Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stuttgarter Lichtbogentriebwerk bringt Amateurfunksatelliten auf Kurs

22.11.2000


Erster Einsatz eines Lichtbogentriebwerks in Westeuropa. Die vor einer Woche in Kourou gestartete Trägerrakete Ariane 5 hat, wie bereits berichtet wurde, auch den 630 Kilogramm schweren Amateurfunk-Satelliten AMSAT P3-D in den Orbit befördert. Nach dem Aussetzen aus der Trägerrakete wird der Satellit in den nächsten Wochen und Monaten in seine endgültige Position gebracht. Die exakte Ausrichtung des Senders im Weltraum hängt dabei im wesentlichen von der Genauigkeit ab, mit der das am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart entwickelte Lichtbogentriebwerk arbeitet. Zunächst befördert ein chemisches Zweistoff-Raketentriebwerk der DASA den Satelliten auf seine Umlaufbahn, auf der er in einer Höhe zwischen 4.000 und 47.000 Kilometern in 16 Stunden einmal um die Erde kreisen wird. Danach sorgt das Stuttgarter Arcjet-Triebwerk bei seinem ersten Flugeinsatz für die Feinarbeit, also die präzise Ausrichtung zur Erde und die spätere Nachregulierung des Amateurfunk-Satelliten. An Bord dienen 52 Kilogramm Ammoniak als Treibstoff für das LichtbogentriebwerkATOS, die für 600 Betriebsstunden in 5 Jahren ausreichen werden. Gegenüber den bisher gebräuchlichen chemischen Satellitenantrieben wird mit dem Arcjet rund die Hälfte an Treibstoffgewicht eingespart.

Die am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart seit Beginn der 90er Jahre entwickelten Lichtbogentriebwerke arbeiten nach dem Funktionsprinzip: Aufheizen des gasförmigen Treibstoffes in einem elektrischen Lichtbogen mit anschließender Umwandlung der thermischen Energie in gerichtete kinetische Energie durch Expansion in einer Düse. Die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung dieses Präzisionsinstrumentes lagen vor allem darin, ein konstantes niedriges Leistungsniveau zu erzielen unter Verwendung von Ammoniak statt dem sonst eingesetzten Hydrazin und in der Verlängerung der Lebensdauer des Triebwerkes.
Der Einsatz des Arcjet-Antriebes auf dem internationalen Amateurfunk-Satelliten AMSAT P3-D unterstreicht die innovative deutsche Satellitentechnologie. Dieser Satellit ist das bisher ehrgeizigste Projekt der internationalen Amateurfunkergemeinschaft AMSAT. Unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Meinzer (Philipps-Universität Marburg) entstand dieser 650 kg schwere Satellit, mit einem Durchmesser von 2,30 Meter und einer Höhe von einem Meter. Er dient neben seiner eigentlichen Aufgabe als Relaisfunkstelle mit acht Transpondern für Amateurfunker weltweit auch als Plattform zur Erprobung einer Reihe neuer Raumfahrttechnologien wie etwa dem Lichtbogentriebwerk. AMSAT ist ein weltweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Funkamateuren, die kleine Satelliten kostengünstig als Forschungsplattformen entwickeln, bauen und starten. In den 30 Jahren ihres Bestehens hat die AMSAT mehr als 30 Satelliten gebaut. Der P3-D ist weltweit erst der zweite Satellit mit einer Ammoniakbetankung und zugleich der erste Arbeitseinsatz eines elektrischen Lichtbogentriebwerks in Westeuropa.


Kontakt:
Institut für Raumfahrtsysteme, Dipl.-Ing. Helmut Kurtz, Tel: 07071/685-2389, Fax: 07071/685-3596, E-Mail: kurtz@irs.uni-stuttgart.de

Dr. Ulrich Engler | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen
12.12.2017 | Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES

nachricht Meilenstein in der Kreissägetechnologie
11.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften