Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu den Folgen der Strommarktliberalisierung

11.06.2008
An der Recklinghäuser Hochschulabteilung der Fachhochschule Gelsenkirchen analysiert ein Forscherteam, wie sich die Liberalisierung auf dem Strom-Markt auf das Verhalten der Energieversorger ausgewirkt hat.

Nach einem von zwei Jahren Projektlaufzeit liegen jetzt erste Ergebnisse vor. Die Strompreise sind durch die neue Konkurrenz nur vorübergehend gesunken. Die Hans-Böckler-Stiftung fördert das Forschungsprojekt mit 165.000 Euro.

Hohe Gewinne auf Kosten der Mitarbeiter

Eine Gewinnsteigerung um zwei Drittel für die Aktionäre: Das ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts an der Hochschulabteilung Recklinghausen, bei dem die Professoren Dr. Heinz-Josef Bontrup und Dr. Ralf-Michael Marquardt gemeinsam mit Werner Voß als wissenschaftlichem Mitarbeiter seit einem Jahr die Folgen der Strommarktliberalisierung untersuchen. Der Erfolg für die Stromversorger und ihre Aktionäre hat mehrere Gründe.

Vor allem erfolgte die Gewinnsteigerung zu Lasten der Mitarbeiter und der Investitionen, so Bontrup: "Von 1992 bis 2005 ging fast ein Drittel der Arbeitsplätze in der Stromversorgung verloren. Die, die noch da sind, bezahlen den Gewinn ihrer Unternehmen mit Kürzungen ihrer übertariflichen Leistungen und ihrer betrieblichen Altersversorgung sowie mit Entgelten, die mit 2,4 Prozent durchschnittlichem Jahreszuwachs deutlich hinter der Produktivitätssteigerung von sechs Prozent zurückblieben."

Zeitgleich fuhren die Stromversorger die Investitionsmargen zurück, so die Forscher. Die zunächst beobachteten Preisrückgänge beim Strom sind inzwischen weitgehend aufgezehrt. Bontrup: "Vier große Stromkonzerne haben 80 Prozent der deutschen Stromversorgung in ihrer Hand und haben sich dank des liberalisierten Marktes überproportional selbst bedient. Mitarbeiter und Kunden dagegen haben den Kürzeren gezogen."

"Gemessen an den Erwartungen ist das Ergebnis der Marktöffnung ernüchternd", schreiben die Wissenschaftler. Doch nicht nur sie sind unzufrieden, sondern auch EU-Kommission und Bundesregierung. Brüssel drängt darauf, Stromerzeugung und Stromnetze zu trennen, Berlin hat das Wettbewerbsrecht verschärft, damit das Kartellamt schneller gegen überhöhte Preise einschreiten kann. Bontrup forderte noch im April als Experte vor dem Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Technologie, durch ein verstärktes Eingreifen des Staates den Faktoren Versorgungssicherheit der Bevölkerung und umweltschonender Umgang mit Energieressourcen mehr Gewicht zu verleihen. Bontrup: "Energiepolitik ist zu wichtig für die gesamte Gesellschaft, als dass man sie dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen kann."

Mit 165.000 Euro Fördersumme ist das Forschungsvorhaben "Neue Unternehmensstrategien und Mitbestimmungskulturen angesichts liberalisierter Rahmenbedingungen in der Elektrizitätswirtschaft" das finanziell drittstärkste nicht-technische Forschungsförderprojekt, das an der Fachhochschule Gelsenkirchen seit ihrer Gründung im Jahr 1992 eingeworben wurde.

Download der Zwischenergebnisse: www.boeckler.de/pdf/impuls_2008_09_5.pdf.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup, Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsrecht der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (02361) 915-412 oder 915-400 (Dekanatssekretariat), Telefax (02361) 915-500, E-Mail heinz-josef.bontrup@fh-gelsenkirchen.de

Prof. Dr. Ralf-Michael Marquardt, Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsrecht der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (02361) 915-450 oder 915-400 (Dekanatssekretariat), Telefax (02361) 915-570, E-Mail ralf-michael.marquardt@fh-gelsenkirchen.de

Dr. Barbara Laaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2008_09_5.pdf

Weitere Berichte zu: Strommarktliberalisierung Wirtschaftsrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Graduiertenschule HyPerCells entwickelt hocheffiziente Perowskit- Dünnschichtsolarzelle
17.08.2017 | Universität Potsdam

nachricht Lasersensoren LAH-G1 – Optische Abstandssensoren mit Messwertanzeige
15.08.2017 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie