Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WWU-Forscher weisen erstmals Faktoren für die Entstehung von Lupus Erythematodes nach

11.05.2010
Manchmal bekämpft der Körper sich selbst: Bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus Erythematodes greifen Zellen des angeborenen Immunsystems andere Körperzellen an und lösen damit Entzündungen aus. Die genauen Ursachen dieser Krankheit, von der in Deutschland rund 40.000 Menschen betroffen sind, lagen bislang weitgehend im Dunkeln.

Wissenschaftler der Universität Münster (WWU) konnten nun erstmals einen molekularbiologischen Zusammenhang für die Entstehung des systemischen Lupus erythematodes (SLE) nachweisen. In „Nature Medicine“, einer der weltweit renommiertesten Fachzeitschriften, wurden ihre Forschungsergebnisse am 09. Mai 2010 veröffentlicht.

Charakteristisch für SLE ist eine schmetterlingsförmige Rötung der Gesichtshaut, das Erythem. Von der Erkrankung können jedoch auch die Gelenke sowie andere Körperorgane wie Herz, Lungen, Nieren und Hirn befallen werden (daher „systemisch“). Ein mögliches Multi-Organ-Versagen macht SLE besonders gefährlich. Zu den vermutlich rund 40.000 Patienten in Deutschland gehören vor allem junge Frauen im gebärfähigen Alter.

Die Arbeitsgruppen von Privatdozentin Dr. Karin Loser und Prof. Dr. Stefan Beissert von der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster sowie von Privatdozent Dr. Thomas Vogl und Prof. Dr. Johannes Roth vom Institut für Immunologie der Medizinischen Fakultät konnten nun erstmals eine direkte ursächliche Erklärung für die Erkrankung liefern: Sie wiesen eine Verbindung zwischen den Calcium-bindenden Proteinen MRP8 und MRP14 und T-Zellen – einer bestimmten Art von weißen Blutkörperchen – nach.

Mit Hilfe eines eigens dafür entwickelten Mausmodells und vergleichenden Untersuchungen an Patienten fanden die Forscher heraus, dass in entzündeter Haut von Mäusen und Patienten die genannten Proteine vermehrt gebildet werden. Sie docken an bestimmten Rezeptoren der T-Zellen an und bringen diese dazu, Interleukin-17 zu produzieren. Von diesem körpereigenen Botenstoff aus der Gruppe der Zytokine ist bekannt, dass er die Gewebezerstörung bei Autoimmunerkrankungen bewirkt.

Der Nachweis dieses Zusammenhangs könnte die Basis für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze sein – nicht nur zur Behandlung von SLE, sondern auch von verschiedenen anderen systemischen Autoimmunerkrankungen, denen der beschriebene Mechanismus ebenfalls zugrunde liegt. An dessen Erforschung waren außer den bereits genannten Wissenschaftlern auch Mitarbeiter der WWU-Institute für Molekulare Virologie sowie für Physiologische Chemie und Pathobiochemie beteiligt.

Ermöglicht wurde der Forschungserfolg auch durch spezielle Förderstrukturen: Alle Hauptautoren der Studie gehören dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) an, über das die Medizinische Fakultät der WWU seit 1996 Ressourcen bündelt und gezielt aussichtsreiche Projekte unterstützt. Mehrere Sonderforschungsbereiche, die sich jeweils mit Teilaspekten des Entzündungsgeschehens beschäftigen, haben bereits wesentliche Beiträge auf diesem Gebiet geliefert.

Literaturangabe:
Karin Loser, Thomas Vogl, Maik Voskort, Aloys Lueken, Verena Kupas, Wolfgang Nacken, Lars Klenner, Annegret Kuhn, Dirk Foell, Lydia Sorokin, Thomas A Luger, Johannes Roth und Stefan Beissert: “The toll-like receptor 4 ligands Mrp8 and Mrp14 play a critical role in the development of autoreactive CD8+ T cells”, in: Nature Medicine. http://dx.doi.org/10.1038/nm.2150

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1038/nm.2150
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.2150.html#/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an
26.07.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark
25.07.2017 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie