Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Anstandsdamen bei der Reifung von Proteinen helfen

06.02.2015

Genetiker/innen aus Köln und München erforschen, wie sich Proteasomen bilden

Proteasomen sind Proteine, die für den Abbau von alten oder beschädigten Proteinen in menschlichen Zellen zuständig sind. Damit spielen sie eine große Rolle bei der Erforschung der Ursachen von Krebs und anderer Krankheiten.

Ein Team aus Kölner und Münchner Genetiker/innen konnte nun erforschen, wie sich die Teilstrukturen des Proteasoms bei ihrer Entstehung zusammenlagern und dabei verändern, und welche Rolle Assemblierungshelfer-Proteine (sogenannte Chaperone von engl. „Anstandsdame“) dabei spielen.

Die Studie “Proteasome assembly from 15S precursors involves major conformational changes and recycling of the Pba1–Pba2 chaperone” ist als Artikel in Nature Communications erschienen.

Das Proteasom ist eine in allen eukaryotischen Zellen, also Zellen mit Zellkern und somit auch in allen menschlichen Zellen, vorkommende und essentielle sogenannte Protease, die für den Abbau defekter, abnormer oder nicht mehr benötigter Proteine zuständig ist.

Das Proteasom hat sich in der letzten Zeit als eine wichtige Zielstruktur in der Therapie (drug target) bestimmter Krebserkrankungen etabliert. Außerdem hat es wegen seiner Funktionen bei der Beseitigung defekter Proteine eine wichtige Funktion, indem es der Zellalterung entgegen wirkt.

Komplexe Proteine wie die Proteasomen, die aus vielen Untereinheiten zusammengesetzt werden müssen, benötigen bei ihrer Assemblierung Helferproteine, sogenannte Chaperone. Diese binden an Untereinheiten und steuern die Reihenfolge der Aufbau- und Reifungsschritte.

Das Team von Genetiker/innen aus Köln und München erforschte das Proteasom der Bäckerhefe als Modellsystem, das strukturell dem menschlichen Proteasom sehr ähnlich ist. Dabei untersuchten sie den Entstehungsweg des Proteasoms mit Hilfe elektronenmikroskopischer (EM) Strukturanalysen. D

ie Kölner Genetiker/innen konnten im Zuge der Forschungen ein Verfahren entwickeln, das die Aufreinigung von Assemblierungsintermediaten des Proteasoms in ausreichenden Mengen ermöglichte, die dann von den Kollegen, insbesondere dem Doktoranden Malte Kock im Labor von Dr. Wendler in München für EM-Untersuchungen eingesetzt werden konnten.

Die Untersuchungen zeigten, wie Konformationsänderungen im Verlaufe der Assemblierung der Intermediate zum Ablösen eines dann nicht mehr benötigten Helferproteins führen, das dann wie ein Werkzeug für einen neuen Assemblierungsvorgang wieder zur Verfügung steht.

Die Studie wurde von den Kölner Genetiker/innen in Köln initiiert und in Zusammenarbeit mit den Laboren von Dr. Petra Wendler und Dr. Franz Herzog vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt. Mit dabei in Köln im Labor von Prof. Dr. Jürgen Dohmen war die Doktorandin Maria Nunes, (zusammen mit Malte Kock gleichberechtigte Hauptautorin der Arbeit), und Frau Dr. Paula C. Ramos, die zusammen mit Dr. Wendler korrespondiere Autorin ist.

Die Arbeit von Dr. Paula C. Ramos wurde durch die Wiedereinstiegsförderungen des Zukunftskonzepts der Universität zu Köln ermöglicht und unterstützt.

Artikel: www.nature.com/ncomms/2015/150122/ncomms7123/full/ncomms7123.html 

Bei Rückfragen: Professor Dr. Jürgen Dohmen
Email: j.dohmen@uni-koeln.de
Phone: +49-221-4704862

Gabriele Rutzen | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Polymere aus Bor produzieren
18.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Modularer Genverstärker fördert Leukämien und steuert Wirksamkeit von Chemotherapie
18.01.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten