Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit Tiefenbohrungen sicherer und günstiger werden

05.12.2005


RWTH-Institut arbeitet an einer Datenbasis zum Potential der Erdwärme



Will man Erdwärme nutzen, muss sie durch eine teure Tiefenbohrung erschlossen werden. Vielfach liegt jedoch nur wenig Wissen über die Zusammensetzung des Gesteins im Untergrund vor. Genau diese Angaben über Sedimentformation und Wärmeleitfähigkeit sind aber entscheidendend, um die Geothermie am richtigen Standort, in der ausreichenden Tiefe und damit zu möglichst günstigen Kosten zu erschließen. Ein Projekt des Lehr- und Forschungsgebiets für Angewandte Geophysik der RWTH Aachen unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christoph Clauser sorgt dabei jetzt für Abhilfe. In dem durch das Bundesumweltministerium mit 480.000 Euro geförderten Vorhaben erarbeitet derzeit Diplom-Geophysiker Andreas Hartmann für Süddeutschland eine Datenbasis, die das geothermische Potential des Untergrunds aufzeigt.



"Über die geologischen Landesämter und den Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung sind die Daten der Erdölindustrie aus der Schwäbischen Alb und Franken verfügbar", beschreibt Hartmann ein Standbein der Informationsbeschaffung. Als zweite Quelle dienen dem Geophysiker und seinem vier Mann starken Team Messungen an vorhandenen Bohrkernen. Dabei legen die Forscher ihr Hauptaugenmerk auf die Wärmeleitfähigkeit. "Die Temperatur in der Tiefe bestimmt die Qualität der Energie", so Hartmann, "die Wärmeleitfähigkeit bestimmt ihre Quantität". Zum Beispiel ist die Wärmeleitfähigkeit umso geringer, je höher der Tonanteil der Gesteine ist. Gerade aber die Entzugsleistung - also die Menge an Energie, die entzogen werden kann - ist entscheidend für die rentable Nutzung der Geothermie. Bei den Untersuchungen zur Struktur der Gesteine werden die Geologien vom Institut für Makromolekulare Chemie unterstützt, das dazu eigens ein spezielles NMR-Gerät konstruiert hat. Außerdem wird mit den Firmen Geophysica und Ecos kooperiert, die ihr spezielles Know-how einbringen.

Als Ergebnis des Projekts wird Ende des Jahres eine detaillierte Datenbasis der Gesteinseigenschaften des untersuchten Gebiets vorliegen. "Dies bildet dann eine solide Grundlage für die Entscheidung und Planung von Tiefenbohrungen", resümiert der RWTH-Mitarbeiter Hartmann. Investoren und Betreibern solcher Anlagen wird ein verlässliches Hilfsmittel zur Auslegung der Tiefenbohrung in die Hand gegeben. Dies erhöht die Erfolgsaussichten von Tiefenbohrungen und trägt zur Kostenoptimierung bei.

Nächstes Ziel ist die Übertragung der Methodik auf andere Gebiete, wie etwa Nordrhein-Westfalen. Ergänzt durch aufwändige Simulationen im Zentrum für Hochleistungsrechnen der RWTH Aachen wird die Mannschaft der Angewandten Geophysik in einem anvisierten Nachfolgeprojekt eine weitere Region in Deutschland geothermisch kartieren. Dies ist auch deshalb möglich, weil die Ergebnisse aus Süddeutschland nach Wärmeleitfähigkeit und -kapazität, nach Porosität und Permeabilität einheitlich klassifiziert werden. Dies erlaubt eine überregionale Verwertung der Resultate.

Weitere Informationen zu dem Projekt erhalten Sie bei Univ.-Prof. Dr. Christoph Clauser und Dipl.-Geol. Andreas Hartmann, Lehr- und Forschungsgebiet für Angewandte Geophysik der RWTH Aachen, Lochnerstraße 4-20, Telefon 0241/80-94825, Fax 0241/80-92132, E-Mail c.clauser@geophysik.rwth-aachen.de und andreas@geophysik.rwth-aachen.de.

Toni Wimmer | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Geophysik RWTH Tiefenbohrung Wärmeleitfähigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise