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Viele Tierversuche sind überflüssig

16.06.2009
An der Hochschule Esslingen wird an einer Idee geforscht, die eine Alternative zu zahlreichen Tierversuchen werden soll. Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. rer. nat. Bettina Weiß hat dazu einen Forschungsauftrag erhalten.

Viele Tierversuche sind völlig überflüssig. Das meint Prof. Bettina Weiß von der Hochschule Esslingen. Vor allem in der Kosmetik-Industrie könne auf effektive Alternativen zurückgegriffen werden, erklärt die Biologin, die an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften in Esslingen an genau diesen Möglichkeiten forscht.

Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe entwickelt Sie in ihrem Labor für Zellkulturtechnik neue Ersatzmethoden für heute gängige Tierversuche, die heute in der Industrie an der Tagesordnung sind. Zwölf Monate lang wird mit finanzieller Unterstützung der Landesstiftung getestet. Es ist nicht nur die Öffentlichkeit, die von Unternehmen immer mehr fordert, auf Tierversuche zu verzichten.

Der Gesetzgeber sieht vor, dass bereits in wenigen Jahren ein Großteil der Versuche reduziert wird. "In den vergangenen Jahren haben sich bereits einfache Zellkultursysteme durchgesetzt, mit denen an einzelnen Zellen die Cytotoxizität und die Bioverfügbarkeit von pharmakologischen Substanzen gemessen werden können", erklärt Prof. Bettina Weiß. Das bedeutet, dass man bereits in einigen Bereichen auf echte Alternativen zurückgreifen kann und hier die Zellen beobachten kann, wie sie mit einzelnen Stoffen reagieren. In einer Vorstudie soll an der Hochschule Esslingen ein so genanntes Cokulturmodell entwickelt werden.

In speziellen Kunststoff-Membran-Einsätzen werden Lungenepithelzellen kultiviert, bis sie eine Barriere-Funktion aufgebaut haben, die vergleichbar zu unserem Lungenepithel ist. "Mit einem Widerstandsmessgerät kann die Dichtigkeit des Epithels gemessen und geprüft werden, bevor die zu untersuchenden Proben aufgetragen werden können", sagt Prof. Bettina Weiß. Über die Filtermembran stehen die Lungenepithelzellen im Austausch mit immunologischen Zellen. Neben den Transportuntersuchungen über die Barriere können damit zusätzliche Einflüsse und Wechselwirkungen mit Zellen des Immunsystems untersucht werden. Vereinfacht gesagt: Ein Teil der Zellen wird dabei in einer Versuchsanordnung mit den zu testenden Stoffen aus der Medizin oder dem Kosmetikbereich zusammengebracht. Dann wird die Reaktion der Zellen beobachtet, wie sie eben auf diesen neuen Stoff reagieren.

So können die Experten entsprechende Analysen machen, die Tierversuche ersparen können. Freilich: Ganz verzichten könne man, vor allem in der Pharmaindustrie, auf Tierversuche nicht. Aber die neuen Alternativen, die in Esslingen erforscht werden, stellen zumindest bis zu einem bestimmten Fortgang der Entwicklungen eines neuen Präparats oder Kosmetika in den einschlägigen Firmen eine Möglichkeit dar, die auch Tierschützern gefällt. Geplant sind von Prof. Bettina Weiß im aktuellen Forschungsprojekt insbesondere Untersuchungen zu Medikamenten, die inhaliert werden und zu pulvrigen oder löslichen Substanzen, die giftige oder allergene Auswirkungen auf Lungen und Bronchien haben können.

Cornelia Mack | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-esslingen.de

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