Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Veränderung der Landnutzung fördert die biologische Vielfalt

27.12.2013
Wird Grünland intensiv genutzt, nimmt die Biodiversität ab. Besonders betroffen sind dabei seltene Arten, wie eine neue Studie unter der Leitung von Berner Pflanzenwissenschaftlern zeigt. Solche negativen Auswirkungen könnten reduziert werden, wenn Landwirte die Intensität ihrer Bewirtschaftung in verschiedenen Jahren variieren würden.

Weltweit wird die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung als die grösste Bedrohung für die Artenvielfalt erachtet. Frühere Studien über die Auswirkungen der Landnutzungsintensität auf die Biodiversität beschränkten sich nur auf einzelne oder kleine Gruppen von Organismen.



Die Effekte unterschiedlicher Nutzungen auf einzelne Arten können jedoch sehr unterschiedlich sein. Dies bedeutet, dass die Auswirkungen von Landnutzung auf die biologische Vielfalt oft nicht klar sind.

Eine in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Studie, die von den Berner Professoren Eric Allan und Markus Fischer geleitet wurde, zeigt nun, dass Landwirte durch Änderungen der Bewirtschaftungsintensität über die Zeit zum Schutz der biologischen Vielfalt im Grünland beitragen können. Diese Änderungen können einige der negativen Auswirkungen der intensiven Landnutzung reduzieren, insbesondere für seltene Arten.

Neuer Index charakterisiert Biodiversität eines Ökosystems

Ein Team von 58 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Schweiz und Deutschland erstellte einen einzigartig umfassenden Datensatz über die Biodiversität von 49 Organismengruppen, von Bakterien bis zu Vögeln. Die Forschenden verwendeten Daten von Untersuchungsflächen, die sie in 150 unterschiedlich genutzten Grünlandflächen in drei Regionen in Deutschland, den sogenannten Biodiversitäts-Exploratorien, eingerichtet hatten.

Die Landnutzung der Flächen variierte von extensiver Beweidung bis zu intensiver Mahd oder Beweidung mit hohem Düngereinsatz. Aus diesen Daten erstellten die Forschenden einen neuen «Multidiversitäts-Index», womit die gesamte Biodiversität eines Ökosystems charakterisiert werden kann.

«Die Studie zeigte, dass die biologische Vielfalt mit zunehmender Landnutzungsintensität sehr stark abnahm und dass seltenere Arten besonders stark beeinträchtigt wurden», erklärt Eric Allan vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern. Die Vielfalt von Pflanzen, Heuschrecken und Schmetterlingen sei insgesamt am stärksten durch eine intensive Landnutzung gesunken.

Die Ergebnisse unterstreichen laut Eric Allan die ausserordentliche Bedeutung von extensiv bewirtschaftetem Grünland für den Naturschutz: «Dieser neue Index bietet ein einziges Mass der gesamten Biodiversität eines Ökosystems und sollte es in Zukunft einfacher machen, die Auswirkungen von Naturschutz-Massnahmen oder Renaturierungs-Bemühungen auf die biologische Vielfalt zu beurteilen.»

Variation der Nutzungsintensität als neue Strategie

Interessanterweise fanden die Wissenschaftler eine viel höhere Artenvielfalt auf Flächen, bei denen die Landnutzungsintensität in den letzten Jahren variiert wurde als in Flächen mit gleichbleibender Landnutzungsintensität. «Dies deutet darauf hin, dass eine Variation der Bewirtschaftungsintensität über die Zeit eine neue Strategie sein könnte, die biologische Vielfalt von Grünländern zu erhalten, zum Beispiel durch die Änderung der Anzahl von Weidetieren oder der Mahd-Häufigkeit zwischen den Jahren», so Markus Fischer

Die in der Studie untersuchten seltenen Arten profitierten besonders von Landnutzungsänderungen über die Zeit: Bei mittlerer Landnutzungsintensität war die Vielfalt solcher seltenen Arten fast doppelt so hoch, wenn die Landnutzungsintensität zwischen den Jahren variiert wurde.

«Dieses Ergebnis zeigt, dass die Landwirte bereits zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen könnten, wenn sie einfach die Intensität der Landnutzung zwischen den Jahren variieren würden, solange die mittlere Intensität der Landnutzung nicht zu hoch wird», sagt Eric Allan.

Angaben zur Publikation

Allan E, Bossdorf O, Dormann CF, Prati D, Gossner M, Blüthgen N, Barto K, Bellach M, Birkhofer K, Boch S, Böhm S, Börschig C, Chatzinotas A, Christ S, Daniel R, Diekoetter T, Fischer C, Friedl T, Glaser K, Hallman C, Hodaĉ L, Hölzel N, Jung K, Klein AM, Klaus V, Kleinebecker T, Krauss J, Lange M, Müller J, Nacke H, Pašaliæ E, Rillig M, Rothenwöhrer C, Schall P, Scherber C, Schulze W, Socher S, Steckel J, Steffan-Dewenter I, Türke M, Tscharntke T, Weiner C, Werner M, Westphal C, Wolters V, Wubet T, Gockel S, Gorke M, Hemp A, Renner SC, Schöning I, Pfeiffer S, König-Ries B, Buscot F, Linsenmair KE, Schulze ED, Weisser WW, Fischer M: Interannual variation in land-use intensity enhances grassland multidiversity, PNAS, in press, doi: 10.1073/pnas.1312213111.

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten