Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überlebender der Eiszeit

10.04.2013
Der Grönlandwal profitierte vor etwa 20.000 Jahren von der Erderwärmung – und ist vom neuen Klimawandel bedroht

Der Klimawandel nach der letzten Eiszeit vor circa 20.000 Jahren bedeutete für viele arktische Tierarten den Verlust großer Teile ihres Lebensraums. Die Bestände von Polarfüchsen, Moschusochsen oder Lemmingen gingen stark zurück und Arten wie das Wollhaarmammut und der Höhlenlöwe starben aus.


Grönlandwal
© Andy Foote, Disko Bay Bowhead Whale Project

Der Grönlandwal hingegen, eine in den Polargewässern der nördlichen Halbkugel vorkommende Bartenwalart, profitierte von der Erderwärmung nach dem Ende der Eiszeit. Das zeigen die Forschungsergebnisse einer internationalen Gruppe von Biologinnen und Biologen um Dr. Kristin Kaschner von der Universität Freiburg und Dr. Andrew Foote vom Natural History Museum of Denmark. In einer im renommierten Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlichten Studie beweisen die Forscherinnen und Forscher, dass Grönlandwale im Nordostatlantik dem Rückgang des Meereises nach Ende der letzten Eiszeit gefolgt sind.

Anhand genetischer Analysen von Fossilfunden konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachweisen, dass die Wale ihr Verbreitungsgebiet an der Westküste Dänemarks und bei Südnorwegen weiter nach Norden, nämlich in die Gewässer von Grönland und Spitzbergen, verlegten. Damit erschlossen sie ein großes Gebiet mit idealen Lebensbedingungen: relativ flache, küstennahe Gewässer in unmittelbarer Nähe der Eiskante. Mit der Verdreifachung des Lebensraums stieg die nordatlantische Population der Grönlandwale stark an. Über Jahrtausende hinweg zählten sie, trotz ihrer arktischen Lebensweise, zu den Gewinnern der bis heute herrschenden Warmzeit.
Allerdings machten Menschen die erfolgreiche Anpassung dieser Walart an die veränderten Klimabedingungen in nur wenigen Jahrhunderten zunichte: Mit dem Walfang ab dem 16. Jahrhundert minderten sie den Bestand der Grönlandwale, vor allem im Nordostatlantik, so stark, dass sich dort die Population bis heute nicht erholt hat. Nach aktuellen Erhebungen leben derzeit nur noch ein paar Dutzend Tiere in den Gewässern rund um Spitzbergen.

Anhand ihrer Vorhersagemodelle prognostizieren die Wissenschaftler, dass der derzeitige Klimawandel die letzten verbliebenen Exemplare der nordostatlantischen Unterpopulation des Grönlandwals zusätzlich bedroht. „Aufgrund der Meereserwärmung werden die Lebensräume in den heutigen Polargebieten des Nordatlantiks zunehmend schrumpfen und sich möglicherweise bis zum Ende des Jahrhunderts halbieren“, sagt Kristin Kaschner. „Es ist zu befürchten, dass der durch den Menschen verursachte erneute Klimawandel als zusätzlicher Faktor zum Aussterben des Grönlandwals im Nordostatlantik beitragen könnte.“

Kontakt:
Dr. Kristin Kaschner
Institut für Biologie I
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0172 6978709
E-Mail: Kristin.Kaschner@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | Uni Freiburg im Breisgau
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu
05.12.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen
05.12.2016 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten