Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbebenforschung in Südspanien

17.08.2005


Im Rahmen des DAAD-Projektes Acciones-Integradas untersuchen Erdbebebenforscher der Universität Leipzig gemeinsam mit Forschern der Universität von Salamanca/Avila erdbebengefährdete Gebiete in Südspanien. Das neue Untersuchungsgebiet liegt im westlichen Andalusien. Zu klären sind Anzahl, Ursache, epizentrale Lage und Intensität historischer Beben, um die aktuelle Erdbebengefährdung einschätzen zu können.

Zeitpunkt der ersten Untersuchungen: 16.09.2005 bis 06.10.2005

Gibt es Hinweise auf Tsunamis?

6.000 Euro stellte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) für den Wissenschaftleraustausch eines Projektes zur Verfügung, das sich 2005/06 mit Erdbeben in der Region der Straße von Gibraltar beschäftigt, die ca. 40 - 60 nach Chr. und vielleicht auch ca. 390 nach Chr. das kleine Fischerdörfchen Baelo Claudia, jetzt Bolonia, zerstörten sowie das römisch-phönizische Cádiz (Gadir).

Diese archäo- und paläoseismologischen Untersuchungen, an denen PD Dr. Klaus Reicherter vom Institut für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig, Dr. Peter Becker-Heimann vom Institut für Bodenkunde Hamburg und Prof. Dr. Pablo Silva von der Universität Salamanca/Avila in Spanien beteiligt sind, sollen klären, wie viel Beben Baelo Claudia heimsuchten, welche Ursache sie hatten, wo das Epizentrum der Beben lag und wie stark sie waren. Außerdem sucht man nach Hinweisen für Ablagerungen, die von Tsunamis verursacht wurden.

Damit setzen die Wissenschaftler ein Projekt fort, das in den vergangenen Jahren auf der Mittelmeerseite der Straße von Gibraltar begonnen wurde. Anhand der Erdbebenschäden in den archäologischen Ausgrabungen von Baelo Claudia im atlantischen Teil der Straße von Gibraltar wollen die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die aktuelle Gefährdung der Region durch Erdbeben oder Tsunamis ziehen.

Baelo Claudia - ein einmaliger Untersuchungsort

Erste Hinweise auf einen Erdbebenherd in südwestlicher Richtung von Baelo Claudia lieferten die archäologischen Ausgrabungen: Die Säulen des Forums fielen allesamt in diese Richtung auf sauberen Boden. Zum einen ist dieses Indiz als Richtungsanzeiger der Stoßwellen zu werten, zum anderen muss Baelo Claudia noch bewohnt gewesen sein.

In den heute für Besucher zugänglichen Ruinen sind weitere Indikatoren für Erdbebenschäden zu finden: Große Teile des Amphitheaters sind zerstört, die Steinplatten der Hauptstraße zeigen Verschiebungen an. Weiterhin zeigt die ältere, vor 40 - 60 nach Chr. errichtete Stadtmauer Schäden und eine Verkippung um einige Grad. Die Stadtmauer wurde nach diesem Beben durch eine wesentlich mächtigere Mauer ersetzt, aber auch diese ist wieder zerstört und versetzt worden, wahrscheinlich auch durch ein Erdbeben.

So bietet Baelo Claudia einen einmaligen Untersuchungsort für mindestens zwei historische Erdbeben, einschließlich sehr guter Datierungsmöglichkeiten, in einem seismisch aktiven Gebiet der afro-europäischen Konvergenzzone im Campo de Gibraltar.

Verbindungen zu Blüte und Verfall des Römischen Reiches

Den Seismologen stellen sich auch historische Fragen: Warum war Baelo Claudia für die Römer wichtig und wurde ca. 50 nach Chr. nochmals aufgebaut? Und warum nicht nach dem zweiten Beben ca. 400 nach Chr.?

Die Wissenschaftler ziehen Verbindungen zu Blüte und Verfall des Römischen Reiches. Das Fischerdorf Baelo Claudia war sehr stark auf die jährlichen Züge der Thunfische entlang der spanischen Atlantikküste ausgerichtet, davon zeugen die großen Anlagen einer Fischfabrik direkt am Strand. Dort wurde Garum erzeugt, eine Art Paste mit Honig oder auch Olivenöl aus fermentiertem Thunfischfleisch. Und dieser Luxus- und Exportartikel ins Römische Reich brachte den Bewohnern von Baelo Claudia einigen Wohlstand. Dies ist wahrscheinlich der Grund für den Wiederaufbau der Stadt in der Blüte der römischen Imperiums.

Das zweite Beben um 400 n. Chr. fiel in die Zeit des Endes des römischen Reiches, Byzanz hatte sich schon von Rom abgespalten. Baelo Claudia war zwar noch bewohnt, lag aber am westlichen Ende des Reiches und geriet in Vergessenheit.

Klaus Reicherter | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Beben Erdbeben Gibraltar

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie