Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weitere Förderphase für Kieler Sonderforschungsbereich 574 "Fluide und Volatile in Subduktionszonen" bewilligt

21.05.2008
Erneute große Freude unter den Kieler Meereswissenschaftlern: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat heute beschlossen, den von Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität (CAU) und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) getragenen Sonderforschungsbereich 574 "Fluide und Volatile in Subduktionszonen: Klima-Rückkopplungen und Auslösemechanismen von Naturkatastrophen" für eine weitere Periode von vier Jahren zu fördern. Das Gesamtvolumen des Forschungsprogramms beträgt mehr als 6 Mio. Euro. Der SFB, der seit dem Jahr 2001 in Kiel angesiedelt ist, geht damit in seine abschließende Förderphase.

In Kiel nimmt man wenig davon wahr: Die Erdkruste ist ständig in Bewegung. Erdplatten treiben auf dem Erdmantel, stoßen zusammen, versinken im Erdinnern und entstehen in anderen Regionen wieder neu.

Die Konsequenzen kennen Norddeutsche meist nur aus dem Fernsehen, doch für viele Bewohner unseres Planeten gehören sie zum Alltag: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis - Naturgefahren, die aus solchen Prozessen entstehen, erhebliche Sachschäden verursachen und jedes Jahr viele Menschenleben kosten, wie zuletzt in China und Chile. Vorhersage oder auch nur rechtzeitige Warnung vor solchen Gefahren gestaltet sich sehr schwierig, denn der genaue Ablauf solcher geologischen Prozesse tief in der Erde ist noch nicht hinreichend erforscht. Die Kieler Meereswissenschaftler beschäftigen sich schon lange mit solchen Prozessen.

Seit dem Jahr 2001 in einem großen, multidisziplinären Forschungsvorhaben, dem Sonderforschungsbereich 574 "Fluide und Volatile in Subduktionszonen: Klima-Rückkopplungen und Auslösemechanismen von Naturkatastrophen". Hier arbeiten Geologen, Vulkanologen, Geophysiker, Geochemiker, aber auch Meteorologen und Biologen der Kieler Christian-Albrechts-Universität und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) an einem besseren Verständnis der Prozesse, die beim Abtauchen (Subduzieren) von ozeanischen Platten unter einen Kontinent entstehen. Hauptuntersuchungsgebiete sind die Pazifikküste Mittelamerikas von Costa Rica bis Guatemala sowie die Subduktionszone vor Süd-Chile, der Arbeitsschwerpunkt der nächsten 4 Jahre.

"Wir freuen uns sehr, dieses wichtige Projekt fortsetzen zu können", so SFB-Sprecher Prof. Dr. Kaj Hoernle vom IFM-GEOMAR. "Mit dieser Bewilligung können wir die schon gewonnenen Daten von Mittelamerika weiter auswerten und mit neuen Daten, die entlang der Küste Südamerikas gewonnen werden, vergleichen. Dieser Vergleich ist wichtig, denn Subduktionsprozesse sind komplex und laufen nicht überall gleich ab", erläutert Prof. Dr. Hoernle weiter. "Nur die genaue Kenntnis der Prozesse wird uns erlauben, lokal Risikopotentiale abzuschätzen, und den dort lebenden Menschen wichtige Hinweise über mögliche Gefährdungen zu geben", führt Dr. Armin Freundt, wissenschaftlicher Sekretär des SFB's weiter aus. In der abschließenden Phase wird der Sonderforschungsbereich auch noch um einen globalen Aspekt erweitert. Der durch solche Subduktionsprozesse angetriebene Vulkanismus kann durch seine Gas-Emissionen erhebliche Klimaschwankungen verursachen. "Besonders Grosseruptionen von Vulkanen können das globale Klima über Jahre beeinflussen", erklärt Prof. Dr. Kirstin Krüger vom IFM-GEOMAR. Die Meteorologin und Teilprojektleiterin des SFB's möchte die im SFB gemessenen Daten nutzen, um solche Effekte auf das Klima und mögliche Langzeitwirkungen mit Hilfe von Modellstudien besser abzuschätzen.

"Auch mit der jetzt bewilligten Förderphase werden wir sicher nicht alle Fragen beantworten können. Durch internationale Kooperationen mit Forschern aus Süd und Nord Amerika, Europa, und Japan hoffen wir aber einen weiteren wichtigen Beitrag in der dritte Phase des SFB?s zu leisten," so SFB-Sprecher Kaj Hoernle. Komplexe natürliche Vorgänge wie in Subduktionszonen können nur durch langfristige, interdisziplinäre Forschung gründlich untersucht werden. "Die bis zu 12 Jahren währende Förderung eines Sonderforschungsbereiches hilft da schon erheblich weiter", freut sich auch IFM-GEOMAR Direktor Peter Herzig. "Unser Erfolgsrezept ist unser Teamgeist", betont Professor Thomas Bauer, der Rektor der CAU. "Die traditionsreiche Kieler Meeresforschung ist mit wissenschaftlichen Einrichtungen international vernetzt, kann aber auch innerhalb der Universität auf eine breit gefächerte Infrastruktur zugreifen." Neben dem Exzellenzcluster 'Ozean der Zukunft' noch zwei Sonderforschungsbereiche federführend zu gestalten, sei für die Kieler Universität wie für das IFM-GEOMAR eine hohe Auszeichnung, stellen Herzig und Bauer fest.

Wichtige Veröffentlichung aus den ersten Phasen des SFB's:

Hoernle, K., D.L. Abt, K.M. Fischer, H. Nichols, F. Hauff, G.A. Abers, P. van den Bogaard, K. Heydolph, G. Alvarado, M. Protti, and W. Strauch, 2008: Arc-parallel flow in the mantle wedge beneath Costa Rica and Nicaragua. Nature, 451, 1094-1097, doi: 10.1038/nature06550.

Ansprechpartner
Prof. Dr. Kaj Hoernle, IFM-GEOMAR, Tel. 0431 - 600 2642, khoernle@ifm-geomar.de
Dr. Armin Freundt, IFM-GEOMAR, Tel. 0431 - 600 2131, afreundt@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel. 0431 - 600 2802, avillwock@ifm-geomar.de

Sandra Ogriseck (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Presse und Kommunikation), Tel. 0431 - 880 2104, presse@uv.uni-kiel.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.sfb574.ifm-geomar.de
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Berichte zu: IFM-GEOMAR Meereswissenschaft Subduktionszone

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive