Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heißes Wasser als Energiequelle der Zukunft

18.08.2006
Geologen erkunden den Untergrund in Chile und Bochum
RUBINinternational ist erschienen

Energie aus klassischen Quellen wird weltweit knapp und teuer - Grund genug, sich nach alternativen Quellen umzusehen. Eine Möglichkeit der Energiegewinnung ist die Nutzung heißen Grundwassers. Geologen der Ruhr-Universität befassen sich damit, den optimalen Ort und die beste Methode zu finden, dem Wasser aus der Tiefe seine Energie abzugewinnen. Mit detektivischem Gespür ermitteln sie dafür, wie es Tausende Meter unter der Erde aussieht. So erstellten sie eine Karte des Tiefenwassers für Zentral- und Südchile und nutzen ihre Erkenntnisse für das Projekt PROMETHEUS, das Erdwärme für die RUB nutzbar machen soll. Über ihre Arbeiten berichten sie in RUBINinternational, der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Ruhr-Universität.

Gase heizen das Tiefenwasser

Mit dem Hubschrauber ist das Cordón-Caulle-Hochplateau in Chile am besten zu erreichen; Pfade führen dann weiter durch den dichten Urwald. Hier vermuten die Forscher unterirdische Heißwasservorkommen, die sich durch ein Kraftwerk nutzen lassen könnten. Bei der Auswahl des optimalen Standorts sind allerdings vielfältige Bedingungen zu berücksichtigen: In der Nähe aktiver Vulkane wäre es zu unsicher, daher suchen sie nach zerdrückten Bäumen und ähnlichen Anzeichen vulkanischer Aktivität, um solche Standorte von vornherein auszuschließen. Oberflächennahes Grundwasser ist zu kalt und damit ungeeignet zur Energiegewinnung. Die Forscher suchen deswegen Anzeichen für eine unterirdische Wasserzirkulation tieferer Gewässer. Die chemische Zusammensetzung des Wassers erlaubt Rückschlüsse darauf. Eine hohe Arsenkonzentration etwa zeigt warmes Wasser aus der Tiefe an, das durch aufsteigende Gase beeinflusst und geheizt wird. Anhand von pH-Wert, elektrischer Leitfähigkeit, Temperatur und dem Gehalt bestimmter chemischer Elemente lässt sich bei Quellwasser der Anteil warmen Grundwassers ermitteln. Die Forscher schätzen außerdem die Menge des vorhandenen Grundwassers in dem Gebiet ab, denn nur wenn ausreichend Wasser da ist, lässt es sich effizient nutzen. So erstellen sie als Kooperationspartner des FONDEF-Projekts (Fomento al Desarrollo Cientifico y Tecnológico) eine Karte der geeigneten Orte für ein Kraftwerk in Zentral- und Südchile.

Erkenntnisse zu Hause weiterverwenden

Die Erkenntnisse, die sie in Chile gewonnen haben, können die Forscher dann zu Hause gleich weiterverwenden. Auch an der Ruhr-Universität gibt es Pläne, die Wärme des Wassers aus der Tiefe zu nutzen. Eine Machbarkeitsstudie hat bereits gezeigt, dass das prinzipiell möglich ist. Allerdings sind die Verhältnisse hier anders als in Chile mit seiner durch aktiven Vulkanismus geprägten Landschaft. In Bochum gibt es z.B. im Untergrund kein natürliches Kluftsystem, durch das das Wasser im Gestein zirkuliert. Um einen Kreislauf herzustellen, müssen voraussichtlich künstliche Klüfte geschaffen werden. Die Bohrungen müssen um die 4000 Meter tief sein, um ausreichend heißes Wasser "anzuzapfen". In dieser Tiefe hat es eine Temperatur von etwa 120°C. Das an die Oberfläche geholte Wasser wird nach seiner Nutzung wieder zurück in die Erde gepresst, wo es sich wieder aufheizt (Hot-Dry-Rock-Verfahren). Die Erwärme soll für etwa 30 Jahre Energie für die RUB und ihre Umgebung liefern.

Themen in RUBINinternational

In RUBINinternational finden Sie außerdem folgende Themen: Geisteswissenschaften: Russische Plakatkunst des 20. Jahrhunderts: Werben für die Utopie; Expeditionen in die Welt untergehender Dialekte: Eine Datenbank fürs Ohr; Deutsch-russische Beziehungen im 20. Jahrhundert: In den Wechselbädern der Geschichte; Medizin: Neue Methode hilft Kommunikation der Hirnnervenzellen verstehen: Stabiles Bild dank plappernder Nervenzellen; Ingenieurwissenschaften: Neue Wege in der Formgedächtnistechnologie: Haptisches Display und aktive Prothese; Naturwissenschaften: Die Suche nach kosmischen Teilchenbeschleunigern: Modernste Teleskope "sehen" Hochenergiegammastrahlung; Organische Elektronik optimieren: Wenn Moleküle steuern und schalten. RUBIN ist zum Preis von 2,50 Euro in der Pressestelle der Ruhr-Universität (Tel. 0234/32-22830) erhältlich und steht im Internet unter http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Stefan Wohnlich, Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel 0234/32-23294, E-Mail: krampe@geol3.rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

Weitere Berichte zu: Energiequelle Grundwasser Temperatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten