Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit einzigartiges Zentrum für Infektionsforschung

04.09.2013
Deutschland bekommt ein weltweit einzigartiges Zentrum zur Erforschung von Krankheitserregern: Neun Forschungseinrichtungen errichten auf dem DESY-Campus in Hamburg das Zentrum für strukturelle Systembiologie CSSB.

Von 2016 an sollen dort insbesondere Viren, Bakterien und Parasiten auf molekularer Ebene durchleuchtet werden, um ihre Angriffsmechanismen zu enträtseln und maßgeschneiderte Medikamente dagegen entwerfen zu können.


So wird das Gebäude des Zentrums für Strukturelle Systembiologie CSSB einmal aussehen. Bild: hammeskrause Architekten


Ein Malariaparasit beim Entern einer Zelle.
Bild: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Zum ersten Spatenstich für den 50 Millionen Euro teuren Forschungsneubau sind am Mittwoch Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka und die Hamburger Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt zu DESY nach Hamburg-Bahrenfeld gekommen.

Der Bund übernimmt 73 Prozent der Investitionskosten, Hamburg 17 Prozent und Niedersachsen 10 Prozent. „Die Bedeutung der Infektionsforschung nimmt in unserer globalisierten Lebenswelt stetig zu, sei es durch Reisen oder den intensiven Warenaustausch.

Bakterien und Viren haben heute viel mehr und schnellere Kontakt- und Verbreitungsmöglichkeiten. Nur wenn wir lernen, wie diese Krankheitserreger funktionieren, können wir uns effektiv vor ihnen schützen. Mit dem Neubau schaffen wir dafür beste Forschungsbedingungen“, sagt Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka.

„Mit dem CSSB entsteht hier in Hamburg ein interdisziplinäres Forschungszentrum von internationaler Ausstrahlung. Unter seinem Dach werden künftig elf Forschungsgruppen den Ursachen von Infektionskrankheiten auf den Grund gehen und fundamentale Prozesse der Zellbiologie auf molekularer Ebene aufklären“, erläutert der Vorsitzende des DESY-Direktoriums, Prof. Helmut Dosch.

„Der direkte Zugang zu DESYs einzigartigen Quellen für hochintensives Röntgenlicht, PETRA III und FLASH, sowie dem europäischen Röntgenlaser European XFEL, der ebenfalls 2016 in Betrieb geht, bietet dem Zentrum fantastische Möglichkeiten.“

„Das CSSB wird die Infektionsbiologie einen entscheidenden Schritt voranbringen“, betont der Vorsitzende der CSSB-Task Force, Prof. Chris Meier von der Universität Hamburg. So soll dort etwa das Zusammenspiel von Proteinen bei medizinisch relevanten Infektionen durch Viren, Bakterien oder Parasiten entschlüsselt werden. „Wie entert beispielsweise der Malariaparasit die roten Blutkörperchen?“, beschreibt Meier eine typische Fragestellung. „Dies ist ein extrem komplexer Vorgang, an dem nicht nur ein einzelnes, sondern eine Vielzahl von Proteinen beteiligt ist, und bei dem noch viele grundlegende Fragen zu klären sind.“ Für die Untersuchung dieser Fragen seien die Forschungslichtquellen bei DESY ideal.

„Diese vielseitige Kombination von Untersuchungsmethoden findet sich nirgendwo sonst auf der Welt. Sie werden das CSSB zu einem Leuchtturm der Forschung machen“, unterstreicht Meier. Dazu kommt die Nähe von Einrichtungen wie dem Center for Free-Electron Laser Science (CFEL) und dem Hamburger Centre for Ultrafast Imaging (CUI), die eng mit dem CSSB verzahnt werden.

„Das CSSB wird auf der Grundlage neuester Strahlungsquellen eine Brücke schlagen zwischen physikalischer Grundlagenforschung, wie sie DESY und die Universität Hamburg schon seit 1959 gemeinsam betreiben, und der Grundlagenforschung in den Lebenswissenschaften“, sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt.

„Infektions- und Immunitätsforschung sind hochaktuelle Aspekte der Lebenswissenschaften. Das Signal ist klar: Wir wollen Hamburg und den Forschungscampus Bahrenfeld weiter als internationales Zentrum für Strukturforschung etablieren. Dazu schaffen wir Räume für Forschung und Lehre und sorgen dafür, dass die geistige Nähe der beteiligten Forschungsinstitutionen eine räumliche Entsprechung findet. Mein Dank gilt allen Partnern dieses bemerkenswerten Projekts.“

„Die bereits bestehende exzellente infrastrukturelle Ausstattung von DESY wird mit der Erweiterung durch das CSSB eine einmalige Möglichkeit bieten, führende Forschungsfelder in Norddeutschland zusammenzubringen. Die Struktur- und Systembiologie sowie die Infektionsforschung in Norddeutschland werden von dem Zugang zu den modernsten Strahlenquellen profitieren“, sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Kljajiã. „Ich erwarte von der engen Zusammenarbeit norddeutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue interdisziplinäre Ansätze bei der Bekämpfung der durch Infektionen verursachten Volkskrankheiten. Deshalb hat sich auch das Land Niedersachsen finanziell am CSSB beteiligt.“

Für das CSSB haben sich die Universität Hamburg, das Bernhard-Nocht- und das Heinrich-Pette-Institut, die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, das Forschungszentrum Jülich, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie, die Medizinische Hochschule Hannover und DESY zusammengetan.

Das von hammeskrause-Architekten entworfene dreigeschossige CSSB-Labor- und Bürogebäude wird auf etwa 13 000 Quadratmetern Platz für 180 Wissenschaftler bieten. Die insgesamt rund 2 800 Quadratmeter großen Labore werden mit modernsten Geräten wie beispielsweise Kryo-Elektronenmikroskopen ausgestattet. Bis zu einem Drittel der Fläche des CSSB wird für Juniorforschergruppen und Gastforscher reserviert. Derzeit beteiligt sich bereits eine Forschergruppe aus Schweden im Rahmen des Röntgen-Ångstrom-Clusters.

Dr. Thomas Zoufal | idw
Weitere Informationen:
http://www.desy.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie