Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellmigration: Cadherin-11 gibt den richtigen Halt

29.06.2016

Cadherine gehören zu der Proteinfamilie der Adhäsionsmoleküle. Sie sorgen wie der Zement zwischen den Ziegeln einer Hauswand dafür, dass Zellen zusammenhalten und verhindern, dass sie sich aus dem Zellverband lösen und auswandern. Cadherin-11 verhält sich jedoch insbesondere in Tumorzellen genau umgekehrt: Es löst eine Wanderbewegung aus. Im Fachmagazin Nature Communications erklären Experten vom KIT und der University of Massachusetts diesen Mechanismus.

„Cadherin-11 ist für uns deswegen so spannend, weil es in Prostata- und Brusttumoren und bei Arthritis hoch reguliert nachweisbar ist“, berichtet Jubin Kashef, Experte für Zell- und Entwicklungsbiologie. Die KIT-Wissenschaftler gingen der Frage nach, warum gerade dieses Cadherin Tumorzellen zum Wandern animiert.


Das Protein Cadherin-11 (grün) gibt den Zellen den notwendigen Halt für ihre Wanderung.

Bild: Kashef/KIT

Dazu untersuchten sie die Arbeitsweise von Cadherin-11 in Neuralleistenzellen, frühe embryonale Zellen mit hohen Migrationseigenschaften. In der frühen Embryonalentwicklung gibt es erstaunliche Parallelen zu Tumoren, so dass Embryonalzellen ein interessantes Modellsystem sind, um die Tumorentstehung zu untersuchen.

Denn das Verhalten ist von denselben Prinzipien geleitet, die einen Tumor ausmachen, wie zum Beispiel die Veränderung der Zellform oder etwa die Neigung zur Wanderung und das Eindringen in fremde Umgebungen.

Cadherin-11, haben die Wissenschaftler jetzt herausgefunden, kann nicht nur Zellen zusammenhalten sondern auch eine Brücke zum extrazellulären Raum bilden. In diesem Fall verbindet es sich mit dem Protein Syndecan-4. Dies ist deswegen entscheidend, weil Syndecan-4 ein Rezeptor des Substrat-Proteins Fibronektin ist, auf dem Zellverbünde wie auf einer Straße durch den Körper wandern können.

Cadherin-11 gibt den Zellen auf diesem „Fibronektin-Teppich“ den notwendigen Halt zum Wandern, aber nur in Verbindung mit Syndecan-4. „Diese Form von Zell-Substrat-Adhäsion können wir mit unseren Forschungen jetzt erstmalig nachweisen“, betont Kashef.

Der Zoologe und seine Forschungskollegen haben an Hand von embryonalen Zellen des Krallenfrosches und Zellkulturen nachgewiesen, dass die Zellmigration unterbrochen wird, wenn beide Proteine ausgeschaltet werden. „Wenn man den Mechanismus versteht, kann man ihn auch blockieren“, sagt Clemens Franz vom KIT, Experte für Nanostrukturen.

Damit öffnen sich nicht nur für ein genaueres biologisches Verständnis der Streuung von Tumoren neue Potenziale. Denkbar wäre auch, auf dieser Grundlage gezielt Peptide oder Antikörper zu entwickeln, welche die Wanderung von Zellen, die für die Metastasierung von Tumorzellen und stark entzündliche Erkrankungen wie Arthritis verantwortlich sind, unterbinden.

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, PKM – Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Frage der Dynamik
19.02.2018 | Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

nachricht Forscherteam deckt die entscheidende Rolle des Enzyms PP5 bei Herzinsuffizienz auf
19.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics