Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verhaltensstudie über Spinnen: Aufwachsen unter Geschwistern erhöht Überlebenswahrscheinlichkeit

11.02.2014
Wissenschaftlerinnen der Universität Hamburg und der Macquarie University in Australien haben herausgefunden, dass eine enge Verwandtschaft bei Jungspinnen zu einer Verminderung von Konflikten führt und dadurch die Überlebenswahrscheinlichkeit von Geschwistern höher ist als die von nicht mit einander verwandten Nachkommen.

Spinnen sind ein wichtiger Faktor innerhalb ihrer Ökosysteme. Ihre Verhaltensweisen und Überlebensstrategien zu kennen, ist daher von großem Interesse. Während die meisten Spinnen aggressive Einzelgänger sind, leben einige wenige Arten in sozialen Gruppen, in denen sich die Weibchen um ihre Nachkommen kümmern.


Jungspinnen der gruppenlebenden Krabbenspinne Diaea ergandros fressen gemeinsam an einer Fliege, aufgenommen im Labor.

Foto: Jasmin Ruch

In der Regel sind die Mitglieder dieser Spinnengruppen miteinander verwandt, doch bei manchen Arten, wie z. B. der australischen Krabbenspinne, versorgen die Weibchen nicht nur ihre eigenen Nachkommen, sondern sogar einwandernde Jungspinnen aus benachbarten Nestern. Wissenschaftlerinnen der Universität Hamburg und der Macquarie University in Australien haben nun herausgefunden, dass eine enge Verwandtschaft zu einer Verminderung von Konflikten führt und dadurch die Überlebenswahrscheinlichkeit von Geschwistern höher ist als die von nicht mit einander verwandten Jungspinnen.

Die Wissenschaftlerinnen wollten zum einen wissen, ob durch die einwandernden Jungspinnen die Gruppendynamik zwischen den Weibchen und den Nachkommen beeinflusst wird. Und zum anderen, ob entstehende Konflikte eher zwischen Weibchen und Nachkommen oder eher innerhalb der Nachkommenschaft ausgetragen werden.

Um diese Fragen zu beantworten, veränderten die Forscherinnen in einem Experiment gezielt das Verhältnis zwischen Weibchen und eigenen bzw. fremden Nachkommen, d. h. aus Sicht der Mutter-Spinne wurde schrittweise der Anteil der fremden Nachkommen erhöht. Gleichzeitig wurden aus der Perspektive der Nachkommen die Verwandtschaftsverhältnisse verändert, sodass vier verschiedene Gruppenzusammensetzungen verglichen werden konnten: a) Mutter mit 100 % eigenen Nachkommen b) Mutter mit 66 % Anteil an eigenen Nachkommen und 33 % fremden, c) Mutter mit 33 % eigenen Nachkommen und 66 % fremden, d) Mutter mit 100 % fremden, aber untereinander verwandten Nachkommen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Geschwistergruppen tatsächlich besser wuchsen als gemischte Gruppen aus miteinander verwandten und fremden Jungspinnen – und zwar unabhängig davon, ob sie von der eigenen oder einer Ziehmutter versorgt wurden. Konflikte werden also eher innerhalb der Nachkommenschaft ausgetragen als zwischen Mutter-Spinne und Nachwuchs. Dabei sind Geschwister gegenüber nicht mit einander verwandten Jungspinnen klar im Vorteil: Die enge Verwandtschaft von Geschwistern führt zu einer Verminderung von Konflikten und erhöht dadurch ihre Überlebenswahrscheinlichkeit.

Dennoch spielen die Weibchen eine wichtige Rolle. Auch wenn sie keine Nachkommen gezielt bevorzugten, konnten sie entweder mehr Nahrung oder weniger Nahrung für sich selbst beanspruchen: Weibchen mit einer gemischten Nachkommenschaft nahmen im Laufe des Experiments an Masse zu, was darauf hinweist, dass sie mehr Nahrung für sich behielten.

Entgegen der Erwartung der Wissenschaftlerinnen teilten Weibchen die Nahrung auch mit nicht-verwandten Nachkommen, solange die Nachkommen untereinander verwandt waren. Dazu die Biologin Jasmin Ruch, die das Experiment im Rahmen des Joint PhD Programms der Universität Hamburg und der Macquarie Universität durchgeführt hat:

„In diesem Verhalten sehen wir Hinweise darauf, dass die Gruppendynamik bzw. die Konfliktdichte der Nachkommenschaft als ein Signal für die Weibchen dienen könnte, anhand dessen sie entscheiden, ob sie mehr in das Füttern der Nachkommen oder mehr in die eigene Nahrungsaufnahme investieren – unabhängig davon, ob es eigene oder fremde Nachkommen sind.“

Ausführliche Informationen und Ergebnisse der Studie in dem kürzlich erschienen Artikel:

Jasmin Ruch, Marie E. Herberstein, and Jutta M. Schneider: Offspring dynamics affect food provisioning, growth and mortality in a brood-caring spider. Proceedings of the Royal Society – B Series

http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1779/20132180.full

Für Rückfragen und Fotomaterial:

Prof. Dr. Jutta Schneider
Fachbereich Biologie
Biozentrum Grindel und Zoologisches Museum/ Zoologisches Institut
Tel.: 040 42838-3878
E-Mail: js@gilgamesh.de
Jasmin Ruch
Fachbereich Biologie
Biozentrum Grindel und Zoologisches Museum/ Zoologisches Institut
Tel.: 040 42838-3673
E-Mail: jasmin.ruch@gmx.de
Weitere Informationen:
http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1779/20132180.full - Jasmin Ruch, Marie E. Herberstein, and Jutta M. Schneider: Offspring dynamics affect food provisioning, growth and mortality in a brood-caring spider.

Birgit Kruse | EurekAlert!
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen
27.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie