Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abruptes Wachstum der antarktischen Eiskappe im Miozän

24.11.2005


Ein Gletscher fließt vom Antarktischen Kontinent ins Süppolarmeer. Kirsten Achenbach, DFG-Forschungszentrum Ozeanränder


Vor etwa 13 bis 14 Millionen Jahren dehnte sich die Eiskappe der Antarktis sprunghaft bis an die Küsten des Kontinents aus. Wissenschaftler der Universität Kiel und des DFG-Forschungszentrums Ozeanränder in Bremen fanden jetzt in ungewöhnlich detaillierten Meeresablagerungen aus dem Pazifik neue Hinweise auf die Mechanismen dahinter. Die Forscher vermuten, dass Änderungen in der Erdbahn zusammen mit sinkenden CO2-Konzentrationen zu der abrupten Ausdehnung führten. Ihre Ergebnisse erscheinen am 24. November in der Fachzeitschrift nature.

... mehr zu:
»Antarktis »CO2-Gehalt »Eiskappe »Miozän

Die südliche Polarregion unserer Erde liegt unter bis zu vier Kilometer dicken Eiskappe verborgen. Doch das war nicht immer so - vor 60 Millionen Jahren war die Erde noch eisfrei, vereiste dann aber in mehreren Phasen bis zu einem Zustand, der dem heutigen ähnelt. Das Forscherteam, zu dem auch Professor Dr. Michael Schulz vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder gehört, wollte herausfinden, warum sich die Eiskappe am südlichen Pol plötzlich so stark ausdehnte. Hierzu untersuchten die Wissenschaftler 13 bis 14 Millionen Jahre alte Meeresablagerungen aus dem Miozän. Die Ablagerungen stammen aus dem Pazifik, und zwar vom Meeresboden vor Peru und aus der Nähe von Hong Kong und lieferten ungewöhnlich genaue Klima-Informationen.

"Sehr viele Faktoren mussten zusammenkommen, dass wir so viel aus den Ablagerungen herauslesen konnten", sagt Michael Schulz. Besonders im Pazifik findet man nur selten Stellen, an denen über die Zeit genug Material abgelagert und erhalten wurde. "Das Kieler Team habt zum Teil ganze Nächte hier bei uns im Labor zugebracht, um die Arbeit zu bewältigen. Die Genauigkeit unserer Daten ist also einer Kombination aus Fleiß und etwas Glück zu verdanken. Wir konnten eine zeitliche Auflösung der Klimakurven erreichen, die vor 10 Jahren gerade mal für die letzten 0,5 Millionen Jahren vor heute möglich war."


Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich das Eis in der Antarktis stärker ausbreitete, wenn der Neigungswinkel der Erdachse geringer wurde, was in einem Zyklus von 41.000 Jahren geschieht. Dadurch treffen die Sonnenstrahlen besonders in den hohen Breiten im Sommer flacher auf die Erdoberfläche, so dass die Antarktis abkühlt. Gleichzeitig wird dabei mehr Feuchtigkeit zum Südpol transportiert. Dort fällt dementsprechend mehr Schnee, der nach und nach zu Eis wird.

Das regelmäßige Auf und Ab der Eisausdehnung änderte sich abrupt vor 13,8 Millionen Jahren. Zu diesem Zeitpunkt dehnte sich die Eiskappe sprunghaft aus und bedeckte vermutlich erstmals die gesamte Antarktis.

"Dieser Vereisungsschub dauerte etwa 80.000 Jahre", erklärt Michael Schulz, "geologisch gesehen nur ein Wimpernschlag. Wir glauben, dass diese schnelle Veränderung nur im Zusammenspiel mit dem zu der Zeit sinkenden CO2-Gehalt der Atmosphäre zustande kommen konnte." Bisher haben wir allerdings nur indirekte Hinweise auf den CO2-Gehalt, wenn wir weiter als 0,8 Millionen Jahre zurückschauen wollen.

"Erkenntnisse über lange vergangene Zeiten helfen uns, die Dynamik der Klimamaschine zu verstehen. Nur so erfahren wir, wie die Erde sich von einer nahezu eisfreien Welt in eine Welt mit Eiskappen in der Antarktis und Grönland verwandelt hat", erklärt Michael Schulz seine Motivation. Dazu brauchen die Forscher aber genauere Informationen über den CO2-Gehalt in der Vergangenheit. Weltweit wird daher versucht, vergangenen CO2-Variationen mit immer feineren Methoden auf die Spur zu kommen.

Weitere Informationen:
Prof. Michael Schulz
DFG-Forschungszentrum Ozeanränder
Tel. 0421 - 218-7136
E-Mail: mschulz@palmod.uni-bremen.de

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.rcom-bremen.de
http://www.ozeanraender.de

Weitere Berichte zu: Antarktis CO2-Gehalt Eiskappe Miozän

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stagnation im tiefen Südpazifik erklärt natürliche CO2-Schwankungen
23.02.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?
21.02.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics