Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suche und Bewertung von Erdölspeichergesteinen im Oman verbessert

13.11.2000


Die zumeist ebene Wüstenlandschaft wird

hier von einigen trocken gefallenen Flussrinnen

(Wadis) zerschnitten,

deren Wände wertvolle geologische Hinweise bieten.


Eine geologische Besonderheit sind die

zahlreichen und sehr gut erhaltenen Gletscherschrammen. An ihnen lässt

sich die Fließrichtung der Gletscher ablesen. Im Bild werden

sie von einem Tillit (einer Grundmoräne)

überlagert.


In der Al-Khlata-Formation im Südosten Omans liegen Sandsteine an der Tagesoberfläche. Die gleichen Gesteine sind im Süden Omans, allerdings erdölführend, rund 2000 Meter tief unter der Erdoberfläche versenkt. Dort
können sie nur punktuell durch Bohrungen erschlossen werden. Dipl.-Geol. Jan Witte hat nun im Südosten Omans das studieren können, was im Süden Omans unter der Erde versteckt liegt. Er kartierte die charakteristischen Veränderungen der Sandstein- und Tonablagerungen und lieferte zur Lösung folgender Fragen wichtige Hinweise: Wie wurde das Material transportiert? Wie dick sind die einzelnen Gesteinsschichten? Wie sind die Gesteine zusammengesetzt? Wie schnell ändert sich die Sortierung? So konnte an diesem Aufschlussanalogon die Erdölsuche und Bewertung von Erdölspeichergesteinen verbessert werden.

"Die Hitze in Muscat war so groß, dass einem das Knochenmark verbrannte, das Schwert im Schaft schmolz und die Edelsteine der Degen in Kohlestückchen verwandelt wurden", schrieb im 14. Jahrhundert der arabische Geograph Abdul Razak, als er das heutige Oman der Arabischen Halbinsel erforschte.

600 Jahre später stellt - auf Razaks Spuren reisend - der Clausthaler Geologe Jan Witte dieses Zitat seiner Diplomarbeit voran. Auf sich allein gestellt, in der Abgeschiedenheit der Wüste und der Berge Nordomans, in einer Gegend, in der es Wölfe, Kobras und Skorpione gibt, half er, geologisch detektivisch, die wissenschaftliche Spurensuche nach bzw. die Bewertung von Erdölspeichergesteinen zu verbessern.

Die Gesteine der Al-Khlata-Formation in Südoman speichern, soweit bekannt, insgesamt mehr als 3,5 Milliarden Barrel Öl (1 Barrel = 159 l). Damit stellen sie einen der wichtigsten Ölspeicher des Landes dar. So heiß es heute im Oman ist, so eiskalt war es dort im Laufe der Erdgeschichte. Mindestens drei Mal war der Süd-Oman im Permo-Karbon, vor 350 - 250 Millionen Jahren, von mehrere Tausend Meter mächtigen Gletschern überdeckt. Dabei sind die geologischen Prozesse von damals denen der heutigen Gletschergebiete auf der Erde (z.B. Island, Antarktis) sehr ähnlich.

Die von den Gletschern zermahlenen und transportierten Gesteine werden zunächst als chaotisch sortierte, d.h. ungleichkörnige, Moränen abgelagert. Schmelzwasserflüsse, die aus den Gletschern herausströmen, nehmen die Gesteinspartikel der Moränen auf und trennen durch wechselnde Transportkraft das Grob- vom Feinkorn. Genau dieser Sortierungsprozess ist nun ausschlaggebend für die spätere Qualität eines Erdölspeichergesteines, denn nur die gut sortierten (d.h. gleichkörnigen) Sandsteine bilden die besten Ölreservoirs.

Diese Sandsteine, die im Lauf der Erdgeschichte durch tektonische Kräfte in eine Tiefe von rund zweitausend Meter versenkt wurden, sind wichtige Erdölspeichergesteine im Südoman. Geologisch problematisch sind die häufigen Wechsel von Sandsteinen grober mit solcher feiner Zusammensetzung. Von der Tagesoberfläche kann dieses "Durcheinander" nur durch Bohrungen erahnt werden. Bohrungen erschließen aber gerade vielleicht einmal im günstigsten Fall ein 95 Millionstel eines mittleren Erdölfeldes, stellen also immer nur eine punktuelle Information dar. Bildlich gesprochen wäre es so, als sollte man einen Fingerabdruck rekonstruieren und hätte den Finger nur an einigen Stellen mit einer hyperfeinen Nadel berührt.

In der Al-Khlata-Formation im Südosten des Omans konnte Jan Witte ebendiese Sandsteine an der Tagesoberfläche studieren, da sie hier durch einen glücklichen Umstand nicht tektonisch versenkt wurden. An solchen geologischen "Aufschlüssen" hat er charakteristische Veränderungen der Sandstein- und Tonablagerungen kartiert und auf diese Weise die Anzahl von Gletschervorstößen bzw. Gletscherrückzügen bestimmen können. Zur Lösung folgender Fragen hat er wichtige Hinweise liefern können: Wie wurde das Material transportiert? Wie dick sind die einzelnen Gesteinsschichten? Wie sind die Gesteine zusammengesetzt? Wie schnell ändert sich die Sortierung?

Seine Diplomarbeit gibt der Erdölindustrie im Süden Omans wertvolle Hinweise zur Charakterisierung ihrer Lagerstätten, zur besseren Planung von sehr teuren Bohrungen und zur Prognostizierung, wie die weitere Förderung sich entwickeln wird.

Jan Witte wurde nun für seine Diplomarbeit "Sedimentologie (Fazies, Transportrichtung, Materialherkunft) und Lithologie der glazigenen Al Khlata-Formation (Permo-Karbon) im Rahmen der geologischen Entwicklung der südöstlichen Arabischen Halbinsel: Kartierung und Profilaufnahme in den Oman-Bergen (Nordost-Oman) und an der Huqf-Aufdomung (Südost-Oman)" mit dem Förderpreis des Vereins von Freunden der TU Clausthal ausgezeichnet.

Weitere Informationen und Fotos:
Dipl.-Geol. Jan Witte
Tel./Fax. 05151 - 66491
E-Mail: jan_witte_de@yahoo.de

Jochen Brinkmann | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik