Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Amazonas: Schlimmste Trockenheit seit 40 Jahren

12.10.2005


Warmer Atlantik sorgt für Hurrikans und Regenwald-Trockenheit

... mehr zu:
»Amazonas »Amazonien »Trockenheit

Es mutet fast grotestk an: Während in Nord- und Mittelamerika ein Hurrikan nach dem anderen tobt, erlebt Amazonien die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. In Brasilien wurde bereits in einigen Städten der Notstand ausgerufen. Wissenschaftler glauben, dass die steigenden Temperaturen im Nord-Atlantik dafür verantwortlich sind, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

In der Amazonas-Forschungsstation Santarem, wo die Flüsse Amazonas und Tapajos aufeinander treffen werden Wasserpegel gemessen, die 15 Meter unter dem Durchschnitt liegen, berichtet Paul Lefebvre vom Woods Hole Research Center in Massachusetts, der die Forschungsstation leitet. Trockenheit in Südamerika wird häufig mit dem El Nino in Verbindung gebracht, der von der Oberflächenwassertemperatur des Pazifiks abhängt. Allerdings ist in diesem Jahr keine solche Erwärmung gemessen worden. Auffällig ist allerdings in diesem Jahr die ungewöhnlich hohe Erwärmung des Atlantik, die bereits im Juli Forscher dazu veranlasst hat, eine heftige Hurrikan-Saison vorherzusagen.


"Das El-Nino-Phänomen beeinflusst in erster Linie die Westküste Südamerikas. Die natürliche Barriere der Anden verhindert allerdings große Einflüsse auf Amazonien", erklärt der Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur in Wien im pressetext-Interview. Es sei aber durchaus vorstellbar, dass das wärmere Atlantikwasser auf den Amazonas derartige Auswirkungen habe. Lefebvres Studien haben deutlich gemacht, dass verminderte Niederschläge in Amazonien auch das Pflanzenwachstum verlangsamen. "Das Szenario, das das britische Headley Centre for Climate Prediction and Research gezeichnet hat, ist davon ausgegangen: Ein riesiger Rückkopplungseffekt führt zum Absterben des gesamten Regenwaldes und zur Freisetzung riesiger CO2-Mengen", erklärt Formayer, der jedoch darauf hinweist, dass die meisten Klimamodelle Probleme zeigen, wenn es darum geht den Niederschlag in Amazonas zu modellieren. "Das Klimamodell, dass das Hamburger Max-Planck-Institut erst kürzlich vorgestellt hat, kommt aber zum Schluss, dass der Amazonas als Kohlenstoffsenke erhalten bleibt", erklärt der Experte.

Problematisch sei jedoch die Tatsache, dass nach dem Brandroden, also im Falle dessen, dass der Wald weg ist, auch der Wasserkreislauf massiv verändert wird, da weniger Wasser verdunstet, führt Formayer aus. Nach Untersuchungen von Lefebvre könnte längerfristig die CO2-Aufnahme des Waldes um bis zu 25 Prozent fallen. Dann wird der Amazonas zu einer CO2 Pumpe, die mehr Treibhausgas produziert als absorbiert. Brandrodung trägt zusätzlich dazu bei, wie der Forscher berichtet. Ein einmaliger Brand zieht weitere Brände nach sich. "Lokale Regierungen verbieten zwar die Brandrodung, die Armut der Bevölkerung lässt allerdings so manches Verbot hinfällig werden", erklärt der Wissenschaftler.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=050712013
http://www.boku.ac.at

Weitere Berichte zu: Amazonas Amazonien Trockenheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie