Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stardust Memories - Kometenschweif erreicht Frankfurt

13.01.2006


Einschlagtrichter eines Hochgeschwindigkeitspartikels in Aerogel; der Partikel befindet sich am Ende des Trichters.
NASA


Frankfurter Mineraloge untersucht einzigartige Proben von Kometenmaterie

... mehr zu:
»Komet »Kometenschweif »Partikel »Schweif

Ebenso groß wie einst der Wunsch, einen Fuß auf den Mond zu setzen, ist das Verlangen und die Faszination der Menschen, den Schweif eines Kometen zu berühren. Jene traumhaft schönen Himmelskörper, die die Geburtsstunde unseres Sonnensystems vor über viereinhalb Milliarden Jahren einfroren.

Am kommenden Sonntag, dem 15. Januar, ist es soweit: Eine Sonde der STARDUST-Mission mit einer Kapsel mit Material des Kometen Wild 2 wird nach einer sieben Jahre dauernden und mehreren Milliarden Kilometer langen Reise auf der Erde zurück erwartet.


Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Beprobung des Kometen Wild 2 wertvolle Hinweise auf die Zusammensetzung der Bausteine, aus denen sich einst unsere Sonne, die Planeten und nicht zuletzt das Leben entwickelte.

Die Beantwortung dieser elementaren Fragen ist zu wichtig, als dass sich Spitzenforscher aus den USA allein daran wagen würden. Die besten Maschinen, die raffinierteste Untersuchungsmethode und die klügsten Köpfe sind gerade gut genug für dieses Vorhaben. Eine kleine Gruppe von Physikern, Chemikern und Geowissenschaftlern werden innerhalb der ersten sechs Monate nach der Landung der STARDUST-Sonde die Voruntersuchungen durchführen. Zu dem ausgewählten Kreis von Spitzenforschern gehört auch der Frankfurter Geowissenschaftler Dr. Frank E. Brenker mit seinem Team. Für ihn wird schon bald der Traum wahr, Stückchen eines Kometenschweifs in Händen zu halten.

Nach einer kurzen Phase der Öffnung, Sicherung und Präparation werden die ersten Stücke Mitte Februar in Frankfurt im Institut für Mineralogie der Universität erwartet. Es wird sich um winzige Partikel mit einer Größe von etwa 10 Mikrometer, also einem Hundertstel Millimeter, handeln.

Komet Wild 2 stellt in vielerlei Hinsicht einen Glücksfall dar. Er wurde erst vor wenigen Jahren durch das Gravitationsfeld des Planeten Jupiter auf eine Bahn in der Nähe der Sonne abgelenkt. Der Komet, der einem riesigen schmutzigen Schneeball gleicht, begann in der Nähe der Sonne zu schmelzen. Dabei löst er sich langsam auf und bildet einen Schweif aus feinsten Partikeln von Staub und Eis. Durch diesen Schweif hindurch flog die STARDUST-Sonde und sammelte Partikel auf, die mit der erstaunlichen Geschwindigkeit von über 20.000 km/h auf die Sonde trafen. Das Auffangen der Partikel erfolgte mit einem neuartigen Hightech-Schaum, dem Aerogel, das aus ca. 99,99 % Luft und einem Gerüst aus Siliziumoxid besteht. Hierin werden die auftreffenden Partikel innerhalb weniger Millimeter schonend abgebremst.

Die für Frankfurt bestimmten Proben werden allerdings nicht in Frankfurt, sondern von einem internationalen Forscherteam unter Leitung von Frank Brenker ab Anfang März in Grenoble an der ’European Synchroton Radiation Facility’ (ESRF) untersucht, um genauere Aufschlüsse über die chemische Zusammensetzung der winzigen Partikel zu bekommen.

Das ESRF ist eine Art Röntgen-Supermikroskop in dem Elektronen in einem fast 1.000 m langen Ring auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Dabei beginnen die Elektronen zu ’leuchten’. Der so erzeugte hoch-energetische Röntgenstrahl lässt sich durch viele ausgeklügelte Tricks und aufwendige Apparaturen auf einen Punkt von nur 200nm bündeln (1nm ist ein millionstel Millimeter) und dabei noch mit geradezu unvorstellbarer Präzision steuern. Das Forscherteam ist zuversichtlich, die Struktur und Chemie der Körner exakt und dreidimensional messen zu können. Bei einer von der NASA initiierten Testmessung im letzten Jahr konnte diese Aufgabe mit einer bis dahin unerreichten räumlichen Auflösung durchgeführt werden.

Kontakt: Dr. Frank E. Brenker; Institut für Mineralogie; Arbeitsgruppe NanoGeoscience; Senckenberganlage 28; 60325 Frankfurt; Tel.: 069-798-28721; E-Mail: f.brenker@em.uni-frankfurt.de

Dr. Ralf Breyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: Komet Kometenschweif Partikel Schweif

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten