Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Solare Klimatisierung: Solarenergie sorgt für Wärme, Kälte und kontrollierte Luftfeuchte

22.06.2001


Ende Juni wird die erste solarautarke Klimatisierung in Deutschland offiziell in Betrieb gehen. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE konzipierten die Anlage, die künftig im Sitzungsgeschoss der IHK Südlicher Oberrhein in Freiburg für kühle Köpfe sorgen wird. Die solare sorptionsgestützte Klimatisierung nutzt Wärme aus 100 m2 Solarluftkollektoren als Antriebsenergie. Im Sommer liefert die Anlage die gesamte für die Klimatisierung benötigte Wärmeenergie, im Winter unterstützt sie die Raumheizung.

Mit dem langersehnten Sommerwetter kommt auch wieder die Zeit, in der viele mit überhitzten Räumen kämpfen. Die Antwort des Fraunhofer ISE darauf heißt solare Klimatisierung: Wärme aus Sonnenkollektoren wird über Sorptionsprozesse in Kälte umgewandelt. Das funktioniert umso besser, je kräftiger die Sonne scheint. Angebot und Nachfrage fallen zusammen.

"Die sorptionsgestützte Klimatisierung ist aufgrund der niedrigen Antriebstemperaturen ideal für die Einbindung von Solarwärme oder Abwärme, z. B. aus Kraft-Wärme-Kopplung, geeignet", sagt Dipl.-Ing. Carsten Hindenburg, Projektleiter am Fraunhofer ISE.

Bei der neuen Anlage wird die Außenluft über Adsorption von Wasserdampf an Silikagel getrocknet. Anschließende Befeuchtung der trockenen Luft liefert über Verdunstungskälte kühle Luft zur Klimatisierung. Wärme aus den Solarluftkollektoren regeneriert schließlich das Silikagel für den nächsten Kühlzyklus.

"Unsere Besonderheit sind Verfahren, die das Gesamtsystem unter Einbeziehung von Solarwärme energetisch optimieren und damit noch energieeffizienter machen. Dabei behalten wir stets die Kostenseite im Auge", hebt Projektleiter Hindenburg hervor. Überzeugender Beweis ist die IHK Anlage: 10.000 m3 kühle Luft liefert die Anlage in Spitzenzeiten pro Stunde und schafft so angenehme Raumbedingungen für bis zu 100 Personen. Sie ist im Sommer solarautark, braucht also neben der Wärme von 100 m2 Solarluftkollektoren keine Zusatzwärme für die Kühlleistung. Dabei kommt die Anlage sogar ohne einen Wärmespeicher aus. Das vereinfacht die Systemtechnik.

Die von der Europäischen Union und dem Land Baden-Württemberg sowie den Firmen GWE Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung mbH& Co. KG aus Freiburg und Dieter Bühler Ingenieurbüro GmbH aus Bahlingen geförderte Anlage wurde nachträglich installiert, weil in dem großzügig verglasten Konferenzgeschoss die Temperaturen im Sommer zu hoch waren.

Die Technik ist reif für gewerbliche Anwendungen ab
3000 m3/h Luftdurchsatz. In Mittelmeerländern sind die wirtschaftlichen Randbedingungen besonders günstig. So beraten die Fraunhofer Forscher die Gaswerke Palermo bei der Klimatisierung eines Bürogebäudes. Dabei wird Solarwärme ebenfalls einen Großteil des sommerlichen Kühlbedarfs decken. Überhaupt wächst weltweit das Interesse an umweltfreundlicher Klimatisierung. In der Internationalen Energieagentur IEA läuft gerade ein Forschungsvorhaben unter Leitung des Instituts.

"Die solare Klimatisierung hat ein großes Wirtschaftspotenzial", ist sich Carsten Hindenburg sicher. "Wir bieten der Industrie vielfältige Unterstützung, um dieses Potenzial zu realisieren". Neben Simulationsrechnungen und Materialuntersuchungen gibt es einen neuen Teststand für Solare Sorptionsgestützte Klimatisierungsanlagen (SSGKTEST) am Fraunhofer ISE. Mit einem Solarsystem können dort unter realistischen Bedingungen unterschiedliche Schaltungsvarianten und Komponenten wie Sorptionsräder oder Regler entwickelt und getestet werden.

Die Arbeitsgruppe "Solare Klimatisierung" des Instituts hat eine eigene Website unter www.solar-cooling.de eingerichtet. Wer sich live über die Technik informieren möchte, den lädt das Fraunhofer ISE vom 6.- 8. Juli 2001 zur Intersolar in Freiburg ein. Auf dem Messestand 212 in Halle 2 wird das Modell eines Sorptionsrades zu sehen sein. Am Freitag, den 6. Juli 2001 kann man an einem Industrie-Workshop zur Solaren Klimatisierung teilnehmen. Anmeldung und nähere Informationen dazu gibt es unter www.intersolar.de .


Informations- und Bildmaterial:
Fraunhofer ISE, Presse und Public Relations
Tel. +49 (0) 7 61/45 88-1 50, Fax +49 (0) 7 61/45 88-3 42

E-Mail: info@ise.fhg.de

Ansprechpartner für weitere Informationen:

Projektleiter:
Dipl. Ing. Carsten Hindenburg, Fraunhofer ISE,
E-Mail: carsten.hindenburg@ise.fhg.de
Fax +49 (0) 7 61/45 88-1 00

Karin Schneider | Presse und Public Relations
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/www.solar-cooling.de
http://www.solar-cooling.de
http://www.intersolar.de

Weitere Berichte zu: Klimatisierung Solarluftkollektor Solarwärme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Riesen-Drehmomentsensor aus der PTB bringt Präzision vom Labor in den Prüfstand
24.11.2017 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

nachricht Licht ermöglicht „unmögliches“ n-Dotieren von organischen Halbleitern
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie