Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelle Archäologie: Troja zu neuem Leben erwecken

29.01.2001


... mehr zu:
»Archäologie »Troja »VR-Modell
Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Unter Federführung der in Berlin ansässigen ART+COM Medientechnologie nahmen das Troja-Projekt der Universität Tübingen, die Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts sowie die ixl-AG als Spezialist für Satellitenfernerkundung gemeinsam an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen "Ideenwettbewerb Virtuelle und Erweiterte Realität" mit großem Erfolg teil.

Generelles Ziel des eingereichten Projekts "Virtuelle Archäologie" ist es, mit Hilfe von Virtual-Reality-Techniken Wissenschaftlern und Öffentlichkeit interaktive und ortsunabhängige Zugriffe auf archäologische Informationen zu ermöglichen. Diese werden für Troja von der Universität Tübingen, für das Alte Ägypten vom Deutschen Archäologischen Institut Kairo geliefert. Das Gesamtprojekt läuft über 2,5 Jahre von Februar 2001 bis Juli 2003. Die Gesamtkosten des Projektes betragen voraussichtlich DM 7,2 Mio.

Seit mehr als hundert Jahren wird in Troja geforscht. Die Ausgrabungen begannen mit Heinrich Schliemanns Versuch, die in den homerischen Epen Ilias und Odyssee erzählten Geschichten vom Trojanischen Krieg in der Realität zu verankern. In einem interdisziplinären, internationalen Großprojekt des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Manfred Korfmann arbeiten zahlreiche Wissenschafter aus verschiedenen Fachgebieten und Ländern zusammen. Sie untersuchen die Entwicklung Trojas und der Landschaft, in der es liegt, der Troas, seit dem Ende der letzten Eiszeit - die Geschichte der Menschen, die dort lebten, die Entwicklung der natürlichen Umwelt, und die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur. Sehr viele Einzelergebnisse kommen so zustande. Es ist aber schwierig, sie alle zu einem Gesamtergebnis zu verbinden.

Es wäre daher sehr hilfreich, ein räumliches Modell der Landschaft um Troja mit den in ihr liegenden archäologischen Fundstellen und Ruinen zu besitzen, in dem einzelne Themen in zeitlichen Schichten angeordnet werden können. Schon das dreidimensionale Modellieren verschiedener Sachverhalte wie Gebäude oder geologische Schichten würde es erlauben, viele Ideen zu überprüfen und zu präzisieren. Das Modell dürfte aber nicht auf dreidimensionale Bilder, z.B. von rekonstruierten Gebäuden, beschränkt bleiben. Es müsste vielmehr alle Möglichkeiten der Visualisierung, Verbindung und Verknüpfung von Daten unterstützen. Es ist klar, dass es sich bei einem solchen Modell nicht um eine Arbeit aus Holz und Papier, sondern um ein Computermodell handelt. Wenn man nun noch fordert, dass Raum, Zeit, sowie alle Kombinationen von Daten und Themen in Echtzeit - die nach Jahrtausenden zählenden Zeiträume sogar in einem extrem beschleunigten Zeitraffer - aufgesucht und dargestellt werden können, dann fällt das beschriebene Modell in die Kategorie "Virtuelle Realität" (VR). Zweifellos ist ein solches VR-Modell von Troja wissenschaftlich sinnvoll. Mehr noch: Es wäre ein völlig neuartiger Versuch, Daten und Einzelergebnisse eines großen interdisziplinären Projektes zu erschließen und in ein Gesamtbild zu integrieren. Wichtig ist die Verfügbarkeit des Modells für Wissenschaft und Öffentlichkeit. Hier ist zu erwarten, dass es schon in Kürze möglich sein wird, derartige VR-Modelle ins Internet zu stellen und damit weltweit und ohne spezialisierte Hard- und Software zugänglich zu machen.

Über die reine wissenschaftliche Arbeit hinaus hat die Archäologie heute auch die Aufgabe, den Menschen, die von der Kenntnis der Vergangenheit einen Beitrag zum Verständnis der Gegenwart erwarten und das Fach über Steuergelder oder Spenden finanzieren, mehr zurückzugeben als nur ein Versprechen auf einen Gewinn an Einsicht. Das Interesse an Archäologie ist groß - Fernsehsendungen, Museen, Ausstellungen zum Thema sind äußerst beliebt. Der Besuch archäologischer Ausgrabungen zählt zum Programm vieler Ferienreisen. Selbstverständlich ist ein VR-Modell ausgezeichnet dafür geeignet, archäologische und andere wissenschaftliche Sachverhalte seriös, dabei intuitiv erfassbar und anschaulich dargestellt, einem breiten Publikum zu vermitteln. Die Interaktivität des VR-Konzeptes erlaubt den Benützern, als Raum-Zeit-Reisende selbst zu entscheiden, wohin sie gehen wollen. Sie erforschen das Gebiet auf eigene Faust, anstatt wie in konventionellen Medien ein unveränderliches, für alle gleiches Produkt konsumieren zu müssen.

Zum Projekt "Virtuelle Archäologie":
ART+COM Medientechnologie und Gestaltung AG
Steffen Kirchner Tel.: 030/21001-447, E-Mail: steffen.kirchner@artcom.de
Rainer Thiem Tel.: 030/21001-470, E-Mail: rainer.thiem@artcom.de
Fax: 030/21001-555

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Michael Seifert | idw

Weitere Berichte zu: Archäologie Troja VR-Modell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik