Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

T-Zelltherapie bringt Fortschritte im Kampf gegen Krebs und Infektionskrankheiten

15.02.2016

T-Zelltherapie: Technische Innovationen der TUM rücken Heilmethoden in greifbarere Nähe

In den letzten Jahren haben die Bemühungen, Immuntherapien in den breiten klinischen Einsatz gegen Krebs und Infektionskrankheiten zu bringen, große Fortschritte gemacht. So brachten z.B. klinische Studien mit der sogenannten adoptiven T-Zelltherapie vielversprechende Ergebnisse.


Prof. Dirk Busch, Professor für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der TUM, wandte mit Kollegen aus den USA und Italien T-Zelltherapien bereits erfolgreich in klinischen Studien an. (Foto: A. Eckert /TUM)

Drei führende Wissenschaftler auf diesem Gebiet berichteten am 14. Februar auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS 2016) über ihre neuesten Fortschritte: Prof. Dirk Busch von der Technischen Universität München, Prof. Chiara Bonini vom San Raffaele Scientific Institute, und Prof. Stanley Riddell vom Fred Hutchinson Cancer Research Center und der University of Washington.

Auf T-Zellen gründende Immunität entstand, um Krankheitserreger zu erkennen, zu bekämpfen, und um ein lebenslanges Gedächtnis aufzubauen, das vor wiederkehrenden Erkrankungen schützt. Bei chronischen Krankheiten werden allerdings reaktive T-Zellen oft inaktiv oder sie verschwinden sogar. Dank in jüngster Zeit gemachter Fortschritte ist aber nun die Idee, chronische Infektionen oder sogar Krebs zu bekämpfen, indem man dem Körper neue schützende T-Zellen zuführt, viel realistischer geworden.

Die adoptive T-Zelltherapie ist das Hauptthema des im Rahmen der AAAS 2016 stattfindenden Symposiums "Fighting Cancer and Chronic Infections with T Cell Therapy: Promise and Progress". Bei dieser Therapie erhält ein Patient Killer-Immunzellen, die genau die richtigen Moleküle angreifen, um seine Krankheit zu bekämpfen. Bisher standen einer breiten klinischen Anwendung verschiedene Hindernisse entgegen:

Das Finden und Züchten von T-Zellen – ob vom Patient oder von einem passenden Spender, die für den individuellen Krankheitsfall am effektivsten wirken. Die Vermeidung oder Bekämpfung möglicher Nebenwirkungen; und fehlende Methoden, um den Weg von der reinen Forschung in die klinische Anwendung zu verkürzen. Auf dem Symposium berichten die Forscher über Fortschritte in allen drei Punkten und präsentieren Daten von ersten klinischen Studien.

Wirksame Zellen mit Sicherheitsmechanismus

"Die Konkurrenz innerhalb der Wissenschaft ist groß und auch das Interesse der Industrie wächst“, sagt Prof. Dirk Busch. "Wir sind der Überzeugung, dass man vor allem die richtigen Ausgangszellen auswählen muss, um daraus optimale Zellprodukte für die Therapie herzustellen. Hierzu braucht man zusätzlich geeignete klinische Selektionsmethoden.

Über die letzten Jahren haben wir von der TUM zusammen mit Stan Riddell, sowie die Arbeitsgruppe von Chiara Bonini, daran gearbeitet, Zellprodukte bereitzustellen, die sich nach der Übertragung in Patienten stark vermehren und für lange Zeit – potentiell lebenslang – aktiv bleiben. Wir fanden eine T-Zell-Untergruppe mit einem hohen regenerativen Potential, bei der sogar eine geringe Zahl übertragener Zellen – in Extremfall eine einzige T-Zelle – eine therapeutische Immunantwort übertragen kann. Busch ergänzt, dass die Verwendung solch potenter Zellen nach Sicherheitsmechanismen verlangt, die mittlerweile ebenfalls entwickelt und demonstriert wurden.

Im Rahmen der Fokusgruppe für klinische Zellverarbeitung und -aufreinigung am TUM Institute for Advanced Study (TUM-IAS) haben Busch, Riddell und Kollegen bei der Suche nach Verfahren, mit denen definierte T-Zell-Untergruppen schnell für die klinische Anwendung selektiert werden können, Pionierarbeit geleistet.

Besonders interessant sind die sogenannten zentralen Gedächtnis-T-Zellen (TCMs): TCMs können nach dem Transfer vom Körper gut aufgenommen werden, sich vermehren und für lange Zeit bestehen, auch wenn nur wenige Zellen übertragen werden. TCMs können außerdem genetisch so verändert werden, dass sie Rezeptoren für neuartige Antigene aufweisen, ohne dass sich dies auf ihr in vivo Verhalten auswirkt.

Erste klinische Versuche mit genveränderten T-Zellen, die so genannte chimäre Antigenrezeptoren exprimieren und damit Antigene für die B-Zell-Leukämie (anti-CD19-CAR) erkennen, lieferten herausragende Ergebnisse – einschließlich Fälle kompletter Remission von Blutkrebs im Endstadium. Auch klinische Versuche adoptiver T-Zelltherapien gegen chronische Infektionen verliefen vielversprechend.

Gleichzeitig arbeiten die Forscher an Sicherheitsvorkehrungen, die im Fall von Nebenwirkungen eine selektive Beseitigung der für die Therapie verwendeten, gentechnisch veränderten T-Zellen erlauben. Ein solcher Sicherheitsmechanismus wurde erfolgreich in vorklinischen Studien an Tiermodellen getestet und bereits auf Patienten übertragen.

„Wir statten die T-Zellen mit einem Marker aus. So können wir einen Antiköper verabreichen, der ausschließlich an die Zellen bindet, die wir gentechnisch verändert haben“, erklärt Busch. „Wenn der Antikörper an eine Zelle bindet, dann werden Immunreaktionen angestoßen, die diese Zelle beseitigen. Wir nennen das Antiköper-vermittelte Zelltoxizität.“

Insgesamt besteht das Ziel darin, einheitliche und möglichst gut definierte therapeutische Zellprodukte herzustellen und mit Sicherheitsmechanismen auszustatten, damit die adoptive T-Zelltherapie für die Behandlung verschiedener Patienten und Erkrankungen eingesetzt werden kann – auf individueller Basis. "Wir glauben, dass das klinische Ergebnis umso vorhersagbarer sein wird, je besser definiert unsere Zellprodukte sind“, sagt Busch.

Die Technologie-Entwicklung an der TUM hat zur Bildung eines Spin-Off Unternehmens STAGE Cell Therapeutics geführt, das kürzlich mit dem in Seattle angesiedelten Juno Therapeutic fusionierte. Das in München angesiedelte Unternehmen bildet jetzt den europäischen Arm von Juno Therapeutics.

Teile dieser Forschungen wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem TUM Institute for Advanced Study, und von Juno Therapeutics gefördert.

Weitere Informationen:

AAAS 2016 Symposium "Fighting Cancer and Chronic Infections with T Cell Therapy: Promise and Progress"
https://aaas.confex.com/aaas/2016/webprogram/Session12231.html

AAAS Annual Meeting 2016 - Programm
http://meetings.aaas.org/program/

Weitere Informationen:

http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/32936/ - Diese Meldung im Web
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/ - Alles Pressemeldungen der Technischen Universität München
http://www.tum-ias.de/focus-groups/current-focus-groups/clinical-cell-processing... - Fokusgruppe für klinische Zellverarbeitung und -aufreinigung am TUM-IAS

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise