Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spurensuche in der "Terra Incognita"

27.07.2006
Jülicher Forscher fliegen in afrikanische Monsunwolken

Wolkenbruchartige Regenfälle oder sengende Trockenheit - in Westafrika bestimmen Extreme das Klima. In den letzten 40 Jahren schwankten die Monsunregenfälle jedoch stark - die Vorhersagen dazu waren unzureichend. In einem internationalen Forschungsprojekt (AMMA) wollen Wissenschaftler aus aller Welt nun aufklären, wann und warum der westafrikanische Monsun aus dem Takt kommt und wie das Zusammenspiel zwischen Atmosphäre, Land und Ozean funktioniert, welches die Natur des Monsuns bestimmt. Mit dabei sind Jülicher Atmosphärenforscher, die mit dem russischen Höhenflugzeug Geophysica in bis zu 20 Kilometer Höhe in Gewitterwolken riesiger Ausdehnung auf Spurensuche gehen.

Am 31. Juli startet die Geophysica mit zahlreichen Messgeräten an Bord aus Verona (Italien) ins westafrikanische Burkina Faso, südlich der Sahelzone. Für zwei Wochen werden die Wissenschaftler vom Jülicher Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre (ICG) im Großprojekt AMMA (African Monsoon Multidisciplinary Analysis) zusammen mit ihren Kollegen aus Frankreich, England, Afrika und den USA in Gewitterwolken mit bis zu 500 Kilometern Ausdehnung unterwegs sein. Sie untersuchen den Austausch und Transport von Spuren- und Schadgasen, darunter das Treibhausgas Wasserdampf. Nur das Forschungsflugzeug Geophysika kann in diese oberen Luftschichten, die Stratosphäre, bis in eine Höhe von 20 Kilometern vordringen.

"Afrika ist, was die Klima- und Wetterbeobachtung angeht, ´Terra Incognita´", erklärt Dr. Cornelius Schiller vom ICG, Teilnehmer der nun startenden Kampagne. Erstmals können die Forscher nun die riesige Landfläche Afrikas im Übergangsbereich zwischen Tropen und Subtropen unter die Lupe nehmen. "Wir wollen Daten für bessere Vorhersagemodelle sammeln und klären, welchen Einfluss der Monsun auf das globale Klima hat." Denn die Schwankungen der Monsunregenfälle wirken unmittelbar auf die Umwelt und die Lebensbedingungen der Menschen. Zudem beeinflusst der Monsun das Klima großer Teile der Erde.

In Westafrika entstehen viele klimarelevante Spuren- und Treibhausgase, beispielsweise Stickoxide aus Bränden in afrikanischen Savannen und Regenwäldern, die rund 20 Prozent der weltweiten Verbrennung von Biomasse ausmachen. Diese können durch die riesigen Gewitterkomplexe auch in höhere Schichten der Atmosphäre transportiert werden. Bei ihren Flügen messen die Jülicher Atmosphärenforscher mit ihren europäischen Kollegen bis zu 20 verschiedene Spurengase, unter anderem Fluorchlorkohlenwasserstoffe, welche die Ozonchemie in der oberen Atmosphäre global beeinflussen, aber auch Stickoxide, die zur Ozonbildung in den unteren Luftschichten beitragen und somit auch den Treibhauseffekt beeinflussen. Sie untersuchen die den Wassergehalt in den Wolken und kleinste Teilchen (Aerosole), die durch den Wüstensand und aus der Steppe in die Atmosphäre getragen werden und zur Wolkenbildung beitragen.

Diese Daten werden aber nicht nur zur lokalen Vorhersage genutzt. Die Forscher werden sie auch mit Daten vergleichen, die sie zuvor in tropischen Gewittertürmen vor dem nordaustralischen Festland und im Süden Brasiliens gemessen haben. "Wir wollen wissen, wie diese regionalen Unterschiede, also beispielsweise die Abluftfahne von Rio de Janeiro oder Austauschprozesse über dem Meer die Atmosphärenchemie und damit das globale Klima beeinflussen", erklärt Schiller. "Es reicht nicht, sich auf Europa zu beschränken, wenn wir die globale Klimaveränderung verstehen wollen."

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Ausdehnung Monsun Spurensuche Treibhausgas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen