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Wie der Walnussbaum das Ruhrgebiet erobert

14.04.2011
Der Boom der wilden Walnuss
RUB-Geograph sucht Erklärung für massenhafte Verbreitung

Bis zum Jahr 2002 war in Bochum nur ein einziger wilder Walnussbaum bekannt, in einem Wald an der Ruhr im Stadtteil Stiepel. Heute sind es unzählige – die Walnuss boomt.

Wieso, das untersucht Ingo Hetzel vom Geographischen Institut der Ruhr-Universität. Detektivisch durchkämmte er die Wälder eines Nord-Süd-Schnittes des Ruhrgebiets, wertete Klimadaten, Sonneneinfall, Bodenwerte aus, befragte Gartenbesitzer. Und musste in den Kreis der Hauptverdächtigen die Eichhörnchen aufnehmen. Über seine Studie berichtet die aktuelle Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum.

Wälder detektivisch durchkämmt

Von Herten über Recklinghausen und Herne bis nach Bochum erstreckt sich das Untersuchungsgebiet von Ingo Hetzel. In fast jedem Wald wachsen hier Walnussbäume, doch keiner ist älter als acht Jahre. Ab 2007 gibt es einen regelrechten Boom, der Forschern Rätsel aufgibt. Ingo Hetzel verzeichnete alle gefundenen Walnussbäume, vermaß und fotografierte 520 von ihnen. Er maß den Lichteinfall mit einem „Sonnenschein-Sensor“, analysierte die Umgebung, nahm Bodenproben und analysiert deren Nährstoffgehalt. Eine Auswertung der Klimadaten für Bochum seit Anfang des 20. Jahrhunderts ergab einen ersten Anhaltspunkt: Seit 1999 lässt sich eine sprunghafte Erwärmung nachweisen, mit mehr warmen und weniger Frosttagen. „Die Walnuss ist schon lange in Gegenden mit mildem Weinbauklima beheimatet. Sie mag keinen Frost, vor allem keinen Spätfrost, weil er die schon angelegten Blüten schädigt, die nicht mehr neu gebildet werden können“, erklärt Ingo Hetzel. Die Wärme dürfte der Vermehrung der Bäume also zugutegekommen sein.

Sind die Eichhörnchen schuld?

Als alleinige Erklärung kann das Klima aber nicht dienen. Denn auch nach dem harten und langen Winter 2009/10 gab es wieder reichlich Walnuss-Nachwuchs in den Wäldern. Der Geograph forschte weiter. Zu fast jedem wilden Walnussbaum fand er einen „Mutterbaum“, der in einem Garten steht, und kam auf die Idee, die jeweiligen Besitzer zu befragen. Vielleicht tragen die Bäume erst seit kurzem Nüsse? Vielleicht wurden vermehrt Bäume gepflanzt? Die Interviews gaben dazu keine Anhaltspunkte, aber dennoch ein weiteres Indiz: Viele Gartenbesitzer waren gar nicht überrascht, dass sich die Walnuss so munter fortpflanzt. „Ist doch klar – es gibt ja auch viel mehr Eichhörnchen!“, hieß es oft. Die Nüsse sind für Eichhörnchen ein willkommenes Nahrungsmittel, das sie für den Winter verstecken, dann aber oft vergessen. Je mehr Eichhörnchen, desto mehr Aussaat, könnte man vermuten. Da leider niemand wissenschaftlich über Eichhörnchen forscht, konnte Ingo Hetzel diese Spur nicht weiter verfolgen. Nun erwartet er mit Spannung die Ergebnisse der laufenden Auswertungen seiner Bodenproben.

Themen in RUBIN

In der aktuellen Ausgabe von RUBIN finden Sie darüber hinaus folgende Themen: Antibiotika aus der anorganischen Molekülküche; Besser hören dank Algorithmen, Mit Druckluft Wind zwischenspeichern; Die Gedanken der Anderen; Kleine Strategen; Auf Augenhöhe mit Familie Aksoy; Scharfe Sicht auf Probe; Virus-Exporteur mit besonderen Aufgaben; Rein ins Nervensystem und von innen aufmischen; Leben hinter der Leitplanke. Rubin ist in der Pressestelle der Ruhr-Universität erhältlich (Tel. 0234/32-22830, rubin@presse.rub.de) und steht im Internet unter: http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Dipl.-Geogr. Ingo Hetzel, Geographisches Institut der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23378, E-Mail: i.hetzel@gmx.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin-fruehjahr-11/beitraege/beitrag9.html

Weitere Berichte zu: Bodenprobe Eichhörnchen Klimadaten Nüsse Walnuss Walnussbaum Walnussbäume

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