Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vitamin D-Mangel in Deutschland oft überbewertet

08.02.2011
In den dunklen Wintermonaten produziert die Haut mangels Sonnenlicht weniger Vitamin D. Dieses Vitamin, auch Calciferol genannt, ist ein Prohormon, eine Vorstufe für das aktive Hormon Calcitriol. Ein ausgeprägter Mangel führt bei Kindern zur Knochenverbiegung, Rachitis, bei Erwachsenen zur Knochenerweichung, der so genannten Osteomalazie. Zuwenig Vitamin D kann aber auch zur Osteoporose beitragen.

Gefährliche Mangelerscheinungen sind in Deutschland jedoch selten, so die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie(DGE). Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ist nach Einschätzung der DGE nur in ärztlich begründeten Fällen notwendig. Eine Überversorgung berge zudem Gesundheitsrisiken.

Vitamin D entsteht in der Haut unter Mitwirkung von ultraviolettem Licht. Im Winter ist die UV-Strahlung der Sonne schwach und es wird weniger Vitamin D produziert. Bei den meisten Menschen sinken deshalb innerhalb dieser Jahreszeit diese Blutwerte. „Ausgeprägte Mangelzustände, die bei einem Abfall der Werte auf unter etwa 10 Nanogramm pro Milliliter Blut auftreten können, sind aber sehr selten”, versichert Professor Schatz. Die meisten Menschen hätten auch im Winter nur unbedenklich, niedrigere Vitamin D-Spiegel.

Etwa 80 Prozent des benötigten Vitamin D bildet der Körper selbst. Den Rest decken Nahrungsmittel wie Fisch, Eier und Milch ab. Das Prohormon Vitamin D spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Kalzium-Spiegels im Blut und beim Knochenaufbau. Entgegen bisherigen Annahmen weist die Veröffentlichung des amerikanischen Institute of Medicine (IOM) von Januar 2011 darauf hin, dass für die Knochengesundheit eine Vitamin D-Konzentration von 20 ng/ml für 97,5 Prozent der Bevölkerung völlig ausreichend ist. „Nahrungsergänzungsmittel und Vitamin D-Zusätze zu Lebensmitteln sind aus medizinischer Sicht nur dann sinnvoll, wenn weitere Risikofaktoren für eine Osteoporose vorliegen – beispielsweise bei älteren Menschen, zumal diese meist auch sturzgefährdet sind, oder bei verminderter Knochendichte“, ergänzt Professor Schatz. Bei Säuglingen könne dadurch auch einer Rachitis vorgebeugt werden. Die Osteoporosegefährdung lässt sich aus mehreren Faktoren einschließlich der Knochendichte berechnen. Bei schon bestehender Osteoporose ist jedoch eine richtig dosierte Vitamin D-Zufuhr in jedem Fall eine wichtige Therapiemaßnahme. Gemäß den Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO) aus dem Jahr 2009 sind 800 bis 2000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D pro Tag, zusammen mit 1000 mg Kalzium, ausreichend. Eine fälschlich zu hoch dosierte Vitamin D-Zufuhr könne laut DGE sogar schädlich sein: Es kann dann zu Erhöhungen des Kalziums im Blut mit Harnflut, Durst, Nierenverkalkungen, Übelkeit und Erbrechen kommen.

Dass ein Vitamin D-Mangel auch Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Immunerkrankungen oder Krebs begünstigt, ist bislang noch nicht erwiesen. Hierfür gibt es lediglich Hinweise aus tierexperimentellen, epidemiologischen und Observationsstudien. „Die Ergebnisse von Interventionsstudien bei Menschen liefern bisher keine Beweise für derartige `extraossäre´ Wirkungen von Vitamin D. Eine Vitamin D-Gabe ist daher bei diesen Erkrankungen nicht gerechtfertigt“, so Schatz. Der Experte empfiehlt, sich stattdessen – auch in der „dunklen Jahreszeit“ – täglich mindestens eine halbe Stunde ins Freie zu begeben, insbesondere an sonnigen Wintertagen. Vom Besuch eines Solariums als Ersatz dafür rät er hingegen ab: Die Nachteile durch das Hautkrebsrisiko seien größer als der Nutzen einer zusätzlichen Vitamin D-Produktion. Zudem arbeiten die meisten Solarien mittlerweile größtenteils mit dem bräunenden UV-A-Licht. Für die Bildung des Vitamins D sind jedoch die UV-B-Strahlen erforderlich. Und überdies reichen die Sommermonate ohnedies aus, um die Vitamin D-Speicher zu füllen.

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen und dem Stoffwechsel sowie den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von den endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ sezerniert, das heißt nach innen in das strömende Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben die „exokrinen“ Drüsen, wie beispielsweise die Speicheldrüsen, ihre Sekrete nach außen ab, diese in den Verdauungstrakt.

Quellen:
Clifford J. Rosen, M.D., Vitamin D Insufficiency, N Engl J Med 2011; 364:248-54.
Ross et al., IOM Report on Calcium and Vitamin D Requirements, J Clin Endocrinol Metab, January 2011, 96 (1).

| idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Berichte zu: Drüsen Hormon IOM Kalzium Knochendichte Osteoporose Prohormon Rachitis Vitamin D

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie