Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem asiatischen Sommermonsun auf der Spur

12.06.2012
Bremer Meeresforscher auf Expedition im südchinesischen Meer
Vom 17. Mai bis zum 7. Juni war ein Wissenschaftlerteam des MARUM auf dem Forschungsschiff SONNE im südchinesischen Meer unterwegs. Mit dem Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo gewann das Team Sedimentproben. Dabei bohrte das MeBo mehr als 80 Meter tief und damit tiefer als jemals zuvor in den Meeresboden hinein. Mit den Proben vom Meeresgrund sollen natürliche Veränderungen des ostasiatischen Sommermonsuns während der letzten Warmzeiten untersucht werden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die Expedition „SONNE 221“ wurde vom Bremer Geowissenschaftler Dr. Mahyar Mohtadi geleitet. Die Forschungsfahrt galt dem ostasiatischen Sommermonsun – einem auch global bedeutsamen Wettersystem, das mit Wirbelstürmen und Wolkenbrüchen einhergehen, aber auch Dürren verursachen kann. Eine der spannenden Fragen, die die Geowissenschaftler mit Hilfe der gewonnenen Proben beantworten wollen, lautet: Wie entwickelte sich der ostasiatische Sommermonsun während der letzten Warmzeit vor etwa 125.000 Jahren. Damals herrschte ein ähnliches Klima wie heute; allerdings ohne den dominanten Einfluss des Menschen auf die Umwelt- und Klimaentwicklung.

Vom Forschungsschiff SONNE aus wird das Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo ausgesetzt. Foto: Thorsten Klein, MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Um Licht ins Dunkel zu bringen, stehen den Forschern jetzt fünf Bohrkerne mit Längen zwischen 66 und knapp 81 Meter zur Verfügung. Erste Untersuchungen, die die Wissenschaftler noch an Bord durchführten, ergaben, dass Sedimentfracht und -zusammensetzung, die der Perlfluss und andere Flüsse vom Land ins Meer transportieren, im Rhythmus des Monsuns schwanken. „Wir sind daher zuversichtlich, dass wir bald mehr über das Auf und Ab des ostasiatischen Sommermonsuns im Laufe der jüngeren Erdgeschichte herausfinden werden“, sagt Expeditionsleiter Dr. Mohtadi.

Für den Erfolg der Expedition war der Einsatz des MARUM-MeBo unerlässlich, denn die Sedimente, für die sich das Forscherteam interessiert, befinden sich mehr als 50 Meter unter dem Meeresboden. Sie können mit gängigen Geräten wie etwa einem Schwerelot nicht beprobt werden. Das MeBo ist dagegen für Bohrtiefen um die 70 Meter ausgelegt. Entsprechend erfreut waren die Wissenschaftler, als sie eine der fünf Bohrungen auf knapp 81 Meter abteufen konnten – ein neuer Tiefenrekord für das Meeresboden-Bohrgerät.

Das MARUM-MeBo ist weltweit das einzige für die Forschung eingesetzte Bohrgerät, das im modernen Seilkernverfahren hochwertige Sediment- und Festgesteinsproben von über 70 Meter Länge am Meeresboden in Wassertiefen von bis zu 2.000 Meter erbohren kann. Das MeBo ist ca. sechs Meter hoch, über zehn Tonnen schwer und wird mit einem Spezialkabel auf dem Meeresboden abgesetzt. Das auf zwei Magazinen mitgeführte Bohrgestänge wird ferngesteuert am Meeresboden zu einem Bohrstrang aufgebaut. Die erbohrten Kerne werden mit einem Seil innerhalb des Bohrstranges zum Bohrgerät gezogen und in den Magazinen verwahrt, bis die Wissenschaftler sie nach Beendigung der Bohrung bzw. der Bergung des Gerätes auf dem Schiff entladen und verarbeiten.

Die Forschungsfahrt fand im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekte INVERS (Interglaziale Veränderungen des ostasiatischen Sommermonsuns) und CARIMA (Natural versus anthropogenic controls of past monsoon variability in Central Asia recorded in marine archives) statt.

Mit Mitteln des BMBF wird derzeit am MARUM ein neues Bohrgerät – das MeBo200 – entwickelt. Damit sollen am Meeresboden hochwertige Kerne von bis zu 200 Meter Länge erbohrt werden. Mit diesem Probenmaterial können dann zukunftsweisende Fragen in Zusammenhang mit der Erkundung von Rohstoffen aus dem Meer, der meeresbezogenen Klimaforschung, aber auch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Rutschungen untermeerischer Hänge und Tsunamis angegangen werden.

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:

Jana Stone
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0421 218 65541
Email: jstone@marum.de

MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde – insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Das MARUM umfasst das DFG-Forschungszentrum und den Exzellenzcluster "Der Ozean im System Erde".

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie