Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Wurmverwandschaften“ in Nature aufgeklärt

03.03.2011
Biologen der Uni Potsdam bestätigen mithilfe einer neuen Analysemethode eine 150 Jahre alte Theorie zur Evolution der Ringelwürmer

Evolutionsbiologen und Bioinformatiker der Universität Potsdam haben zusammen mit Kollegen weiterer Forschungseinrichtungen die strittigen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb des Stammes der Ringelwürmer (Annelida) aufgeklärt.

Den Durchbruch erzielten sie durch eine Kombination von umfangreichen genetischen Untersuchungen mit bio-mathematischen Analysen. Insbesondere konnten sie so nachweisen, dass die an Land lebenden Arten, wie beispielsweise der Regenwurm, nicht von frei beweglichen sondern von sesshaften Formen im Meer abstammen. Die Ergebnisse bestätigen eine vor 150 Jahren aufgestellte Theorie, die zwischenzeitlich als widerlegt galt. Sie erscheinen am 3. März 2011 im renommierten Fachmagazin Nature.

Ringelwürmer gehören zu den artenreichsten und am weitesten verbreiteten Gruppen im Tierreich. Sie spielen eine wichtige Rolle in den verschiedenen Ökosystemen, etwa als Bodenbelüfter wie der Wattwurm und der Regenwurm. Darüber hinaus dienen sie als Anzeiger für die Qualität von Gewässern, wie der Wurm Tubifex, und werden sogar in der Medizin angewendet, beispielsweise Blutegel.

Die Verwandtschaftsverhältnisse dieses Tier-Stammes versuchen Biologen seit 150 Jahren aufzuklären. Lange ging man davon aus, dass sich die landbewohnenden Gürtelwürmer (z. B. Regenwurm und Blutegel) sehr früh in der Evolution von den im Meer lebenden Borstenwürmern abgespalten haben. Die Borstenwürmer gliederte man damals in zwei Hauptgruppen: Zu den Errantia zählten die frei beweglichen marinen Borstenwürmer. Die zweite Gruppe, die Sedentaria, umfasste die marinen sesshaften, also nicht frei beweglichen Borstenwürmer. Aufgrund von Untersuchungen körperlicher Merkmale wurde diese Theorie in den 1980er Jahren wieder verworfen. Jedoch waren die verwandtschaftlichen Beziehungen der Ringelwürmer weiterhin strittig. Ein großes Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft, an dem neben der Universität Potsdam auch die Universitäten Osnabrück, Mainz und Leipzig sowie das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin beteiligt sind, sollte mehr als 100 Jahre alte Frage endgültig klären. Die Arbeiten, an denen die Potsdamer Zoologen Christoph Bleidorn (jetzt Uni Leipzig) und Ralph Tiedemann maßgeblich mitgewirkt haben, konnten nun den wesentlichen Beitrag dazu liefern.

Die Forscher extrahierten für ihre Untersuchungen die so genannte mRNA von verschiedenen Ringelwurm-Arten. Die mRNA ist ein Zwischenprodukt auf dem Weg von der genetischen Information zu Aminosäuren bzw. den daraus zusammengesetzten Eiweißen. Insgesamt verglichen sie bei 34 Arten die entsprechenden Sequenzen von rund 50.000 Aminosäuren. Die Auswertung der enormen Datenmenge war nur mithilfe von speziell entwickelten Computerprogrammen möglich. Ihre Ergebnisse rehabilitieren im Wesentlichen die alte Theorie mit ihrer Einteilung in die Hauptgruppen Errantia und Sedentaria. Zudem belegen sie, dass die landlebenden Ringelwürmer von sesshaften Meeres-Ringelwürmer abstammen. Darüber hinaus konnte einige Arten, deren Einordnung fraglich war, nun eindeutig ihre Position innerhalb der Ringelwurm-Verwandtschaft zugewiesen werden.

Kontakt: Prof. Dr. Ralph Tiedemann, Institut für Biochemie und Biologie, Telefon: 0331/977-5249, E-Mail: tiedeman@uni-potsdam.de

Sylvia Prietz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise