Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Schillernde Farben, die sich mit der Temperatur verändern

02.12.2005

Anzeige



Schema der Herstellung von gezielt beschichteten Mikropartikeln. Links: Seitenansicht eines Kolloid-Kristalls bei Beschuss mit reaktiven Ionen. Mitte: Seitenansicht eines Kolloid-Kristalls, bei dem durch Ionen-Beschuss die Größe der oberen Kolloid-Lagen reduziert wurde; der Kristall wird mit Gold bedampft. Rechts: Aufsicht eines Kolloid-Kristalls mit kleineren Kolloiden (rosa) als oberster Schicht, einer mittleren Schicht (blau) und einer dritten Schicht (schwarz), die die Goldablagerungen (orange) als dreieckförmige Flächen enthält. Bild: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung


Gezielt beschichtete Mikropartikel: Elektronenmikroskopieaufnahme der zweiten Lage eines Kolloid-Kristalls ohne Ionenätzung (links). Die mit Gold bedampften Flächen sind hell. Mitte: Aufsicht auf die dritte Lage eines Kolloid-Kristalls nach Ätzung und Goldbeschichtung. Rechts: Abbildung der Rückseite der dritten Lage des Kolloid-Kristalls. Sie enthält Goldpunkte (hell) mit einstellbarer Größe zwischen 20 und 80 Nanometer im Kernschatten der Bedampfung. Bild: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung


Potsdamer Max-Planck-Forscher erweitern den Baukasten an Kolloid-Partikeln und ermöglichen neue Farbstoffe

Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung ist es mit Ionenbeschuss und Goldbedampfen gelungen, eine neue Familie von Partikeln herzustellen, deren Bindungsverhalten sich chemisch maßschneidern lässt. Mit diesen Partikeln hofft man nicht nur, die Dynamik von Festkörpern und Molekülen besser erforschen zu können - die Entdeckung könnte auch zum Beispiel neue Lacke hervorbringen, die ihre Farbe mit der Temperatur verändern (Angewandte Chemie, 2. Dezember 2005.

Dass die Fingernägel von Frauen oder teure Autos heute wie Opale in vielen Farben schillern können, liegt an den Fortschritten der "Kolloidchemie", der Chemie kleiner Partikel: Die bunten Farben in modernen Lacken werden dadurch hervorgerufen, dass das Licht an Schichten aus regelmäßig angeordneten kolloidalen Teilchen reflektiert wird. Dabei werden einzelne Farben ausgelöscht oder verstärkt; die Dicke der Schichten - die so genannte "Gitterkonstante" - ist entscheidend für die Farbe. Weil sich Kugelform und Oberfläche der Teilchen heute maßschneidern lassen, kann man optimierte Kristalle mit den gewünschten Gitterkonstanten im Bereich des sichtbaren Lichtes herstellen.

Doch Kolloide können noch viel mehr: Sie sind auch interessante Modellsysteme für die Festkörperphysik, denn das Bindungsverhalten der relativ großen Partikel lässt sich mit dem der viel kleineren Atome vergleichen. Weil sie langsamer reagieren als Atome, kann man an ihnen Prozesse aus der Festkörperphysik beobachten und durchspielen. Problem: Atome sind - anders als die meisten Partikel - in der Regel nicht kugelsymmetrisch, sondern besitzen verformte "Orbitale", die wie Hanteln oder Ovale in den Raum ragen.

Das Forscherteam am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung um Dr. Wang bemüht sich daher, Partikel herzustellen, die nicht kugelsymmetrisch mit ihren Nachbarn wechselwirken. Dazu platzierten sie einen Kolloid-Kristall auf einer ebenen Oberfläche (Abb. 2). Durch Beschuss mit reaktiven Ionen reduzierten sie die Größe der Partikel der oberen Lagen gezielt und erweiterten die freien Flächen zwischen den Kolloiden.

Anschließend bedampften sie den Kristall mit Gold. Dabei gelangte ein kleiner Teil des Goldes durch die Lücken der oberen Schichten wie durch eine Maske bis auf die unteren Schichten. So ließen sich Beschichtungsmuster verschiedener Symmetrie und Größe im Nanometerbereich herstellen (s. Abb. 1). Zur Überraschung der Wissenschaftler lagerte sich aber auch in den tieferen Schichten auf der Unterseite der Partikel Gold an (Abb. 1 rechts).

Seit Jahren kennt die Chemie viele Methoden, um Gold gezielt in Reaktionen einzusetzen, zum Beispiel zum Anheften ganz bestimmter Moleküle. Daher erweitern die teilweise mit Gold belegten Partikel nun den Baukasten an "kolloidalen Atomen". Die Chemiker hoffen, damit in Zukunft "kolloidale Moleküle" aufbauen oder neuartige kolloidale Kristalle herstellen zu können. Für die Grundlagenforschung eröffnet sich hier ein interessantes Feld für das Studium der Dynamik bei komplexen Wechselwirkungen von Festkörpern und Molekülen. Und auch für die Farbenchemie ergeben sich neue Ausblicke: Neue, schillernde Farben, die sich zum Beispiel mit der Umgebungstemperatur oder der Luftfeuchtigkeit ändern, sind keine Utopie mehr. Langfristig am attraktivsten erscheint jedoch die Anwendung in der optischen Datenverarbeitung.

Originalveröffentlichung:

Gang Zhang, Dayang Wang, Helmuth Möhwald
Decoration of Microspheres with Gold Nanodots - Giving Colloidal Spheres Valences (p NA)
Angewandte Chemie, December 2, 47/2005

Dr. Andreas Trepte | Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen: www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Atom Molekül Partikel Schicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert
08.02.2012 | Max-Planck-Institut für medizinische Forschung

nachricht Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms
08.02.2012 | New York University

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Zwerggalaxie hat großen Hunger

08.02.2012 | Physik Astronomie

Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

»Jede Sekunde zählt« Erster Internationaler Kongress zu Rettungsdienstsystemen in Neu Delhi

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Bauwerke gebrauchstauglich halten

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft im Dialog-Veranstaltungen im Wissenschaftsjahr 2012

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp