Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Alltag ist der „Stromer“ eine Alternative

29.10.2013
Informatiker der Universität Jena erproben E-Mobil im täglichen Einsatz

Das Elektroauto steht an der Startlinie, kommt aber nicht so richtig in die Gänge. Noch stehen einem Siegeszug der E-Mobilität etliche Hürden im Weg. Dazu gehören die relativ geringe Reichweite der meisten E-Autos, der hohe Anschaffungspreis und die fehlende Infrastruktur.

„Das Elektroauto hat aber vor allem ein Akzeptanzproblem“, sagt Katharina Nagel von der Universität Jena. Die Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Softwaretechnik von Prof. Dr. Wilhelm Rossak möchte herausfinden, wo die Hürden für die E-Mobile liegen. Derzeit laufen am Lehrstuhl zwei Studien zur Elektromobilität. Im Projekt eTelematik wollen die Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität die Einsatzgebiete von elektromotorisch betriebenen Nutzfahrzeugen ausloten. Im Fokus steht dabei ein Fahrzeugtyp, der mit verschiedenen Arbeitsgeräten kombiniert werden kann. Das zweite Projekt SmartCityLogistik Erfurt dient dazu, den Einsatz von E-Mobilen in der Großstadt zu untersuchen. Für die „Stromer“ in der Stadt spricht, dass sie vergleichsweise leise sind und abgasfrei fahren. Sie könnten zudem zukünftig als Zubringer an öffentliche Verkehrsmittel eine größere Rolle spielen.

Aktuell hat der Lehrstuhl einen i-MiEV von Mitsubishi Motors als Testfahrzeug zur Verfügung. „Wir haben die Chance, ganz praktische Erfahrungen mit einem Elektroauto zu sammeln“, sagt Katharina Nagel, die Soziologie und Informatik studiert hat. Bei dem Probeauto, das für drei Monate genutzt werden kann, handelt es sich um ein Serienfahrzeug. Es wurde mit zusätzlichen Messgeräten ein wenig aufgerüstet. So können die Informatiker nicht nur die Daten der Bordelektronik auslesen, sondern noch weitere Parameter erfassen. „Wir können genau nachvollziehen, wann Kurven gefahren wurden, welche Steigungen zu überwinden waren und welche klimatischen Bedingungen während der Probefahrt herrschten“, sagt Prof. Rossak. Das Wetter spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle: Niedrige Temperaturen verkürzen die Reichweite von E-Autos.

Nach ca. 8 000 Testkilometern kann Prof. Rossak ein erstes Fazit ziehen. Die Wissenschaftler bescheinigen dem Fahrzeug durchaus Alltagstauglichkeit, machen jedoch Einschränkungen. So seien größere Strecken nur mit sorgfältiger Planung zu bewältigen. Insbesondere die vielerorts fehlenden Ladestationen machen Langstrecken zum Abenteuer: „Einmal fanden wir keine öffentliche Ladestation und nutzten dann die Stromversorgung auf einem Wohnmobilstellplatz“, sagt Nagel. Zusätzlich kompliziert werde es, weil unterschiedliche Steckersysteme angeboten werden. Normalerweise macht es jedoch keine Probleme, den i-MiEV zu laden: Seine Lithium-Ionen-Batterie kann innerhalb von acht Stunden an jeder herkömmlichen, gesicherten 230-Volt-Haushaltssteckdose vollständig geladen werden.

Im Alltag ist das E-Mobil eine Alternative zum Benziner: „Die in Deutschland durchschnittliche pro Tag zurückgelegte Fahrstrecke beträgt unter 50 km“, sagt Katharina Nagel. So sei selbst die tägliche Fahrt zur Arbeit für die meisten Pendler kein Problem. Das Testfahrzeug schafft mit vollen Batterien etwa 150 Kilometer, ehe es an die Steckdose muss. Zudem gibt es ein Schnell-Ladesystem, mit dem die Akkus bereits nach einer halben Stunde wieder volle Leistung haben. Dieses System steht aber nicht flächendeckend zur Verfügung.

Katharina Nagel: „Je nach Zuladung, Fahrstil und -strecke kann die Maximaldistanz erheblich variieren.“ Es lohne sich, vorausschauend zu fahren und z. B. darauf zu achten, dass bei Bergabfahrten wieder Energie ins System eingespeist werden kann. Um für verschiedene Fahrbedingungen den optimalen Energieverbrauch und die bestmögliche Reichweite zu erzielen, verfügt das Testauto über drei wählbare Vorwärtsgänge. Neben dem Rückwärtsgang und der Fahrtstufe „D“ gibt es noch zwei spezifische Positionen bzw. Funktionen: „B“ (Bremse) erhöht bei Bergabfahrten den Grad an Energie-Rückgewinnung, „C“ (Comfort) reduziert den Energie-Rückgewinnungseffekt im Schubbetrieb z. B. bei längeren Überlandfahrten.

Mit Hilfe der gesammelten Daten werden die Wissenschaftler von der Universität Jena nun Reichweitenmodelle erstellen, mit denen sich Fahrten im E-Mobil zielgenau planen lassen. So könnten sie einen Beitrag leisten, den Siegeszug des E-Mobiles zu beschleunigen.

Kontakt:
Prof. Dr. Wilhelm Rossak
Institut der Informatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946330
E-Mail: wilhelm.rossak[at]uni-jena.de
Katharina Nagel M.A.
Institut für Informatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946335
E-Mail: katharina.nagel[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Bergabfahrten E-Autos E-Mobil Elektroauto Ladestation Reichweite Testfahrzeug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht IT-Kühlung: So schaffen Kleinbetriebe den Sprung in die IT-Profiliga
23.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Plug & Play: Drei auf einen Streich
29.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie