Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Des Geologen Gespür für Eis"

15.03.2001


Radarsatelliten sollen frühzeitig vor Ausbruch des isländischen Vulkans Katla warnen

Sorgenfalten einer Insel: Nahezu linear erstreckt sich im Süden Islands eine vulkanisch aktive Zone in zwei parallel verlaufenden Zweigen. Bedeckt sind einige der noch aktiven Vulkane von Gletschern. Feuer und Eis in enger Nachbarschaft - das hat auf Island verheerende Auswirkungen. Kommt es unter den Gletschern zu Eruptionen, schmelzen Teile des Eises ab und suchen sich als gewaltige Gletscherläufe ihre Bahn. Als besonders gefährlich gilt der etwa alle hundert Jahre ausbrechende Vulkan Katla. Die letzte Eruption mit katastrophalen Auswirkungen für die Umwelt und nahe gelegenen Ortschaften fand 1918 statt - jetzt registrieren Forscher erneut einen Anstieg in der Aktivität der Katla.

Bereits seit zehn Jahren untersucht Dr. Ulrich Münzer, Institut für Allgemeine und Angewandte Geologie der LMU, die junge vulkanische Zone Islands. Seit einigen Jahren greift Münzers Team aus Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen aus Deutschland, Polen, Island und Österreich bei der Überwachung der gefährdeten Gebiete auf Daten zurück, die unter anderem von Fernerkundungssatelliten der europäischen Weltraumorganisation ESA gesammelt werden. ”Ich wurde von der ESA als Leiter für die Projekte auf Island ausgewählt und bekomme somit für Forschungszwecke als einziger die Daten kostenlos zur Verfügung gestellt”, berichtet er. ”Bei einem subglazialen Ausbruch im Herbst 1996 hat sich die Methode des Monitorings aus dem Weltall bereits bewährt. Wir konnten die unter der Eisdecke stattfindende Eruption einen Tag vor dem Ausbruch erkennen, weil sich die Eruptionsstelle in nahezu voller Länge durch die etwa 800 Meter dicke aufliegende Eisdecke pauste.”

Unter der bis zu 1000 Meter mächtigen Eisdecke des Vatnajökulls, Europas größtem Gletscher, war die Eruptionsspalte Gjálp aufgebrochen. Aufgrund der enormen Wärmeentwicklung schmolz ein Teil des Gletschereises ab. Das Schmelzwasser sammelte sich in der Grímsvötn-Caldera, einem vulkanischen Einsturzkessel. ”Anfang November wurde der hydrostatische Druck zu groß, und ein gigantischer Gletscherlauf bahnte sich schlagartig seinen Abfluss”, berichtet Münzer. ”Innerhalb von nur zwei Tagen bewegten sich etwa 3,4 Kubikkilometer Schmelzwasser auf die isländische Küste zu - bei einem maximalen Abfluss von 53.000 Kubikmeter pro Sekunde.” Die gewaltige Flutwelle zerstörte Brücken, etwa zehn Kilometer der Küstenstraße sowie die Überlandleitung.

Die Radarsatelliten umkreisen die Erde in bis zu 800 Kilometern Höhe. Sie arbeiten Tag und Nacht, bei jedem Wetter und allen Lichtverhältnissen. Daher eignen sie sich besonders gut für ein kontinuierliches Monitoring von Ländern mit ungünstigen klimatischen Verhältnissen wie Island. Andere Methoden zur Überwachung, etwa die Interpretation von Luftbildern aus Überfliegungen, sind dagegen oft auf optimale Witterungsbedingungen angewiesen.

Bei der Überwachung durch Radarsatelliten werden vor Ort am Boden die exakten Geländedaten bestimmt und speziell entwickelte Reflektoren als Referenzpunkte aufgestellt. Dorthin senden die Satelliten elektromagnetische Wellen, die zurückgestrahlt werden. Die Laufzeit der Signalreflexion hängt von der Geländeform des angestrahlten Punktes ab. ”Wir werten die Daten aus und können so horizontale und vertikale Bewegungsvorgänge im Zentimeterbereich nachweisen”, berichtet Münzer. ”Der neue Satellit Envisat der ESA wird ab 2002 unter anderem die Katla überwachen.”

Der Vulkan liegt unter der 500 bis 600 Meter dicken Eisdecke des Mýrdalskökull-Gletschers und bricht etwa alle hundert Jahre aus. Im Falle einer erneuten Eruption der Katla können die Bewohner der umliegenden Dörfer jetzt dank der neuen Technik rechtzeitig gewarnt werden, hofft Münzer. ”Bei der letzten Eruption 1918 flossen etwa 300.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus und überschwemmten den angrenzenden Küstenbereich. Der Wasserspiegel stieg am Gletscherrand in einer Stunde um 75 Meter”, berichtet er: ”Jetzt haben wir erneut einen Anstieg in der Aktivität der Katla festgestellt - 1999 kam es sogar zu einem kleinen Gletscherlauf.”


Ansprechpartner:

Dr. Ulrich Münzer Institut für Allg. und Angewandte Geologie der LMU

... mehr zu:
»Eisdecke »Eruption »Island »Vulkan

Tel. 089/ 2180-6589, privat: 08034 - 3627
Fax 08034 - 7320
E-Mail: ulrich.muenzer@iaag.geo.uni-muenchen.de

Cornelia Glees-zur Bonsen | idw

Weitere Berichte zu: Eisdecke Eruption Island Vulkan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Riesenfaultier war Vegetarier - Ernährung des fossilen Megatheriums entschlüsselt
18.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen