Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

340 Krater fehlen noch

30.06.2015

Forscher berechnen die Zahl der noch zu entdeckenden Einschlagstellen von Meteoriten auf der Erdoberfläche

Die Geologen Prof. Dr. Stefan Hergarten und Prof. Dr. Thomas Kenkmann vom Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften der Universität Freiburg haben die weltweit erste Studie zu der Frage veröffentlicht, wie viele Meteoritenkrater auf der Erdoberfläche vorhanden sein müssten.


Foto: Thomas Kenkmann

188 sind bislang nachgewiesen, 340 weitere gilt es zu entdecken – so das Ergebnis einer Wahrscheinlichkeitsrechnung, die die beiden Forscher im Fachjournal „Earth and Planetary Science Letters“ vorgestellt haben.

Meteoriteneinschläge haben wiederholt die Entwicklungsgeschichte der Erde und des Lebens beeinflusst. Auch das große Dinosauriersterben am Ende der Kreidezeit geht wohl auf eine Megakollision zurück. Aber wie viele Relikte von großen und kleinen Einschlägen sind erhalten?

Verglichen mit mehr als 300.000 Impaktkratern auf dem Mars erscheinen die bisher nachgewiesenen 188 auf der Erde verschwindend gering. Zudem sind 60 von ihnen mehr oder weniger tief von Sedimenten begraben. Fortschritte in der Fernerkundung haben nicht zu dem erwarteten Sprung geführt: Im Durchschnitt werden jährlich nur etwa ein bis zwei zumeist stark erodierte Meteoritenkrater neu entdeckt.

Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags ist auf der Erde nicht grundlegend anders als auf dem Mars. Allerdings verändert sich die Erdoberfläche wesentlich schneller. Dies führt dazu, dass die Krater eine deutlich kürzere Lebensdauer haben und ihre heutige Anzahl daher viel geringer ist. „Bei der Studie bestand die Herausforderung darin, die Wirkung der Erosion, die zum Verschwinden der Krater führt, auch über lange Zeitintervalle hinweg abzuschätzen“, sagt Hergarten.

Die Lebensdauer eines Kraters hängt von der Erosionsrate und von seiner Größe ab. Große Krater können auf der Erde je nach Region eine Lebensdauer von einigen 100 Millionen Jahren erreichen. Allerdings gibt es sie wesentlich seltener als kleine Krater, da die Wahrscheinlichkeiten für Einschläge unterschiedlich großer Meteoriten stark voneinander abweichen. Die Lösung war, die Anzahl der nachgewiesenen Krater verschiedener Größen zu vergleichen, die vermutete Häufigkeit der Einschläge aufgrund der bekannten Wahrscheinlichkeiten zu ermitteln und durch Kombination dieser Informationen auf die Erosionsraten zu schließen.

„Als überraschendes, auf den ersten Blick ernüchterndes Ergebnis haben wir herausgefunden, dass es oberhalb von sechs Kilometer Durchmesser nicht mehr viele Krater auf der Erdoberfläche zu entdecken gibt“, berichtet Hergarten. Bei den kleineren dagegen haben die Wissenschaftler ein Defizit im derzeitigen Inventar nachgewiesen:

In der Größenklasse von einem bis sechs Kilometer Durchmesser warten noch etwa 90 auf ihre Entdeckung, weitere 250 mit einem Durchmesser von 250 bis 1.000 Meter kommen hinzu. Tief unter Sedimenten verborgen, wird es hingegen auch noch einige große unentdeckte Krater geben. Doch diese sind ungleich schwieriger zu detektieren und nachzuweisen.

Freiburger Studierende beteiligen sich schon seit 2011 an der Forschung: Im Masterstudiengang „Geology“ findet jährlich der Kurs „Screening earth – a student (re)search project“' statt, der den wissenschaftlichen Nachwuchs in die Suche nach unentdeckten Kratern einbindet.

„Die Studierenden werden sich fragen müssen, ob sie die Suche auf kleine Krater fokussieren – oder ob vielleicht doch der Coup gelingt, einen der letzten verbleibenden großen Meteoritenkrater zu entdecken“, sagt Kenkmann, der für die Veranstaltung den Landeslehrpreis Baden-Württemberg 2012 erhielt.

Originalveröffentlichung:
S. Hergarten & T. Kenkmann (2015) The number of impact craters on Earth: Any room for further discoveries? Earth Planet. Sci. Lett., 425: 187-192.
doi 10.1016/j.epsl.2015.06.009
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0012821X15003659

Artikel im Magazin uni’lernen:
www.pr2.uni-freiburg.de/publikationen/unilernen/unilernen-2013/page1.html#/32

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Hergarten
Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-6471
E-Mail: stefan.hergarten@geologie.uni-freiburg.de

Prof. Dr. Thomas Kenkmann
Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-6495
E-Mail: thomas.kenkmann@geologie.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:

https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2015/pm.2015-06-30.93

Rudolf-Werner Dreier | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Zeppelin, Drohnen und Forschungsschiffe untersuchen Wattenmeer und Elbe
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik