzelnen Komponenten unter realistischen Bedingungen angewandt werden. Die Szenarien zeigen beispielsweise Anwendungen zur effektiven Grenzkontrolle und Sicherheit in ländlichen Gebieten, zum Risikomanagement für Wetterkatastrophen, zum Schutz grenzüberschreitender Waldgebiete oder zum Management von Naturschutzgebieten. "Die Vielfalt der Szenarien macht auch deutlich, wie viele unterschiedliche Bereiche von einer Harmonisierung der Geodaten profitieren werden," so der Wissenschaftler.

Insgesamt 27 Partner aus 14 europäischen Ländern arbeiten unter Leitung der Abteilung Graphische Informationssysteme des Fraunhofer IGD im HUMBOLDT-Projekt. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren und ein Gesamtvolumen von 13,5 Millionen Euro. Die GMES - Global Monitoring for Environment and Security - eine europäische Initiative für Sicherheit und Umweltüberwachung, fördert HUMBOLDT mit 7,9 Millionen Euro aus dem 6. Europäischen Forschungsrahmenprogramm. Die GMES wird auch in erster Linie von den Ergebnissen des Projekts profitieren.

Auf der Intergeo 2006 in München vom 10. bis 12. Oktober wird die INI-GraphicsNet Stiftung der Öffentlichkeit erstmals das EU-Projekt, die Vorgehensweise und die Ziele der Aktivitäten vorstellen. Zu finden ist der Stand in Halle 3, Stand 3206.

Oder wenden Sie sich an:
HUMBOLDT Projektbüro
c/o zeitform Internet Dienste
Ulf Stegemann
Fraunhoferstraße 5
64283 Darmstadt
Telefon: 06151/155-633
Telefax: 06151/155-634
E-Mail: po@esdi-humboldt.eu
Die Projektpartner:
" Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, Deutschland
" ETRA Investigacion y Desarrollo, Spanien
" Help Service Remote Sensing, Tschechische Republik
" LogicaCMG UK, Großbritannien
" Institut Geographique National, Frankreich
" Intergraph CR spol. s r.o., Tschechische Republik
" Eidgenössische Technische Hochschule, Schweiz
" Delft University of Technology , Niederlande
" UNIVERSITY OF ROME "LA SAPIENZA", Italien
" Institute of Geodesy, Cartography and Remote Sensing, Ungarn
" Marine Information Service 'MARIS' BV, Niederlande
" Kaunas University of Technology Regional Business Incubator, Litauen
" INI-GraphicsNet Stiftung, Deutschland
" Round Table GIS, Deutschland
" University of the West of England, Großbritannien
" Institut Français de Recherche pour l'Exploitation de la Mer, Frankreich
" National Environment Research Council, Großbritannien
" Hellenic Centre for Marine Research, Griechenland
" Swedish Meteorological and Hydrological Institute, Schweden
" Telespazio, Italien
" Geographical Information Systems International Group, Italien
" Consiglio Nazionale delle Ricerche, Italien
" Ustav pro hospodarskou upravu lesu brandys nad labem (Forest Management Institute), Tschechische Republik
" Instituto Geografico Portuges, Portugal
" Collecte Localisation Satellites, Frankreich
" University of Gävle, Schweden
" Promitheas Business Innovation Centre, Zypern
Kurzprofil INI-GraphicsNet:
Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung ZGDV e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universität Darmstadt sowie weiteren acht Institutionen in sechs Ländern: dem Centre for Advanced Media Technology (CAMTech), dem Centre for Graphics and Media Technology (CGMT), beide in Singapur, dem Centro de Computação Gráfica (CCG) in Guimarães und Coimbra (Portugal), The IMEDIA Academy und IMEDIA, Inc. in Providence, Rhode Island (USA), den Omaha Graphics and Media Laboratories (OGM Labs) in Nebraska (USA), dem Centre for Visual Interaction and Communication Technologies (VICOMTech) in San Sebastian (Spanien), dem Institute for Graphic Interfaces (IGI) in Seoul (Süd-Korea) und dem Center for Advanced Computer Graphics Technologies (GraphiTech) in Trento (Italien).

Diese Institutionen bilden das weltweit größte und leistungsfähigste Forschungs-Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung. Ihre Kernkompetenz ist die Visualisierung und interaktive Verarbeitung von Daten, Informationen und Wissen. Sie erforschen und entwickeln neue Interaktions- und Dialogformen für digitale Medien und realisieren innovative Systeme zur Kommunikation und graphisch-interaktiven Kooperation über Rechnernetzwerke. Innerhalb des Forschungsverbundes sind an den zehn Standorten über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 500 wissenschaftliche Hilfskräfte beschäftigt. Der Etat betrug 2005 über 38 Millionen Euro.

Bernad Lukacin | idw
Weitere Informationen:
http://www.esdi-humboldt.eu

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