Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automatisierungstechnik: neue Montageanlage ist Modellfabrik, Lehr- und Forschungsplattform

08.02.2012
Im Automobilbau, in der Lebensmitteltechnologie, in der Logistik, zunehmend auch im Bau von Photovoltaikanlagen und überall dort, wo hohe Stückzahlen produziert werden, erleichtern vollautomatisierte Prozesse die Fertigung.
An der Hochschule Darmstadt (h_da) geht nun nach zweijähriger Vorbereitungszeit eine Montageanlage in Betrieb, die den Automatisierungsvorgang in einer Fabrik originalgetreu nachbildet. 300 Studierende pro Jahr aus den Fachbereichen Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Mathematik und Naturwissenschaften werden an der interdisziplinär betriebenen Anlage realitätsnah auf die Bedingungen in der Industrie vorbereitet.

Zudem dient die flexibel veränderbare und erweiterbare Anlage als Forschungsplattform für neueste Trends in der Automatisierungstechnik und Unternehmen als Erprobungsplattform für aktuelle Verfahren, ohne dass Produktionsausfälle oder gar Schäden in Kauf genommen werden müssen.

Bislang sind 200.000 Euro aus zentralen und dezentralen QV-Mitteln (Landesmittel zur Verbesserung der Qualität der Lehre) in die Anlage geflossen. Die Firma Siemens unterstützt die Fertigungsstraße zusätzlich mit einer Sachspende im fünfstelligen Eurobereich. Hierzu zählen Komponenten der Motoren- und Antriebstechnik, moderne speicherprogrammierbare Steuerungen, ein mobiles Touchpanel mit WLAN-Funktion, RFID-Module zur berührungslosen Datenerkennung sowie spezielle Entwicklungssoftware.

„Mit der neuen Anlage können wir den Stand der gesamten Automatisierungstechnik in der modernen Fertigungstechnik abbilden“, ordnet Prof. Stephan Simons vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik ein, der die Fertigungsstraße in Kooperation mit Prof. Stephan Neser vom Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften konzipiert hat. Die Anlage stellt eine vollständige Fabrikmontage dar: mit Wareneingang im 44 Fächer umfassenden Hochregallager, Warentransport via intelligenten Shuttles auf einem 20 Meter langen Schienensystem, automatisierter Montage per Robotersystemen und Endkontrolle mittels automatischer optischer und elektrischer Prüfung sowie Gewichtskontrolle. Zum Einsatz kommen Komponenten, die so auch in der Industrie verwendet werden.

„Die Fertigungsstraße führt die Studierenden an eine Welt heran, die technisch immer komplexer wird“, sagt Stephan Simons. „Im Team arbeiten sie an einzelnen, überschaubaren Aufgaben, die leicht zu handhaben sind.“ Das interdisziplinäre Team setzt sich zusammen aus Studierenden der Fachrichtungen Elektrotechnik, Mechatronik sowie Optotechnik und Bildverarbeitung in den Lehrveranstaltungen Automatisierungstechnik, Industrielle Datenkommunikation und Visualisierung von technischen Systemen. „Die Studierenden können an der Anlage ihr Wissen aus verschiedensten Aspekten ihres Studiengangs miteinander vernetzen“, sagt Stephan Neser. „Wir fördern so das Systemdenken, die Studierenden arbeiten und lernen an einem System, wie es später in ähnlicher Weise auch in der Industrie auf sie zukommen wird.“

Peter Gampfer, Geschäftsverantwortlicher für Industrieautomation in der Siemens-Region Mitte, zu der auch Hessen gehört: „Mit unserem Know-how und unserer Technologie wollen wir die Studierenden der Hochschule Darmstadt dabei unterstützen, frühzeitig Spezialwissen in einer der wichtigsten Disziplinen aufzubauen. Mit Hilfe der bereitgestellten Hard- und Software können sie am praxisnahen Beispiel der Modellfabrik bestehende Prozesse verbessern und neue Verfahren entwickeln. Auf diese Weise tragen die jungen Frauen und Männer dazu bei, die Vorreiterrolle unseres Standortes Deutschland auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik zu sichern.“

Die automatisierte Montageanlage soll auch dazu dienen, gemeinsam mit der mittelständischen Industrie in Darmstadt und der Region neue Automatisierungstechniken zu erarbeiten und zu erproben. Die Unternehmen minimieren hierbei ihr Risiko, da sich Schäden nicht in großem Volumen auswirken und Zeiten des Produktions-Stillstands nicht zu Kostenverlusten führen. Derzeit läuft in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen an der Anlage ein Projekt im Rahmen einer Bachelorarbeit zur Anbindung von Codereadern an speicherprogrammierbare Steuerungen, mit denen Produkte in einer modernen Fabrik identifiziert werden können.

In einem fortgeschrittenem Stadium befindet sich ein Forschungsprojekt, das gemeinsam mit dem Zentrum für Forschung und Entwicklung der Hochschule Darmstadt durchgeführt wird: die virtuelle Inbetriebnahme der gesamten Montageanlage mittels 3D-Software. Erforscht werden sollen künftig auch weitere zukunftsgewandte Aspekte der Automatisierungstechnik. Dazu zählt die Messung des Energieverbrauchs der Einzelstationen sowie die Entwicklung und Erprobung von Konzepten zur Reduzierung des Energieverbrauchs.

Martin Wünderlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.h-da.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht IT-Kühlung: So schaffen Kleinbetriebe den Sprung in die IT-Profiliga
23.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Plug & Play: Drei auf einen Streich
29.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten