Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Orkanwinde auf dem Saturnmond Titan

12.01.2005


Die höchste jemals auf der Erde registrierte Windgeschwindigkeit beträgt 510 Stundenkilometer - gemessen am 3. Mai 1999 in einem Tornado in Oklahoma. Auf dem Saturnmond Titan bläst der Wind vermutlich noch stärker - und das dauerhaft: In den oberen Atmosphärenschichten des Trabanten stürmt es wahrscheinlich mit über 700 Stundenkilometern. Am kommenden Freitag, 14.1., wird man es noch genauer wissen: Mit Hilfe der Raumsonde Huygens soll dann während ihres etwa zweistündigen Flugs durch die Titanatmosphäre die Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen genau gemessen werden. Konzipiert wurde das Experiment von Wissenschaftlern der Universität Bonn; es soll Aufschluss über die Mechanismen geben, die derartig starke Stürme hervorrufen.



Am 14.1. gegen 11:15 Uhr deutscher Zeit soll die Titansonde Huygens in die Atmosphäre des Saturnmondes eintreten. Bereits ein paar Minuten später beginnt sie mit der Datenübertragung an die "Muttersonde" Cassini, die während der Mission in etwa 60.000 Kilometer Entfernung an Titan vorbeifliegt. Zunächst wird Huygens mit einem Hitzeschild und schließlich durch eine Serie von Fallschirmen gebremst, so dass der Flug durch die Atmosphäre des Mondes etwa 2 bis 2,5 Stunden dauern wird.



Zur Messung der Windgeschwindigkeit wollen die Wissenschaftler vom radioastronomischen Institut den so genannten Dopplereffekt nutzen. "Dieser Effekt ist uns aus dem Alltag bekannt: So erscheint uns die Sirene eines Polizeiwagens höher, wenn er sich auf uns zu bewegt; wir hören dagegen eine niedrigere Frequenz, wenn er sich von uns entfernt", erklärt der Bonner Radioastronom Dr. Michael Bird. "Das gleiche Phänomen tritt auch bei der Datenübertragung von Huygens zu Cassini auf."

Der Radiosender auf Huygens hat eine besonders stabile und genau bekannte Frequenz. "Daher ist es möglich, mit Hilfe der Doppler-Frequenzverschiebung die Geschwindigkeit der Sonde relativ zur Muttersonde Cassini genau zu messen", so Bird. "Da wir außerdem die Position und Geschwindigkeit von Cassini gut kennen, lässt sich aus diesen Daten die Geschwindigkeit von Huygens relativ zur Titanoberfläche berechnen." Dabei handelt es sich nicht nur um die bloße Sinkgeschwindigkeit durch die Atmosphäre, sondern die Sonde wird zusätzlich von den herrschenden Winden horizontal "verweht".

"Wir wollen auf diese Weise die Windgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Höhe über dem Titanboden bestimmen", erläutert der Radioastronom. "Vermutlich ist es dort viel stürmischer als auf der Erde: Aufgrund von Messungen mit Hilfe von Teleskopen auf der Erde glauben wir, dass in 200 Kilometern Höhe Winde mit Geschwindigkeiten von rund 700 Stundenkilometern herrschen könnten." Der Wind weht dabei wahrscheinlich stets nach Osten, also gleichgerichtet mit der Rotation des Titans. Der genaue Mechanismus, der derart hohe Windgeschwindigkeiten hervorruft, ist noch nicht im Detail verstanden. Die Ergebnisse des Dopplerwindexperiments werden daher mit großer Spannung erwartet.

Nach Ende der gesamten Mission richtet Cassini seine Antenne in Richtung Erde, um die Daten zu übermitteln, die er von Huygens empfangen hat. Erst kurz nach 16 Uhr - etwa 5 Stunden nach Huygens Eintritt in die Atmosphäre - werden die ersten Daten im Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt eintreffen.

Kontakt:

Dr. Michael K. Bird
Radioastronomisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3651 oder -3658
E-Mail: mbird@astro.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Cassini Saturnmond Windgeschwindigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus
19.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Warum der Meeresboden in Bewegung gerät
13.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics