Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Polarstern" auf dem Weg zum Nordpol

18.06.2001

Das Forschungsschiff "Polarstern" verlässt am Dienstag, dem 19. Juni Bremerhaven, um in den folgenden vier Monaten Wissenschaftler bis in die direkte Nähe des Nordpols zu bringen. Gemeinsam mit "Healy", dem modernen US-amerikanischen Forschungseisbrecher, der seine erste Arktisexpedition unternimmt, wird "Polarstern" Informationen über den am wenigsten erforschten mittel-ozeanischen Rücken der Welt sammeln.

Die kommende Expedition der "Polarstern" in die Gewässer der Arktis wird am Dienstag, dem 19. Juni ihren Anfang nehmen. Das Forschungsschiff wird mit 50 Wissenschaftlern und einer Besatzung von 45 Personen den Heimathafen Bremerhaven verlassen. Bei der in zwei Fahrtabschnitte geteilten, fast viermonatigen Reise, wird das Schiff die Forscher im ersten Teil der Expedition in die meereisbedeckten Gebiete vor der Ostküste Grönlands und in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen bringen. Während das Schiff die letzten Julitage in Tromsø, Norwegen verbringen wird, wechselt die gesamte Besatzung, um am 31. Juli Richtung Nordpol in See zu stechen. In Tromsø wird es auch zur ersten Begegnung mit dem US-amerikanischen Forschungseisbrecher "Healy" kommen, für den die gemeinsame Arktisexpedition zugleich die Jungfernfahrt darstellt. Der Umfang der Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und deutschen Polarforschern auf dieser Expedition übertrifft sämtliche bisher durchgeführten, internationalen Kooperationen in diesen nördlichen Breiten.

Staatssekretär besucht "Polarstern" Bevor das Schiff in Bremerhaven ablegt, wird Herr Dr. Uwe Thomas, Staatssekretär am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf der "Polarstern" zu Gast sein, um sich über die aktuellen Forschungsprojekte und die anstehende Expedition zu informieren. Das BMBF ist Eigentümer der von der Stiftung Alfred-Wegener-Institut betriebenen "Polarstern" und somit maßgeblich für die Forschungsaktivitäten in den Polarregionen verantwortlich.

Langzeituntersuchungen in der Grönlandsee und der Framstraße Seit 1982 hält sich die "Polarstern" jedes Jahr für mehrere Wochen in der Grönlandsee auf, die im Norden durch die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen begrenzt wird. Der Framstraße widmen die Wissenschaftler besondere Aufmerksamkeit, da sie die einzige tiefe Verbindung zwischen dem Nordpolarmeer und dem Europäischen Nordmeer ist, und somit für den Wasseraustausch zwischen diesen gewaltigen Wasserkörpern eine entscheidende Rolle spielt. Die wiederholte Untersuchung der ozeanischen Bedingungen in dieser Region erlaubt es, diese Prozesse zu erfassen und damit die Grundlage für großräumige Strömungsmodelle zu legen, die für die Klimaforschung benötigt werden. Besonders gespannt sind die Wissenschaftler darauf, ob die Temperatur in der Tiefe der Grönlandsee weiter zugenommen hat, oder ob die winterliche Wassermassenumwälzung nach vielen Jahren wieder einmal bis in große Tiefe vorgedrungen ist, was in den 80er-Jahren regelmäßig erfolgte. Ein umfangreiches, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Programm zur Untersuchung der arktischen Tiefsee (ARKTIEF) umfasst ozeanographische, geologische und biologische Arbeiten. Schwerpunkte sind die Erforschung des komplexen Nahrungsnetzes der im Wasser schwebenden Organismen und der Lebewesen der Tiefsee. Diese Arbeiten finden am Kontinentalabhang von Ostgrönland und im "Hausgarten" des AWI in der Framstraße statt. Auch Seevögel und Meeressäuger sollen beobachtet werden. Der wissenschaftliche Fahrtleiter wird Dr. Eberhard Fahrbach vom AWI sein.

Geheimnisvoller Meeresboden Der zweite Fahrtabschnitt ab Tromsø, der deutsche und amerikanische Wissenschaftler in die unmittelbare Nähe des geographischen Nordpols bringen wird, dient der Erkundung des Gakkel-Rückens - eines kaum erforschten ozeanischen Rückens im Nordpolarmeer. Das große Interesse der Forscher liegt darin begründet, dass dieser ozeanische Rücken mit etwa einem Zentimeter pro Jahr der sich am langsamsten spreizende Rücken der Erde ist. Nach Einschätzung der Wissenschaftler steigt der Erdmantel, die Schicht der Erde, die unmittelbar unter der Erdkruste liegt und aus flüssigem Magma besteht, unter dem Gakkel-Rücken nur sehr langsam auf. Vermutlich kühlt er dabei so sehr ab, dass es nicht zur Bildung von Erdkruste im üblichen Sinne kommt, sondern dass in diesem Fall Mantelgestein direkt am Meeresboden zu finden ist. Solche Gesteine sind sonst auf der Erdoberfläche extrem rar. Die Lokalisierung und Beprobung solcher Gesteine ist eines der Hauptziele der Forschungsfahrt. Sie würden einzigartige Einblicke in die Beschaffenheit des Erdmantels erlauben, einen Teil der Erde, der sonst kaum erforscht werden kann. Auf dem zehnwöchigen Fahrtabschnitt werden die Besatzungen der "Healy" und der "Polarstern" kontinuierlich zusammenarbeiten. Der wissenschaftliche Fahrtleiter wird Prof. Dr. Jörn Thiede, Direktor des AWI sein. Die Expedition endet am 7. Oktober in Bremerhaven.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw

Weitere Berichte zu: AWI Framstraße Grönland Grönlandsee Nordpol

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Knapp neun Milliarden Tonnen mehr CO2 durch El Niño
19.10.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie

Ostfalia forscht an Ultraleichtflugzeug mit Elektroantrieb

19.10.2017 | Verkehr Logistik

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten